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Kammerton für die „lieben Freunde“: Horst Seehofer auf der Parteitagsbühne.

CSU-Parteitag

Sogar das Lazarett stimmt mit

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München – Mit einem kräftigen Schulterklopfen schickt die CSU ihren Chef in den Endspurt der Koalitions-Runden. 95 plus X ist Horst Seehofers Rekord. Er hat nur keine Zeit, das auszukosten: Die härteste Berlin-Woche beginnt.

Nickend schreitet er ans Rednerpult, zufrieden. „Ja. Ja!“, sagt Horst Seehofer, er nehme die Wahl an. Er nimmt sie diesmal sogar gerne an. Mit 95,3 Prozent bestätigt die CSU ihren Chef. Das ist mehr Vertrauen, als ihm die 750 Delegierten je schenkten, nur noch ein bisschen weniger als die Rekorde von Strauß und Stoiber. Aber großes Gejubel zeigt er nicht. Nicken, winken, abhaken: Seehofer wendet sich schon fünf Minuten nach der Wiederwahl Wichtigerem zu.

Seine Gelassenheit mitten im Prozent-Triumph passt in die seltsame Dramaturgie des großen Parteitreffens in der Münchner Messehalle. Einen „Antiparteitag“ haben Journalisten das getauft: Weil es wenig Neues gibt, weil die Wahlen absehbar sind, weil das mitten in die Koalitionsverhandlungen platzt, die Halle aber nicht mehr umzubuchen war. Deswegen wird viel gefeiert, Delegiertenabend bis vier Uhr früh mit einem wild tanzenden Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich. Und nicht so viel gearbeitet. Seehofer genügt für seine 95,3 Prozent ein Auftritt im Kammerton. Sogar der Einspielfilm für seinen Weg auf die von weißblauen Rauten gesäumte Bühne ist eher leise.

Seehofer schreit nicht. Weil er heiser ist. Und weil ihm das der Pfarrer am Morgen auch so mitgegeben hat. Christliche Politiker erkenne man daran, dass sie „Triumphe über den Schwächeren“ nicht auskosteten. Seehofer erlaubt sich deshalb nur eine lange Selbstrechtfertigung, er kramt alte Zeitungsüberschriften heraus. Gerade „Horst im Glück“ hat ihn geärgert – weil er den Erfolg Bayerns nicht als Glück sieht, sondern als Ergebnis seiner harten Arbeit. Von wegen Glück: Weltwirtschaftskrise, Eurokrise, Fukushima, Guttenberg-Rücktritt („hat uns durchgerüttelt“) und die Landtags-Affären zählt Seehofer auf.

CSU-Parteitag 2013: Impressionen

CSU-Parteitag 2013: Impressionen

Sein Rechenschaftsbericht reiht Versatzstücke früherer Reden aneinander, aus Versehen sogar den Teil vom Vorabend über den Länderfinanzausgleich. Die Delegierten nehmen das nicht übel. Oft brandet freundlicher Beifall auf; das lässt sein gutes Wahlergebnis schon erahnen.

Seehofer bezirzt die Basis mit zwei Sprüchen aus dem Schulbuch für Politiker: Für die verbleibende Zeit bis 2018 „werde ich mich zerreißen“, verspricht er. Und: „Die CSU ist mein Leben.“ Aber auch das schreit er nicht.

Warum auch? Sogar viele, die er in den vergangenen Monaten brüskiert hat, die er Praktikanten, Schmutzler, Bedenkenminister und sonstwas schimpfte, stimmen diesmal tapfer für ihn. „Lazarett“ nennt Seehofer die Verwundeten an seinem politischen Wegesrand; dieses Lazarett jedenfalls verschiebt die Abrechnung mit ihm auf irgendwann in den nächsten fünf Jahren. Schon 2015, so orakeln Vorständler, werde Seehofers Wahlergebnis deutlich schlechter ausfallen: „Mehr als heute ist nicht drin.“

Später, als Arbeiter rings um ihn schon den Parteitag abbauen, sitzt Seehofer noch auf einem Stuhl am Rand, saugt an einer Flasche Grapefruchtsaft und plant die nächste Woche. In Berlin verhandelt er von Montag bis Mittwoch den Rest der Koalition aus. Die Parteichefs werden Wünsche streichen müssen, bisher klafft noch eine zweistellige Milliardenlücke. Gerade 2014/15 schaue es mit den Reserven düster aus.

Am Mittwoch will Seehofer schon die CSU-Minister und ihre Ressorts benennen, auch den neuen Generalsekretär. Damit zu warten, bis der SPD-Mitgliederentscheid durch ist, sei „a bisserl lebensfremd“. Und nach seinem Parteitagsergebnis wird kein Betroffener wagen, Seehofer zu widersprechen. „Wenn ich politisch etwas will“, sagt er sehr selbstbewusst vor sich hin, „dann kommt es auch“.

Christian Deutschländer

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