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Alexander Dobrindt

Gefühlte Doppelspitze

CSU: Die Intimfeinde Dobrindt und Söder haben sich arrangiert

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Man kann nicht sagen, dass die Herren enge Freunde waren. In der CSU galt jahrelang als Konstante, dass sich Alexander Dobrindt und Markus Söder kaum ausstehen können.

München – Ein Höhepunkt: Im November 2016 versuchte Dobrindt, seinen fränkischen Parteifreund in eine riskante Bundestagskandidatur zu treiben, immer wieder. „Politik ist kein Ponyhof“, stichelte Dobrindt öffentlich, als wäre Söder ein zu warm geföhntes Fohlen.

Umso erstaunlicher ist, wie nahtlos die gepflegte Abneigung beendet wurde. Seit Söder designierter Ministerpräsident und Dobrindt Chef der CSU-Bundestagsabgeordneten wurde, sprechen beide nur in höchsten Tönen übereinander. Als Ehrengast bei der Klausur der Landtagsfraktion vergangene Woche in Banz durfte Dobrindt auftreten und die „enge Zusammenarbeit“ und große „Einigkeit“ loben. Von gemeinsamen „tiefen Grundüberzeugungen des politischen Koordinatensystems“ schwärmte Söder.

Söder kümmert sich um Bayern - Dobrindt um die Hauptstadt

Ein Wunder? Eher politische Pragmatik. Ohne viele Worte haben sich die beiden ehemaligen CSU-Generalsekretäre, die sich bisher stets für allzuständig hielten, auf eine Arbeitsteilung Berlin/München verständigt. Dobrindt kümmert sich um die Hauptstadt. Söder will im Wahljahr 2018 mit aller Kraft in Bayern aktiv sein und möglichst wenig Zeit in Berlin verbringen. Das hat beinahe kuriose Auswirkungen: Eben erst, nach monatelangem Ringen, war Söder in die Runde der CSU-Unterhändler für die nächste Bundesregierung aufgenommen worden, nun verzichtet er auf seinen Platz dort – freiwillig und im festen Vertrauen, Dobrindt und die Berliner CSU kämen schon klar. Feierlich erklärt er sogar, „keinen Wahlkampf gegen Berlin“ zu führen. Zur Erinnerung: Als noch Dobrindts Vorgängerin Gerda Hasselfeldt die Berliner Landesgruppe führte, taten die Münchner oft und gerne ihr Misstrauen kund, sie verhandle zu weich.

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Die neue Achse München/Berlin bildete sich wohl schon vor einigen Wochen, als Söder und Dobrindt hinter den Kulissen per SMS und dann in mehreren Telefonaten einen engeren Austausch begannen. Auch der Ehrenvorsitzende Edmund Stoiber soll ihnen in Einzelgesprächen dazu geraten haben. Inhaltlich verbindet beide ja viel: Sie sehen die CSU eher rechts der Mitte, verlangen eine restriktive Flüchtlingspolitik und hegen da große Vorbehalte gegen Angela Merkel. Beide glauben, am ehesten mit Klartext Wähler wieder von der AfD zurückzuholen.

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Die neue Zweisamkeit erlaubt sogar ein Spiel mit verteilten Rollen. Dobrindt ist ein Lautsprecher geblieben, stellt immer wieder die Migrationspolitik in den Mittelpunkt und erlaubt sich Attacken auf die potenziellen Koalitionspartner („Zwergenaufstand“ in der SPD). Söder tritt leiser auf, will landesväterlicher wirken. Einen Wettstreit ums schrillste Zitat liefern sie sich schon länger nicht mehr. Dabei ist es nur eine gespielte Doppelspitze: Dobrindt tritt so auf, als wäre er CSU-Chef, Söder so, als wäre er Ministerpräsident. Den Namen desjenigen, der beide Ämter noch innehat – Horst Seehofer – erwähnen sie beide nicht. Das ist kein Zufall bei zwei Politikern, die öfter über Strategien nachdenken als alle Parteifreunde. Dobrindt (47) hat sich massiv von seinem Förderer Seehofer emanzipiert, Söder (51) hatte das nie nötig.

Der vom internen Machtkampf gebeutelten CSU verschafft das einige Wochen Frieden. Wie lange der hält, ist offen. Falls Seehofer doch nicht Bundesminister wird und den CSU-Vorsitz abgibt, wären Söder und Dobrindt wohl sofort Rivalen um dieses Amt. Politik ist ja kein Ponyhof. 

Christian Deutschländer

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