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„Schmusen und brüllen“: Horst Seehofer auf dem Weg nach Kreuth, eingerahmt von Max Straubinger, Gerda Hasselfeldt, Andreas Scheuer und Alexander Dobrindt.

CSU-Klausur

Knurren in der Kreuther Kapelle

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Kreuth - Es läuft unrund zum Start der CSU-Klausur im Kreuther Schnee. Ein Ex-Minister mault über den Kurs, die Kirche grollt wegen der Asylpolitik und der Parteichef tritt eine Personaldebatte los. Das hatten sich die Strategen anders vorgestellt.

Als es dunkel ist in Kreuth, pilgern sie alle aus ihrem Sitzungssaal im Keller nach draußen. Sie stapfen durch den Schnee zur kleinen Kapelle schräg gegenüber und beten gemeinsam um Besinnung und Erleuchtung. Die Andacht der Abgeordneten am ersten Tag ihrer Kreuth-Klausur ist ein Ritual, kaum einer schwänzt je. Doch diesmal stören Misstöne den Dreiklang CSU, Kreuth, Kirche.

Zum Start der Klausur wird eine Kontroverse um die Asylpolitik laut. Die katholische Kirche, sonst nicht gerade der Erzfeind, hat das Positionspapier der CSU-Landesgruppe gerügt, das schnellere Asylverfahren fordert, um Wirtschaftsflüchtlinge eiliger loswerden und Kriegsflüchtlingen besser helfen zu können. „Pauschale Lösungen lehnen wir als Kirchen ab, denn das Asylrecht ist bezogen auf den Einzelnen“, sagte der Münchner Erzbischof und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx. Das wird von der CSU als Kritik aufgefasst. „Nicht nachvollziehbar“ sei das, grollt Parteichef Horst Seehofer. Er werde Marx deswegen um ein persönliches Gespräch bitten. Man müsse da wohl ein „Missverständnis“ aufklären.

Missverstanden fühlt sich die CSU vor allem, weil sie in der Asylpolitik heuer ausgewogener formulierte, ja sogar für eine bessere Betreuung junger Flüchtlinge eintritt. Konsequent gegen abgelehnte Asylbewerber und eine Ausnutzung des Asylrechts vorzugehen, hält die Partei aber für unerlässlich, um den sozialen Frieden zu wahren. Sprich: Um den Bayern erklären zu können, warum im Etat eine Milliarde Euro für Flüchtlinge ausgegeben wird.

Offiziell bemühen sich Seehofer und Marx, den Krach nicht zu hoch zu hängen. Der Ministerpräsident erinnert daran, wie er in seiner Neujahrsansprache den Kirchen für ihren Einsatz für Flüchtlinge dankte. Ein Sprecher des Kardinals betont, das Katholische Büro Bayern stehe im „ständigen und guten Dialog mit der Staatsregierung über die Flüchtlingspolitik“ und erinnert an die Zusammenarbeit im Asyl-Krisenstab. Es gebe „in vielen Punkten Übereinstimmung“ und „wenn notwendig, auch kritische und zugleich konstruktive Gespräche“. Einigen Abgeordneten missfällt die Kritik dennoch massiv, ist halblaut in Kreuth zu hören.

Es läuft auch sonst überraschend unrund zum Auftakt der dreitägigen Klausur. Die Themensetzung vorab klappte mit sieben Positionspapieren recht gut, in Kreuth selbst tauchen dann aber diese Fragen auf, die die CSU-Spitze nicht mag. Hans-Peter Friedrich und seine scharfe Kritik am zu wenig konservativen und wirtschaftsfernen Kurs zum Beispiel: Der Ex-Minister rückt keinen Zentimeter davon ab. „Diese Diskussion muss geführt werden“, sagt er, als er zur Pforte schlendert: „Wieso soll ich das zurücknehmen? Es ist alles richtig, was ich gesagt habe.“

Sein Chef widerspricht vehement. „Diese Generalkritik kann ich nicht verstehen“, sagt Seehofer und kündigt an, mit Friedrich „unter Freunden sauber“ zu reden. Ihm taugt nicht, dass Friedrich mit seiner lauten Kritik die inhaltlichen Beschlüsse überlagert, die die CSU in Kreuth zu fassen gedenkt.

Seehofer selbst tritt allerdings eine überflüssige Debatte los: Per Interview in der „Welt“ teilt er mit, 2018 nicht mehr als Ministerpräsident zu kandidieren. Das ist zwar nicht neu, Seehofer redet seit Jahr und Tag vom geordneten Übergang 2018 – die Medien in Kreuth versetzt er damit aber erwartbar in Aufregung. Den Rest des Tages kann kein Abgeordneter mehr aufs Klo oder zur Zigarettenpause, ohne zur Seehofer-Nachfolge befragt zu werden. Dass Landesgruppen-Chefin Gerda Hasselfeldt tapfer in ein Mikrofon sagt, sie habe „keine Personaldiskussion am Hacken“, klingt da eher kurios.

Was Seehofer den Abgeordneten sagen wollte, fällt fast hinten runter. Zu Sachpolitik mahnt er. Was 2015 nicht angepackt werde, könne man im Wahlkampf 2017 nicht mehr korrigieren. Intern lockt der Parteichef mit der Aussicht auf eine absolute Mehrheit, verlangt „Zusammenhalt, Durchhaltevermögen, Begeisterung“. Und verspricht Biss, auch innerhalb der Union. Bei den Gesprächen im Kanzleramt, so zitieren ihn Zuhörer in Kreuth, werde „nicht nur geschmust, sondern auch gebrüllt“.

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