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Der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer spricht beim kleinen Parteitag der CSU

...und kleinen Formfehlern

CSU-Parteitag: Mit Heimat, Horst und Härte

München - Es ist die Suche nach der alten Zauberformel. Mit der Gleichung „CSU = Bayern“ gewann die Partei einst fulminant alle Wahlen. Mit Patrioten-Pathos und ganz in Weiß-Blau will jetzt auch Seehofer siegen.

Am Essensstand stößt etwas sehr säuerlich auf. Die ganze Parteitagshalle ist weiß-blau dekoriert, von den Bildschirmen flimmern Königschlösschen und Kaiserburgen – und dann das: Zum Verzehr werden Currywurst geboten sowie „Schrippen“. Die Leibspeise des letzten SPD-Kanzlers! Und Schrippen, das Unwort aus einem dieser verarmten nördlichen Nehmerländer!

Die Petitesse, wohl eine Panne des Hauslieferanten der Münchner Olympiahalle, passt gar nicht ins Konzept. Die CSU hat ihren kleinen Parteitag am Samstag als Bayern-Fest konzipiert. Das Treffen, inhaltlich dünn, von der Satzung aber vorgeschrieben, soll in einer Reihe mit dem Passauer Aschermittwoch und der geplanten Seehofer-Nominierung im Mai die Partei auf strikt weißblauen Kurs einschwören.

Die CSU ist eigentlich eine auf den Freistaat beschränkte Regionalpartei. Zu ihren besten Zeiten deutete sie das zum Vorteil um: Nur sie könne bayerische Interessen pur in Berlin und Brüssel einbringen. Nur sie empfange keine Weisungen aus Berlin. Strauß und Stoiber verkörperten das gut, Beckstein eher nicht: Sein Spruch, ein „anständiger Bayer“ wähle CSU, wurde als Hochmut ausgelegt. An die Erfolge der Gleichung „CSU = Bayern“ will Parteichef Horst Seehofer wieder anknüpfen. Der Leitspruch „Bayern. Das Land.“ leuchtet von den Leinwänden, Betonung auf „das“. Die CSU-Spitze spricht auffallend oft von Patriotismus, Heimat und bayerischer Eigenständigkeit. Subtext: Wir handeln, die anderen maulen. „Wehklagen und schimpfen hat in Bayern noch nie Erfolg gebracht“, sagt Seehofer.

Deutlich wird auf dem Parteitag auch die Doppelstrategie der CSU für die kommenden Wochen. Seehofer tritt präsidial auf, „gelassen“, sagt er immer wieder. Er spricht über politische Ziele, spöttelt allenfalls milde über das „Meckern und Quietschen“ im Bundesrat. Seine seit Wochen immer wieder heftigen Rüffel für Minister verniedlicht er als „gelegentliche Dampfzuführung“. Vor allem rät er, nicht früh in den Wahlkampf-Modus zu schalten. Viele der Kandidaten für die Parlamente wollten „nach vorne springen wie ein junges Fohlen“. Die heiße Wahlkampfphase sei aber nicht erreicht. Im Juli oder August, am besten erst sechs Wochen vor der Wahl, will der Parteichef damit starten. Seehofer hält durch, kein einziges Mal den Namen „Christian Ude“ zu sagen.

Sein Generalsekretär indes tut das Gegenteil. Alexander Dobrindt heizt die Parteitagshalle mit scharfen Attacken gegen den SPD-Herausforderer auf. Ude sei ein „Drückeberger“, weil er nur für den Fall eines Wahlsieges sein Mandat annehmen wolle. „Den harten Knochenjob auf den Oppositionsbänken will er nicht machen. Ihm fehlt der nötige Respekt vor den Wählern in Bayern.“ Ein Kampfbegriffe-Streit also, „Drückeberger“ Ude gegen den von der SPD erfundenen „Drehhofer“ Seehofer.

Sie waren die Chefs der CDU

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Inhaltlich dürfte die Innenpolitik ein Schwerpunkt des CSU-Wahlkampfes werden. Mit den meisten Beifall sammelt Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich, als er sich scharf gegen doppelte Staatsbürgerschaften ausspricht. Um moderatere Worte als letzte Woche indes bemüht sich die CSU in der Gesellschaftspolitik. Dobrindt klagt zwar über „Zeitgeistgetriebene“, wiederholt aber seinen Satz über Homosexuelle („schrille Minderheit“) nicht. Seehofer betont das Leitbild Ehe und Familie. Er fügt aber an: Auch feste homosexuelle Partnerschaften „haben unsere Anerkennung, unseren Respekt, unsere Toleranz“.

Die 250 Delegierten, überwiegend das mittlere Management der Partei, Orts- und Kreisvorsitzende, reagieren freundlich auf den Kurs, auf Seehofer wie Dobrindt. Noch aber gibt es Mängel in der kollektiven Bayern-Inszenierung: Als der Parteitag am Ende die Hymne singen soll, ist der Saal schon gähnend leer.

VON CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER

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