„Klare Kante“ – aber nicht gegen die CDU: Horst Seehofer nähert sich dem Kloster Seeon, begleitet von Hans Michelbach, Andreas Scheuer und Max Straubinger (v.l.). Foto: afp

Harmonie statt Krach zum Start

CSU-Klausur in Seeon: Sanftere Töne im Schneegestöber

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Seeon/München – Zum ersten Mal tagt die CSU im Kloster Seeon. Statt dem von manchen Beobachtern erhofften großen Krach gibt es aber Friedenssignale an die CDU. „Gemeinsam“, gibt ausgerechnet Horst Seehofer als Motto aus.

Für einen öffentlichen Riesenärger steht alles bereit in Seeon. Zusätzliche Kabel wurden zum Kloster verlegt. Das Mobilfunknetz am See bekam einen weiteren Masten. Für ein Dutzend Übertragungswagen der TV-Sender gab es Standplätze, für den Durchblick der Kamerateams wurden sogar Büsche und Bäume beschnitten. Jetzt fehlt nur eines – ein Riesenärger, den es sich in die Welt zu posaunen lohnt.

Danach sieht es aber nicht aus zum Start der dreitägigen Klausur der 56 CSU-Bundestagsabgeordneten im Schneegestöber des Chiemgaus. Parteichef Horst Seehofer gibt das Gegenteil vor. Er rät zu Harmonie. Das Land sei gespalten, man müsse die polarisierte Gesellschaft zusammenführen. Die Unionsparteien erinnert er ans Miteinander: „Alles, was da geschieht“, sagt er auch über die Bundesregierung, „haben wir gemeinsam zu verantworten.“

Von der in der Flüchtlingskrise so aggressiven CSU sind das mal neue Töne. Keine „Schicksalsklausur“, „Fehdehandschuh“, kein „Revöltchen am See“, wie manche Schlagzeilen prophezeiten. Der strategische Hintergrund: Im Wahljahr 2017 will Seehofer den Graben zur CDU verkleinern. Aktuelle Umfragedaten legen ihm das nahe. Der Zorn in der CSU über Kanzlerin Angela Merkel sinkt parallel zu den Flüchtlingszahlen. Im Wahltrend von „Stern“ und RTL bekam die CDU-Chefin von den CSU-Anhängern 72 von 100 möglichen Vertrauenspunkten. Das ist sogar mehr als für Seehofer selbst (69). Nicht jedes Prozentpünkterl ist da auf die Goldwaage zu legen (Institut: Forsa), eine Tendenz lässt sich aber erkennen. Bisher geht das, wie eine zweite Umfrage (GMS für Sat1) zeigt, ohne große Verwerfungen in der CSU. Wäre jetzt Bundestagswahl, würde die Partei bei 46 Prozent landen, vor SPD (17), Grünen (10), AfD (10) und FDP (6).

Es bleibt deshalb beim Plan, Anfang Februar in einer Runde von CDU- und CSU-Spitze in München Merkel zur gemeinsamen Kanzlerkandidatin der Union auszurufen und sich vorher in der Sicherheitspolitik anzunähern. Sogar an „Obergrenze“-Kompromissen arbeiten Abgeordnete bereits. Seehofer ließ dafür zuletzt manchen Streit liegen. Er antwortete auch nicht auf mehrere CDU-Vizes, die via „SZ“ die Schwesterpartei vor „Säbelrasseln“ warnten. „Wir brauchen uns nicht gegenseitig zu belehren“, sagt er vor den Kameras zum Start der Seeon-Klausur lediglich.

Im internen Dialog mit den Abgeordneten rät er zu einem energischen Wahlkampf. „Klare Position, klare Sprache, klare Kante.“ Asymmetrische Demobilisierung (also das Einlullen der Wähler) „funktioniert nicht mehr“, wird er zitiert. „Wer in den Schlafwagen einsteigt, wird an einem rot-rot-grünen Bahnhof aussteigen.“ Dann werde es blutig auch in den Führungen von CDU und CSU, warnt er sinngemäß.

Eine Koalitionsaussage trifft er nicht. Ein Halbsatz fällt aber auf. Er gibt 40 Prozent als Wahlziel für die Union aus. Das ist intern strategisch umstritten. Auf die wahlkämpfende Basis mag es motivierend wirken; wenn das Ziel verfehlt wird, hat Seehofer am Wahlabend aber ein dickes Problem. Falls er dann noch Parteichef ist, denn in Seeon wiederholt er sein Angebot, einem CSU-Spitzenkandidaten dieses Amt weiterzureichen, gerne auch vor der Wahl bei einem Sonderparteitag im Mai.

Die Klausur läuft bis Freitag. Gäste bei Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt sind unter anderem der neue Präsident des Bundesnachrichtendienstes, Bruno Kahl, und Siemens-Chef Joe Kaeser. Seinen Auftritt abgesagt hat der außenpolitisch spannendste Besucher, Kyriakos Mitsotakis, Chef der griechischen Konservativen. Teil zwei der CSU-Klausuren beginnt mit der Landtagsfraktion am 16. Januar in Banz.

von Christian Deutschländer und Xaver Eichstädter

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