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Sie wollen die alte Strauß-Forderung bedienen, dass im Parteien-Spektrum rechts der CSU kein Platz sein dürfe: Die Gruppe "Konservativer Aufbruch".

Ex-Minister Goppel unter den Gästen

CSU: "Konservativer Aufbruch" tagt am Strauß-Grab

Rott am Inn - Sie nennen sich „Konservativer Aufbruch“: eine Gruppe von jüngeren CSU-Mitgliedern, die ihre Partei wieder „auf Kurs“ bringen wollen. Schon der Ort der ersten öffentlichen Versammlung ist so Manchem eine Provokation.

Natürlich ist der Ort mit Bedacht gewählt. Und natürlich empfinden ihn manche in der CSU als Provokation. Quasi einen Steinwurf von der Gruft von CSU-Übervater Franz Josef Strauß entfernt hat sich am Montagabend eine Gruppe von Leuten getroffen, die sich „Konservativer Aufbruch“ nennt - erstmals zu einer öffentlichen Kundgebung, misstrauisch beäugt von Parteichef Horst Seehofer. In einem Nebenzimmer des Landgasthofs „Stechl“ in Rott am Inn sitzen sie nun. Etwa 30 Gäste sind gekommen. „Ziemlich geschmacklos“, wetterte Strauß-Tochter Monika Hohlmeier schon vorab im „Münchner Merkur“ über die Wahl des Veranstaltungsorts.

„Echte CSU-Politik statt Anpassung an den rot-grünen Zeitgeist“: Das ist der Kern der Forderungen des „Konservativen Aufbruchs“, der sich schon im Juni gegründet hatte. Und darüber wollen sie an diesem Abend öffentlich diskutieren. Auch mit ihrem Gast: Ex-Wissenschaftsminister Thomas Goppel. Der hatte sich, so erzählt er, am Morgen vom CSU-Vorstand noch Kritik wegen seiner Rede in Rott anhören müssen. Seehofer selbst trug ihm auf, anschließend Bericht zu erstatten.

Kaum einer im Saal nennt Seehofer an diesem Abend beim Namen. Und doch machen viele den Parteichef verantwortlich für Entwicklungen und Kursänderungen, die sie an der CSU beklagen: „Wir haben das Gefühl, dass die Verlässlichkeit der CSU in den letzten Jahren leider etwas verloren gegangen ist“, sagt einer der Sprecher der Initiative, Lars Bergen. Ein CSU-Mann aus Chieming schimpft: „Die Parteiführung hat ein Rückgrat wie eine Gummischnur.“

Sie wollen die CSU wieder 'auf Kurs' bringen

Die Gründer des „Konservativen Aufbruchs“, allesamt jüngere und bislang unbekannte Leute, wollen die CSU wieder auf den richtigen Kurs bringen. Beziehungsweise auf den Kurs, den sie für den richtigen halten. Man wolle den Konservativen eine Stimme geben, sagt Bergen. Sein Kollege David Bendels betont, wobei er das Wort „unsere“ deutlich betont: „Wir müssen aufpassen, dass unsere CSU diesem linken und linkslastigen Abwärtstrend der CDU nicht folgt. Sonst ist unsere CSU, an der uns viel hängt, in der Gefahr, nicht mehr Volkspartei sein zu können.“ Das wolle man verhindern. Einen ausführlichen Termin bei CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer hatten die Sprecher schon.

Konkret fordern die Initiatoren beispielsweise einen harten Kurs gegenüber abgelehnten Asylbewerbern: nämlich deren sofortige Abschiebung. Sie sind gegen das achtjährige Gymnasium. Sie wollen, dass sich Leistung steuerlich wieder lohnt. Sie sind für einen harten Kurs in der Euro-Politik. Sie wehren sich dagegen, die Energiewende zu überstürzen. Sie sind strikt gegen eine Aufweichung der Regeln zur doppelten Staatsbürgerschaft. Und sie fordern, dass Ehe und Familie ganz klar Vorrang haben vor alternativen Lebensformen. Sie kämpfen für das alte Familienbild, schimpfen auf „linke Ideologie“.

80 Prozent davon finde sich doch bereits im CSU-Programm, meint Goppel anschließend. Der CSU-Vorsitzende von Rott, Sebastian Mühlhuber, der ebenfalls unter den Zuhörern ist, sagt: „Wir müssen es schaffen, unseren Vorturnern zu sagen: Lest halt nochmal unser Programm durch.“ Und CSU-Mann Andreas Becker aus Prien, der sich ziemlich in Rage redet, fragt: „Warum eigentlich hört niemand auf uns? Ich glaube nicht, dass wir die Minderheit sind.“

Einig sind sie sich, dass niemand der CSU den Rücken kehren will. Der „Konservative Aufbruch“ wolle eine integrative Kraft sein, damit es - wie FJS einmal verlangt hatte - rechts von der CSU keine demokratisch legitimierte Partei mehr geben könne. Der Alternative für Deutschland soll das Wasser abgegraben werden. „Wenn wir kleine Gruppen immer weiter daneben dümpeln lassen, dann wird es ausgesprochen schwierig“, mahnt auch Gastredner Goppel. Er warnt die Anwesenden mehrfach davor, die CSU zu verlassen: „Jeder, der das Schiff verlässt, ist dafür verantwortlich, dass bei der nächsten Böe das Schiff wackliger wird.“

dpa

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