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Scherzeleien unter Parteifreunden: CSU-Chef Horst Seehofer und sein Generalsekretär Alexander Dobrindt geben sich betont heiter im Kreuther Sitzungssaal.

Kuschelkurs statt Schmutzeleien

CSU: Wohlfühl-Strategie im Wildbad

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Kreuth - Den Schmutzeleien soll eine Kuschelei folgen. Harmonisch und heimatverbunden will Horst Seehofer seine CSU zu Jahresbeginn in Kreuth präsentieren. Die Landtagsfraktion mault deswegen nur heimlich.

So eine Klausur kann auch sehr friedlich sein. Dienstagabend: Ein Teil der Abgeordneten schlurft mit Handtuch in die Sauna, der Rest mit Mantel zum Kirchgang. Später trifft man sich auf ein paar Bier, im Saal spielen zwei bayerische Bands Pop und Funk-Musik. Titel: „In Bayern daheim, Kultur schafft Identität.“

Früher wurde in Kreuth geputscht und gestürzt, heute wird geschunkelt. Das ist politisch gewollt. Unmittelbar vor der Niedersachsen-Wahl und zu Beginn des eigenen Wahljahres mag die CSU kein Krawall-Signal aus dem Wildbad senden, sondern das Wir-Gefühl stärken. „Welche Regierung hat solche Erfolge schon erreicht“, flötet Fraktionschef Georg Schmid den Abgeordneten zu. Sie sitzen unter Kronleuchtern und vor rosafarbenen Wänden, „Erfolgsland Bayern“ prangt an der Stirnseite des Saals.

Vorsichtig und indirekt regt er an, statt ewig über Schmutzeleien zu diskutieren, lieber mal die eigenen Bilanz zu bewerben: „Wir müssen ein bisschen mehr drüber reden. Daran hapert es.“ Als Schmid draußen für die Fotografen einen Schneeball schleudern soll, wirft er so sanft, dass ihm das Ding fast auf die eigenen Füße kullert.

Als Klausur-Themen hat er die Lieblingsthemen Innere Sicherheit und stabile Finanzen aus dem Schrank geholt. Das ist weitgehend neuigkeitenfrei und deshalb konfliktarm, ergänzt durch den intern kaum umstrittenen Kurs pro tarifliche Mindestlöhne, um das soziale Profil abzurunden. Ob er die Ruhe mit einem neuen Vorstoß etwa in der Haushaltspolitik stört, entscheidet Regierungschef Seehofer erst heute.

Warum auch? Die Harmonie-Taktik geht bisher auf, wie schon beim Treffen der Berliner Landesgruppe eine Woche zuvor. Seehofer bleibt zum Start der viertägigen Klausur eine Aussprache über seinen Rundumschlag gegen Parteifreunde erspart, obwohl viele Abgeordnete sehr wohl eine kritische Meinung dazu haben. Er verlangt Sacharbeit, sieht als letztes Zeitfenster das erste Vierteljahr 2013.

Beruhigt wird die Fraktion auch von neuen Umfragewerten. Diesmal sind es 48 Prozent, weit vor SPD (20), Freien Wählern (8), Grünen (12) und FDP (3), die Emnid für den Auftraggeber CSU ermittelt haben will. 81 Prozent sind sogar fürs Betreuungsgeld; na gut, befragt wurden nur Familien mit kleinen Kindern, aber die Abgeordneten freut’s. „Es ist ein Gemeinschaftsgeist in dieser Fraktion. Der hatte sich mal eine Zeit versteckt“, meldet Fraktionsvize Alexander König.

So sind es allenfalls Zwischentöne, die an Kritischem aus dem verschneiten Seitental dringen. Der Kommunikationschef des Allianz-Konzerns rät den CSU-Spitzen beim vertraulichen Gespräch, zu einem guten Auftritt gehöre auch, mal einen Fehler zuzugeben. Ein kleiner Tipp für Seehofer, der ja nie Fehler macht, sondern hinterher stets alles zur Strategie erklärt? Inhaltlich murren einzelne Abgeordnete, denen das Aus der Studienbeiträge und der geplante sanfte Donau-Ausbau nicht passen. Eine Meuterei ist allerdings fern. Schmid droht potenziellen Abweichlern wie Ex-Staatskanzleichef Eberhard Sinner nicht mal mit Fraktionszwang, er erinnert nur milde: „Jeder muss wissen, was das bedeutet.“

Christian Deutschländer

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