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Arbeiten zusammen: Ilse Aigner (v. li.), Joachim Herrmann, Horst Seehofer.

CSU-Personalentscheidung

Herrmann bleibt doch in Bayern

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Der Triumph von Markus Söder ist die Niederlage seiner Gegner. Ilse Aigner müht sich um Schadensbegrenzung. Joachim Herrmann bleibt im Landeskabinett.

München – Im Gang vorm Konferenzsaal rumpeln Ilse Aigner und Markus Söder beinahe zusammen. Es ist kurz nach Zehn, Aigner gibt gerade ein Fernsehinterview bei „N24“, fünf Journalisten stehen drum herum. Da kommt Söder nach seiner ersten Pressekonferenz als designierter Ministerpräsident aus dem Zimmer nebenan. Fotografen, Reporter und Kameraleute umringen ihn, bestimmt 50 Personen, die alle nah dran sein wollen. Beim Vorbeirauschen kegeln die Reporter Ilse Aigner beinahe aus dem Bild der Live-Schalte.

Die Szene im vierten Stock des Maximilianeums zeigt, wie die Verhältnisse in der CSU nun aussehen: Söder gehört die große Bühne, Aigner muss zurückstecken. Bis zum Mittag laufen über die Ticker der Fotoagenturen 65 Bilder von Söder. Von Aigner: null. Die Oberbayern-Chefin der CSU nimmt die Situation aber schnell an. Sie ist eine der wenigen, die sich Journalisten stellt, und sie diktiert ihnen nicht nur Worte der Verteidigung in die Blöcke, sondern äußert sich selbstbewusst. „Erstens bin ich noch da, das will ich deutlich sagen“, sagt Aigner. „Und ich weiß, meiner Verantwortung Gewicht beizumessen.“ Dafür sucht sie regelrecht die Kameras, ganz ähnlich, wie es Söder vor eineinhalb Wochen tat, als Horst Seehofer die Personalübergabe noch mal spontan vertagte.

CSU: Aigner spielt wohl weiter entscheidende Rolle

Aigners Botschaft vom Montag: In der CSU geht auch künftig nichts ohne sie, dazu ist die Wirtschaftsministerin, Chefin des größten CSU-Bezirksverbands und „immerhin stellvertretende Ministerpräsidentin“ viel zu mächtig. „Ich gehe davon aus, dass ich auch noch eine entscheidende Rolle spielen will.“ Es ist wohl ein Versprecher. Was Aigner meint: dass sie noch eine entscheidende Rolle spielen wird.

Auch im Söder-Lager ist das unstrittig, schon allein wegen der vielen Stimmen, die die CSU in Oberbayern gewinnen muss. Es wird aber kolportiert, Aigner könnte die Nachfolge von Landtagspräsidentin Barbara Stamm schmackhaft gemacht werden, um sie so aus dem Kabinett zu nehmen. „Ich bin mir sicher, dass die Bevölkerung die Personaldiskussionen satt hat“, sagt Aigner dazu. „Wir haben eine amtierende Landtagspräsidentin, und ich bin amtierende Ministerin.“

In der Sache klingt Aigner versöhnlich. „Es ist höchste Zeit, dass wir uns wieder um die Menschen kümmern, um die Themen“, sagt sie. Dafür sei „Geschlossenheit“ notwendig. Jubelstürme auf Söders Nominierung gibt’s jedoch auch nicht. Als eine der Letzten kommt Aigner aus dem Fraktionsraum, die Saaldiener haben da schon die leeren Getränketragerl rausgeräumt. Ob sie nach der Entscheidung erleichtert sei, fragt ein Reporter. Aigner brummt ein „Ähm“, zögert. Später sagt sie: „Das Ergebnis ist so, wie es ist.“ Man müsse jetzt „die Gräben zuschütten“. „Ich will nicht dazu beitragen, diese zu vertiefen.“ Auch in der Fraktionssitzung hatte sich Aigner zu Wort gemeldet, berichten Teilnehmer. So harte Angriffe aus den eigenen Reihen wie in den vergangenen Wochen habe sie „so noch nicht erlebt“. Der Freisinger Florian Herrmann etwa hatte ihr nach der Urwahl-Idee „parteischädigendes Verhalten“ vorgeworfen. Er entschuldigte sich, einen solchen Affront vergisst man aber nicht so einfach.

Auch Joachim Herrmann spricht am Mittag von „Geschlossenheit“, offenbar eines der neuen CSU-Lieblingsworte. Am Morgen war der Innenminister noch wortkarg („Guten Morgen“ – mehr nicht), am Mittag äußert er sich dann vor der Landesleitung im Münchner Norden. Jetzt müsse Schluss sein mit Personaldebatten. In der Fraktion hatte er seinen Verzicht auf eine Gegenkandidatur zu Söder erklärt, er habe also seinen „Beitrag geleistet, dass es diese Entscheidung gibt“ zugunsten Söders. Zudem stellt Herrmann klar, dass er nicht als Minister nach Berlin gehen wird, obwohl er bei der Bundestagswahl als Spitzenkandidat angetreten war. Stattdessen kandidiere er erneut für den Landtag. „Wer mich kennt, weiß: Politisches Engagement bedeutet für mich nicht Karrierestreben“, sagt Herrmann. Als Innenminister wolle er weiterhin zur Sicherheit beitragen. Und wohl auch Söder nahe sein, um ihm auf die Finger zu schauen.

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