Rede bei CSU-Parteitag

„Politikverständnis eher wie bei der Mafia“: Söder löst mit Bayern-Satz Welle der Empörung aus

  • Cindy Boden
    VonCindy Boden
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Die CSU sieht sich als Partei für Bayern. Entsprechend lobt Landeschef Söder auch Minister Scheuer, dass er Geld in den Freistaat holte. Zum Unmut von Social-Media-Nutzern.

Nürnberg - CSU-Chef Markus Söder wollte am Freitag eine Lanze für Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) brechen. Doch bei vielen sorgte sein Satz für Empörung.

In seiner langen Rede beim CSU-Parteitag, die die Delegierten mit Applaus feierten, erwähnte Söder immer wieder Parteikollegen und Minister. Als es um den Klimaschutz geht, sagte der bayerische Ministerpräsident: „Wir wollen neue Antriebe, Andi Scheuer: Elektro, Wasserstoff, synthetische Kraftstoffe.“ Und dann: „Du hast uns viel Geld nach Bayern gebracht.“ Das wollte der Parteivorsitzende dann auch noch einmal ganz deutlich machen: „Bei allem, was der ein oder andere kritisiert an dem Andi Scheuer: Ich kenne wenige Minister, die so viel Geld nach Bayern holen, wie der Andi Scheuer. Auch das muss man einfach mal in der Bilanz ehrlicherweise bitte nach draußen sagen.“ Applaus in der Halle.

Söder sorgt mit Aussage beim CSU-Parteitag für Furore - „Da wundert die sich, dass man Bayern nicht sooo sympathisch findet“

In den Social Netzwerken gab es dafür aber deutlich weniger Zustimmung. Der „Bericht aus Berlin“ von ARD postete den Ausschnitt im Internet. Darunter sammeln sich einige wütende Kommentare.

„Für die CSU ist das ein Qualitätsmerkmal. Und deshalb hatte Scheuer wohl auch Narrenfreiheit“, meint ein Nutzer zu den Geldern für Bayern. „Da wundern die sich, dass man Bayern nicht sooo sympathisch findet“, hält ein anderer fest. „Eigentlich hat ein Bundesminister - laut Eid - die Verpflichtung, an das gesamte Land zu denken. Hier wird er von seinem Patron dafür gelobt, dass er das Gegenteil macht. Muss jeder selbst für sich bewerten“, kommentiert dazu jemand bei Facebook.

„So verabschiedet er sich aus der Kanzlerkandidatur 2025“: Söder kommt mit Bayern-Satz zu Scheuer nicht gut weg

Markus Söder, CSU-Parteivorsitzender und Ministerpräsident von Bayern, spricht auf dem Parteitag.

Söder selbst kommt mit der Bemerkung nicht gut weg. Einige Nutzer blicken direkt in die Zukunft: „Außerhalb von Bayern erntet Söder dafür nur Kopfschütteln. So verabschiedet er sich aus der Kanzlerkandidatur 2025. Der nächste Verkehrsminister sollte Projekte in Bayern auf die ganz lange Warteliste schieben“, heißt es wiederum auf Twitter. Oder: „Gleichzeitig wird aber auch deutlich, was uns erwartet, wenn Söder mal Kanzler werden sollte... alles geht nach Bayern.“

Aber auch generelle Kritik an der CSU wird laut: „Politikverständnis der CSU eher wie bei der Mafia... ein Bundesminister sollte für das Land zuständig sein, nicht als Provinz- Geldeintreiber nach Berlin geschickt werden... unglaublich, diese Kleinpartei, die als Wurmfortsatz der CDU großkotzig auftritt!“, schreibt beispielsweise jemand.

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Mobilitätszentrum oder PKW-Maut: Scheuer-Projekte sorgten für Unmut

Ein Mobilitätszentrum in München ist beispielsweise ein Projekt mit Scheuer, das viel diskutiert wurde. Scheuer hatte sich aber auch mit dem Skandal um die PKW-Maut bei vielen sehr unbeliebt gemacht. Auch als es rund um Corona im Frühling 2021 um eine Taskforce für Corona-Tests ging und Scheuers Name auftauchte, machten sich viele online Luft. Sogar in den Kommentaren zum CSU-Wahlwerbesport, in dem Scheuer gar nicht vorkommt, waren Aktionen des Verkehrsministers schnell Thema.

In Umfragen sieht es zurzeit für die Union vor der Bundestagswahl alles andere als rosig aus. Und auch die CSU in Bayern hat zu kämpfen. Der CSU-Parteitag soll die „Trendwende“ bringen. Am Samstag spricht CDU-Chef Armin Laschet in Nürnberg. (cibo)

Rubriklistenbild: © Daniel Karmann/dpa

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