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Symbolbild

Schmutzeleien in Seehofers Heimat

CSU-Mann schwärzt Kollegen an und fliegt auf

München - Eine Affäre um anonyme Briefe treibt die CSU Oberbayern um. Ein junger Landtagskandidat aus Ingolstadt schwärzt Parteifreunde bei den Medien an. Er fliegt auf, tritt nun von seinen Ämtern zurück.

Die Reise begann etwas mühsam. Air China, Flug 962 von München nach Peking, hatte ewig Verspätung. Stunde um Stunde. Als die acht jungen CSU-Politiker an Bord am nächsten Tag endlich abhoben, ahnten sie wohl nicht, dass der größere Reise-Ärger noch vor ihnen lag. Die Tour nach China von Ende Oktober hat allerlei Schmutzeleien ausgelöst und einen kleinen CSU-Skandal.

Warum gerade zu den Kommunisten? Intern gab es darüber Streit. Chinas rücksichtsloser Umgang mit ethnischen und religiösen Minderheiten sei keinerlei Grundlage für Besuche, sagte ein Parteifreund, der Ingolstädter E. – er hielt die Reise für fatal und überflüssig. Nur wer einen Dialog pflegt, kann auch auf Reformbedarf hinweisen, konterten die Reisenden, darunter Oberbayerns Junge-Union-Bezirksvorsitzender Tobias Zech und der designierte JU-Spitzenkandidat für die Landtagswahl, Martin Huber. Menschenrechte und Meinungsfreiheit seien in jedem der Gespräche Thema gewesen, sagt Huber.

In den Gremien der JU blitzte E.’s Kritik ab. Erbost wandte er sich anonym an mehrere Magazine und TV-Sender, schwärzte die reisenden Parteifreunde mit teils nachweisbar falschen Informationen an – namentlich Huber, der im Hauptberuf persönlicher Referent des CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer ist. Die Briefe an die Journalisten waren anonymisiert, kein Absender, kein Briefkopf, keine Unterschrift. Ein Patzer aber unterlief dem 34-Jährigen: Redaktionsadressen schrieb er per Hand.

Zech und Huber bekamen mehrere Kuverts in die Hände. Sie hatten einen Verdacht, schalteten einen Anwalt ein und besorgten sich ein graphologisches Gutachten. Der Vergleich mit Unterschriftenlisten aus JU- und CSU-Sitzungen sprach mit einer hohen Wahrscheinlichkeit gegen den Ingolstädter.

Bei einem Mittagessen stellten sie ihn mit ihrem Anwalt zur Rede, forderten Schriftproben. Es folgte ein wochenlanges Hin und Her aus Leugnen, Lügen und Warnen. Er müsse von den Parteiämtern zurücktreten und die Hoffnung auf ein Landtagsmandat aufgeben, wurde ihm mehrfach bedeutet. In Seehofers Heimat Ingolstadt hatte die CSU den 34-Jährigen offiziell zum Zweitstimmenkandidaten gekürt. Er sitzt zudem im CSU-Vorstand Oberbayern, engagiert sich für Umwelt- und Bildungspolitik. „Ich bin schwer erschüttert“, sagt Zech, „so ein Verhalten hat in einer Partei nichts zu suchen“.

Affären: Diese Politiker sind NICHT zurückgetreten

Affären: Diese Politiker sind NICHT zurückgetreten!

E. gibt nun auf: „Eine Mischung aus privaten und beruflichen Herausforderungen“ ist für seinen Rückzug der offizielle Grund. Den inoffiziellen schreibt er in einem langen Brief an die engere JU-Spitze, der unserer Zeitung vorliegt. Er habe die anonymen Briefe verfasst, „eine idiotische Aktion“ aus „Frust und Dummheit“. Er werde für seine Verfehlungen geradestehen, bittet um Verzeihung. Erklärungsversuch: Ihm seien Gerüchte über sein Privatleben – von, so betont er, unbekannter Seite gestreut – sehr nahe gegangen. Das war offenbar, als über die Kandidaturen intensiv verhandelt wurde.

Seine politische Zukunft, schreibt der junge Mann, habe er verspielt. Die Oberbayern-CSU reiht nun ohne ihn am 20. April die Landtagsliste.

Christian Deutschländer

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