Seehofer kurz vor seinem Schwächeanfall in Kreuth.

CSU-Klausur in Kreuth

Seehofer: „Es fällt extrem schwer mit Merkel“

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Kreuth – Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer will bei der Kreuth-Klausur den starken Kanzlerin-Kritiker geben – erleidet aber einen Schwächeanfall.

Die Klausur beginnt mit einem Schreckmoment. Während seiner Rede am Pult bricht die Stimme von Horst Seehofer, er stockt, hält sich mit beiden Händen fest, schweigt. „Er war leichenblass“, berichtet ein Augenzeuge. Abgeordnete springen auf, Minister Marcel Huber läuft auf Seehofer zu. Sie stützen ihn, bringen ihn zu einem Stuhl. Ein Schwächeanfall des Ministerpräsidenten überschattet den Auftakt der CSU-Klausur in Kreuth.

Die Straßen zum Wildbad werden gesperrt, Notarzt und Krankenwagen rasen zum Tagungsgelände. Seehofer fängt sich wieder, spricht wenig später sogar im Sitzen weiter, lässt sich zunächst nur kurz vom Arzt checken. Er will die Klausur nicht abbrechen. Seehofer kennt ja die Berichte und Befürchtungen, wenn ihm wo die Luft ausgegangen ist, wie beim Aschermittwoch in Passau und vergangenes Jahr bei einer Wagner-Premiere in Bayreuth. Stets heißt es dann besorgt, ob der 66-Jährige das Mörderprogramm als Partei- und Regierungschef noch schaffe – in der Politik fragt man das nie nur aus Fürsorge.

Schwächen will sich Seehofer jetzt nicht erlauben. Eilig schickt er seine Leute nach draußen zu den Journalisten, sie sollen abwiegeln. Er verfolgt die Sitzung weiter vom Platz aus, mit wechselnder Gesichtsfarbe, schweigend, aber gefasst. Eigentlich wollte Seehofer bei der Klausur wieder den Starken spielen, politisch. Wenn heute Kanzlerin Angela Merkel in Kreuth einfliegt, diesmal zu den Landtagsabgeordneten, sollte höchstens sie umfallen – im Streit um die Flüchtlinge.

Eine gute Stunde vor dem Schwächeanfall ist vom erkälteten Seehofer deshalb noch eine Kraftmeierei zu vernehmen. Als Journalisten ihn fragen, wie dick sein Geduldsfaden mit Merkel noch sei, sagt er: „Fällt scho schwer. Fällt extrem schwer.“

Schwer fällt’s nun sicher beiden, dem angeschlagenen Seehofer und der angezählten Kanzlerin. Sie wird sich von den Landtagsabgeordneten die gesammelte Kritik an ihrem Kurs anhören müssen. Fast alle halten ihre Politik für fatal, fordern Obergrenzen und Abweisungen, beschlossen am Abend einstimmig eine solche Resolution des Innenpolitikers Florian Herrmann.

Am liebsten würden sie ein Donnerwetter über der Kanzlerin ablassen. Merkel-Kenner rieten ihnen, das sei sinnlos. „Das ist sie gewöhnt, das beeindruckt sie nicht. Sie starrt dann auf die Tischplatte und wartet, bis es vorbei ist“, sagt einer, der das kennt. Die einzige Hoffnung sei, so sagt auch Seehofer, die Kanzlerin mit Argumenten zu erreichen. „Form wahren, in der Sache klar formulieren“, rät er. Drei Punkte verlangt er selbst von Merkel: Grenzen lückenlos sichern, Flüchtlingszahl senken „und keine neuen Fehler machen“, etwa der Türkei Visafreiheit zu gewähren.

Eine Wende von Merkel erwarten selbst CSU-Optimisten nicht, nicht in Kreuth jedenfalls. Die CSU kümmert sich deshalb parallel um ein Projekt, das sie selbst vorantreiben kann: den Begriff der Leitkultur in der Verfassung zu verankern. Fraktionschef Thomas Kreuzer legt dazu sogar eine Umfrage vor.

Welche Spielregeln die Bayern für das Zusammenleben für absolut unverzichtbar halten, wird zum Beispiel gefragt. Ganz oben: Dass Männer und Frauen gleich behandelt werden (79 Prozent), friedliches Miteinander (74), christliche Werte achten (66), Toleranz gegenüber Anders- und Nichtgläubigen (50), Offenheit gegenüber Fremden (46). Mal sehen, wie viel Offenheit die CSU für die fremde Frau Merkel heute aufbringt.

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