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Von links: Armin Rösl (Redakteur bei der Ebersberger Zeitung), SPD-Kandidat Ernst Böhm, CSU-Kandidat Robert Niedergesäß, Johannes Markmann (Volontär bei der Ebersberger Zeitung)

Robert Niedergesäß gegen Ernst Böhm

Die Kandidaten im Chat: So haben sie sich geschlagen

Landkreis – Äußerlich haben sie Gemeinsamkeiten: Beide haben einen dunklen Trachtenanzug an. Beide sind hochkonzentriert und beantworteten am Montagabend gelassen das Fragenstakkato unserer User. Die Landratskandidaten Niedergesäß und Böhm trafen sich erstmals zum Live-Chat.

Hier finden Sie den Chat zum Nachlesen

Ernst Böhm (SPD) erscheint zehn Minuten vorher in der Redaktion der Ebersberger Zeitung und verteilt Hustenbonbons. Auch Robert Niedergesäß (CSU) ist überpünktlich. Beide sind angespannt. „Shake hands“ für die Fotografen, dann geht es los.

Kreisklinik, Iveco-Gelände, ein fünftes Gymnasium, die Südumfahrung von Kirchseeon: Es laufen so viele Fragen ein, dass EZ-Redaktionsleiter Michael Acker die User um Geduld bitten muss. „Wenn das so weitergeht, haben wir in einer Stunde hundert Fragen beantwortet“, freut sich Böhm. Beide sprechen langsam, die Antworten gibt der jeweilige Redakteur in den Chat ein. Niedergesäß ist sehr konzentriert, stützt den Kopf auf die rechte Hand, die er ab und zu wegzieht, um auf dem Bildschirm eine Antwort mit dem Zeigefinger noch einmal zu kontrollieren, bevor sie freigegeben wird. Man merkt: Beide Kandidaten nehmen es an diesem Abend ganz genau.

Eine von Böhms zentralen Botschaften: „Nach vielen Jahrzehnten Alleinherrschaft der CSU täte ein Wechsel dem Landkreis gut. Wettbewerb belebt das Geschäft.“ Niedergesäß zieht die Karte seiner „Jugendnähe“ und seiner politischen Erfahrung, ein Terrain, auf dem ihm auch sein SPD-Kontrahent einen Vorsprung bescheinigt.

Weiter geht’s mit Fragen zur dritten Startbahn. Böhm will sich mit Rücksicht auf die ihn unterstützenden Grünen nicht dafür einsetzen, Niedergesäß ist unentschieden, weil der Landkreis „nicht zuständig“ ist. Beide stehen der Sportförderung im Landkreis offen gegenüber und sehen Optimierungsbedarf im Landratsamt.

Niedergesäß will den Bürgerservice „wo nötig weiter ausbauen“, Böhm will mehr Bürgernähe herstellen: „Im richtigen Ton können Sie fast alles sagen, im falschen Ton fast nichts“, meint er. Niedergesäß wehrt sich gegen die Darstellung eines Users, dass er der Gemeinde Vaterstetten zu viel Schulden aufgebürdet habe. Trotz hoher Investitionen liege der Schuldenstand derzeit „nur vier Millionen“ höher als bei seinem Amtsantritt. Die Frage, wie er es im Falle seiner Wahl mit einem Dienstwagen halten werde, findet er populistisch. „Jeder Landrat in Bayern hat einen Dienstwagen. Dies ist sinnvoll“, meint er.

Auch die Kreissparkasse taucht immer wieder auf. Niedergesäß spricht von „ollen Kamellen“, Böhm findet es schade, dass man die Verwaltungsräte für ausgebuchte Kredite nicht mehr zur Verantwortung ziehen könne.

Er widerspricht auf die Frage einer Users, warum er mit seinem politischen Engagement so lange hinter dem Berg gehalten habe: „Im Landkreis habe ich das politische Engagement zu Gunsten meiner Familie zurückgestellt. Jetzt habe ich noch 15 Jahre Zeit, mich zu engagieren“, meint er.

Michael Seeholzer

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