Markus Blume, CSU-Abgeordneter im Landtag - und Hoffnungsträger?

CSU-Parteitag

Der einzige Markus, den Seehofer leiden kann

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München - Auf dem CSU-Parteitag rückt Markus Blume ins Rampenlicht: Seine Parteifreunde reden irritierend gut über ihn. Für Horst Seehofer ist er einer der wenigen Hoffnungsträger.

Das Orakel im Wen-Wu-Tempel sprach in Form eines rosafarbigen Papierzettels. „Es ist noch nicht zu spät“, teilte es durch den Räucherstäbchen-Nebel mit. „Nach ein paar Jahren wirst Du belohnt werden.“ Zu spät wofür? Und wie belohnt? Das Orakel schwieg und hinterließ einen erheiterten, aber doch ratlosen Markus Blume.

2013 war das, eine Episode am Rande einer Delegationsreise nach Taiwan. Wer nur an Karriere denkt, an Dienstwagen und Regierungsposten, muss feststellen: Das Orakel lag richtig mit dem Rat, sich zu gedulden. An Blume sind solche Beförderungen nämlich alle vorbeigezogen. Trotzdem dürfte es für den jungen Landtagsabgeordneten aus dem Münchner Osten nicht zu spät sein. Auch ohne Exekutiv-Posten entwickelte der 41-Jährige sich zu einer der größten CSU-Nachwuchshoffnungen. In dieser Partei, in der Führungskräfte höchst ungern gut übereinander reden, erklären ungefragt Kollegen auf allen Ebenen, vom Hinterbänkler bis zum Parteichef, wie hoch ihr Respekt für Blume ist.

Auf dem Parteitag ab Freitag wird er der Basis das neue CSU-Grundsatzprogramm vorstellen. Er hat es mit einer Kommission entworfen, es trägt stark seine Handschrift. Leitbegriff: Ordnung. Was nicht falsch klingt in diesen aufgewühlten Zeiten. Über zwei Jahre lief der Schreibprozess meist leise.

Die Grundsatzkommission zu leiten, ist nur ein Partei-Pöstchen, sollte aber nicht unterschätzt werden. Vorgänger sind Herren wie Stoiber, Waigel, Glück, Weber. Blume hat von jedem von ihnen ein bisschen was. Von Glück etwa die intellektuelle Nachdenklichkeit, die der Testosteron-Alphamännchen-CSU gut tut, auf Dauer aber ein wenig langweilig wirkt. Auch Blume neigt ab und zu zum gestelzten Formulieren.

Seine Präsenz in der öffentlichen Debatte wächst dennoch seit ein, zwei Jahren kontinuierlich. Er kommt selten schrill daher, verkörpert eher die moderne, digital-affine und großstädtische CSU, eine Teilmenge der Partei. So gesehen passt er nach München; wenngleich die Strukturen dort für ihn beim Aufstieg hinderlich sind. Mit Schulminister Ludwig Spaenle und Staatssekretär Georg Eisenreich sind schon zwei Münchner im Kabinett. Besonders zwischen Eisenreich und Blume herrscht Eiseskälte. Der Umgang im Bezirksverband wird ohnehin immer rauer.

Zur letzten Kabinettsbildung 2013 tauchte pünktlich diffuses Geraune auf, Blume habe früher für einen russischen Oligarchen gearbeitet (stimmt). Er sei für ihn im Privatjet um die Welt geflogen (stimmt). Er stecke tief in einem Firmengeflecht (stimmt nicht, seine selbst aufgebaute Münchner Firma hat er abgegeben). Wobei Blume mehr West- als Ostbindung hat. Und als zweifacher Familienvater im Stimmkreis zwischen Neuperlach und Messestadt eher in die Gyros- als Kaviar-Etage gehören muss.

Was nun? Kommt vor 2018 eine Kabinettsumbildung? Da würde an Blume kein Weg vorbeiführen. Seehofer stellte den Abgeordneten im Juni der Kanzlerin vor. Und rief in Bierzeltlaune neulich „den Markus“ gar zum möglichen Nachnachfolger aus. „Bild“ schrieb gleich ganz aufgeregt, er habe Söder gemeint. Nein, das galt Blume. Der allerdings kann auch nicht sicher wissen, ob Seehofers Worte am Ende verlässlicher sind als taiwanesische Orakelsprüche. 

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