Heftige Kritik an Stellenkürzungen

CSU-Schulpolitik empört die Lehrer

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München - Lehrer laufen Sturm gegen die CSU-Schulpolitik. Der Protest gegen die Kürzung von Stellen und neue Pläne für eine verstärkte Präsenzpflicht an Nachmittagen und in den Ferien eint sogar die Verbände unterschiedlicher politischer Couleur.

Der eher konservative Philologenverband feilt zusammen mit dem oppositionellen BLLV und der links orientierten Bildungsgewerkschaft GEW an einer gemeinsamen Protestnote gegen die Stellenplanung der Staatsregierung. Die Erklärung soll nach Informationen unserer Zeitung in den kommenden Tagen veröffentlicht werden. Verärgert ist auch der Gemeindetag. „Offenbar versucht das Kultusministerium den Beweis anzutreten, dass Mathematik keine exakte Wissenschaft ist“, spottete Präsident Uwe Brandl (CSU). Anders sei das Chaos in der Stellenplanung nicht erklärbar. „Entschuldigung, da kennt sich kein Schwein mehr aus.“

In der CSU-Landtagsfraktion wurde Spaenle erneut heftig kritisiert. Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) nannte sein Vorgehen laut Teilnehmerangaben „Mist“. Spaenles Sprecher hatte bestätigt, dass hunderte Lehrer-Stellen gestrichen werden sollen. Offizielle Lesart der Staatsregierung ist aber, dass Stellen in den Hochschulbereich verlagert werden.

Erzürnt sind die Lehrer indes auch über einen Vorstoß der CSU-Fraktion. Eine Arbeitsgruppe zu Ganztagsschulen berät, ob für die Betreuung von Schulkindern an Nachmittagen und in den Ferien die Präsenzpflicht der Lehrer an der Schule ausgeweitet werden soll. Kerstin Schreyer-Stäblein, die die Projektgruppe leitet, sprach vom „Anfang eines Denkprozesses“, es dürfe nichts zum Tabu erklärt werden. Philologenverbandschef Max Schmidt warnte: „Diese Ideen werden zu massiver Empörung in den Lehrerzimmern führen.“ Er erinnerte daran, dass die CSU nicht zuletzt wegen der Bildungspolitik 2008 die Landtagswahl verloren habe. Fraktionschef Thomas Kreuzer habe „nichts dazugelernt“. Auch der BLLV kündigte „massive Proteste“ an. 

dw/cd

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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