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Was geschieht hinter seinem Rücken? Bei diesem CSU-Parteitag kursieren besonders viele Verschwörungstheorien zu Seehofers Schmach.

Erste Verschwörungstheorien

CSU-Parteitag: Hinter Seehofers Rücken

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    Mike Schier
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München - Ihren Parteitag wird die CSU nicht so schnell vergessen. Der Demütigung von Merkel folgt ein mäßiges Ergebnis für Seehofer. In der Partei gibt es Erklärungsversuche – und Verschwörungstheorien.

In Reihe eins, Mitte, zuckt der Chef mit den Schultern. Etwas ratlos wirkt er. „Bei geheimen Wahlen soll man keine Erklärungsversuche machen“, sagt Horst Seehofer, um dann doch eine Erklärung zu versuchen. Immer rund hundert Gegenstimmen bei jedem Wahlgang, sagt er leise vor sich hin. Auch bei den Vize-Posten. „Es ist manchmal so, dass auf Parteitagen etwas organisiert wird. Das hat sich niedergeschlagen.“

Diesmal kursieren besonders viele Verschwörungstheorien

„Etwas“ organisiert, das heißt im Polit-Sprech: Hinter seinem Rücken wurde abgesprochen, der Parteispitze bei den Wahlen eine mitzugeben. Es wäre der erste Parteitag, bei dem nichts organisiert worden wäre, diesmal kursieren aber besonders viele Verschwörungstheorien in der Münchner Messehalle C1. Sie zeigen die Verunsicherung der CSU und das Misstrauen der Protagonisten untereinander. Mit 87,2 Prozent wird Seehofer zwar nicht demontiert, es ist aber doch das schlechteste Ergebnis seiner Amtszeit. Den eiskalten Umgang mit Kanzlerin Angela Merkel vom Vorabend kreiden ihm manche ihrer Unterstützer in der CSU – auch die gibt es – an. Andere raunen über Seehofers Skepsis beim Bau der dritten Startbahn. Dass der Parteichef mehrfach betonte, er wolle die Frage allein entscheiden, ärgert etliche Abgeordnete. Zudem schimpfen Oberpfälzer, die sich in der Parteispitze zu wenig vertreten fühlen. Auch sie könnten Seehofer die Stimme verweigert haben.

Und dann wäre da noch der Herr, der sofort nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses zu Seehofer eilt und ihm abseits der Mikrofone zuraunt, er habe diesmal seine Finger nicht im Spiel. „Ich hab um Geschlossenheit geworben“, sagt Markus Söder und behauptet: „Seehofer hätte ein besseres Wahlergebnis verdient gehabt.“ Die fortgeschrittenen Parteistrategen erinnern aber daran, dass der Vorsitzende der unzufriedenen Oberpfälzer, Albert Füracker, Söders Staatssekretär und Vertrauter sei. Vielleicht stecke ja der hinter alldem. Man wird es vermutlich nie erfahren.

Die Delegierten der CSU, die sich sonst wie keine andere Partei selbst preisen kann, treten am Samstag mit einem flauen Gefühl die Heimreise an. Daran ändert auch die 90- minütige Rede Seehofers nichts, der die Seele der Partei streicheln will. Unaufgeregt im Ton, deutlich in der Sache. Er versucht, den Streit mit Söder humorvoll zu relativieren: „Ich mach’ Fehler, Markus Söder macht Fehler. Ich geb’ sie zu – manchmal. Markus Söder gibt sie zu – neuerdings.“ Er findet sogar freundliche Worte für Merkel: „Wir haben eine erstklassige Bundeskanzlerin, die uns herausragend international repräsentiert.“ Aber er bleibt dabei, dass in der Flüchtlingspolitik nachjustiert werden soll. Man brauche keine Willkommenskultur, sondern eine „Kultur der Vernunft“. Seehofer dankt und lobt, er schmeichelt und umgarnt. Und er verortet noch einmal die CSU als „Partei der bürgerlichen Mitte und des demokratischen Spektrums rechts“. Von AfD und Pegida grenzt er sich deutlich ab.

Am Ende erhebt sich der Parteitag. Nicht euphorisch, aber scheinbar zufrieden, drei Minuten. Selbst Peter Ramsauer klatscht ausdauernd. Doch das Bild trügt. Die CSU steht am Samstag immer noch unter dem Eindruck der Zusammenpralls zwischen Seehofer und Merkel am Vorabend. „Ich dachte, dass man in so einer Situation die Choreografie besser abspricht“, wundert sich einer aus der Parteispitze. Gerüchte machen die Runde, die Parteichefs hätten sich schon vor dem Auftritt unter vier Augen gestritten. Offiziell wird das dementiert: Während Merkel geschminkt wurde, habe man sich vor allem über Helmut Schmidt unterhalten. Schon heute, bei dessen Trauerfeier in Hamburg, werden sich Merkel und Seehofer wiedersehen. Ob Zeit bleibt, den Eklat vom Freitag aufzuarbeiten?

Die Sorge: Merkel zieht die CSU nach unten

In der CSU fürchten sie ernsthaft eine dauerhafte Beschädigung der Union. Ewig scheint es her, dass die SPD laut überlegte, ob sich ein eigener Kanzlerkandidat 2017 überhaupt lohne – dabei sind es nur drei Monate. Dafür trifft man am CSU-Delegiertenabend am Freitag erstaunlich viele Fans von Wolfgang Schäuble. Sehr ernsthaft wird nach dem dritten Bier über eine Zeit nach Merkel diskutiert. Doch noch viel ernsthafter erteilt Seehofer am Sonntag allen Spekulationen eine Absage, die CSU könne ihre Minister aus der Berliner Koalition abziehen. Die Diskussion sei ein „Gespenst“.

45 Prozent hat die jüngste Umfrage der CSU bescheinigt. Erstaunlich viel. Doch die Sorge bleibt, Merkel könne die CSU nach unten ziehen. „Wenn sie uns was heimzahlen will, fährt sie ihren Kurs so weiter“, sagt ein führender CSUler. Die Kanzlerin hat die Grünen als potenziellen Partner. Sie bieten ihr sogar schon politisches Asyl. In Bayern aber fehlt der CSU ein natürlicher Partner. „Wenn die Zahlen so bleiben“, sagt einer düster, „wird die AfD kein kleines, sondern ein ziemlich großes Problem sein."

Til Huber mit:

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