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Peter Gauweiler sorgt für heftige Kritik in der CSU-Landesgruppe.

Auf Landesgruppen-Sitzung

CSU-Kollegen schimpfen Gauweiler

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Berlin – Sitzungen seiner CSU-Landesgruppe pflegt Peter Gauweiler nur zu besuchen, wenn es um echt wichtige Themen geht. Am Montag erschien der seltene Gast mal wieder in Berlin. Kein Wunder, denn das Thema lautete: Peter Gauweiler.

Gauweiler hat mit einem Interview die CSU bis in die Spitze verstört. In drastischen Worten kritisierte der Münchner den Ukraine-Einsatz deutscher Soldaten in zivil und deren Verhalten in Geiselhaft. Er verstehe nicht, „dass es unser Interesse sein soll, uns in dieser plumpen Weise noch tiefer in den Konflikt hineinziehen zu lassen“, sagte er dem „Spiegel“. Er warb zudem erneut um Verständnis für Russland.

Die CSU spürte da mal wieder die Risiken und Nebenwirkungen des Parteivizes. Der populäre Querdenker fängt Stimmen im Europa-Wahlkampf, aber er lässt sich nicht bremsen, nicht steuern. Sein Vize gebe „in weiten Teilen seine persönliche Haltung wieder“, gerade in Hinblick auf das Verhalten der Soldaten, antwortete Parteichef Horst Seehofer distanziert.

In der Landesgruppe fiel die Kritik noch schärfer aus. „Unerträglich“ sei Gauweilers Einlassung, schimpfte der parlamentarische Geschäftsführer Max Straubinger: „Eine ziemliche Frechheit, vom gemütlichen Schreibtisch in München aus das Verhalten deutscher Soldaten in Geiselhaft zu maßregeln.“ In der Sitzung kam es zu heftigen Kontroversen zwischen beiden, Straubinger und Gauweiler zofften sich über dieses und andere Interviews - bis hin zur Forderung nach Entschuldigung. „Es war giftig“, berichten Ohrenzeugen.

Auch Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt sagte laut Teilnehmern, Gauweiler habe „nicht die Meinung der Partei, nicht der Fraktion und nicht meine Position“ vertreten. Abgeordnete machten Gauweiler deutlich, die Soldaten hätten sich korrekt verhalten, ihre Mission sei in Ordnung gewesen, die Kritik des Parteivizes sei daneben.

Ein Zerwürfnis Seehofer–Gauweiler ist das noch nicht. Allerdings fällt auf, dass der Parteichef seinen Vize derzeit auf mehreren Feldern gerne etwas leiser hätte. Auch auf Gauweilers schrille Töne gegen die EU-Kommission verzichtet die CSU-Strategie derzeit weitgehend. Angesichts der Ukraine-Krise will Seehofer lieber das Friedenswerk EU betonen, statt über Bürokratielasten zu schimpfen. Auf dem Europa-Parteitag am Samstag ist kein Auftritt Gauweilers vorgesehen. Die Bühne in Nürnberg soll vor allem Spitzenkandidat Markus Ferber gehören.

Gauweiler freilich muss um mediale Aufmerksamkeit nie betteln. In einer Woche zum Beispiel wird er unter Blitzlichtgewitter in München das neue Wilfried-Scharnagl-Buch „Versagen in Brüssel – Plädoyer für ein besseres Europa“ vorstellen. Er hat das Vorwort dazu geschrieben. Zugesagt hat für den Abend übrigens als Ehrengast auch Seehofer.

Christian Deutschländer

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