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Verstehen sich gut - sollten nach Ansicht Markus Blumes aber unterschiedliche Wege bei der Koalitionssuche gehen: CSU-Chef Markus Söder (li.) und der ÖVP-Vorsitzende Sebastian Kurz.

Interview

„Gift für Deutschland“: Trotz Sebastian Kurz - CSU-General warnt eindringlich vor Habecks Grünen

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In Österreich könnte CSU-Spezi Sebastian Kurz mit den Grünen koalieren. Für Markus Blume ist das hierzulande keine Option - er warnt vor „Umerziehungsorgien“. 

München - Wer hätte das vor einem Jahr gedacht? Die CSU ist inzwischen die stabilste Partei in der Großen Koalition. Generalsekretär Markus Blume (44) ermahnt die CDU nun, ihre Personalquerelen zurückzustellen – und warnt die eigene Partei vor schwarz-grünen Träumen. 

In der CDU ist ein offener Führungsstreit ausgebrochen. Sie haben mit so was ja Erfahrung: Was raten Sie der Schwesterpartei?

Kühlen Kopf bewahren. Und das Wichtigste: Geschlossenheit praktizieren. 

Wenn Friedrich Merz die Regierungsarbeit als „grottenschlecht“ bezeichnet, spricht er doch vielen CSUlern aus dem Herzen… 

Dass es in der CDU nach den Landtagswahlen Gesprächsbedarf gibt, ist doch nachvollziehbar – nur bitteschön mit der richtigen Analyse! Und am Ende ist entscheidend, dass man weiß, wo der Gegner steht. Und der steht nicht in den eigenen Reihen, sondern links bei den Grünen – die sind unser Hauptkonkurrent. 

CSU: Merz gegen Führungsdebatte bei CDU - „ständige Diskussion führt nach unten“

Ist denn die Diagnose falsch, dass die offene Führungsfrage der Grund ist für das schlechte Auftreten der Union?

Der Parteivorsitz ist seit einem Jahr entschieden. Und die Kanzlerkandidatur werden CDU und CSU rechtzeitig gemeinsam entscheiden. Allein die ständige Diskussion über diese Dinge führt nach unten. 

Es wird von einer Absprache Söders mit Laschet gemurmelt. Der NRW-Ministerpräsident soll diesmal antreten, Söder erst nächstes Mal. Stimmt das? 

Quatsch. Die Frage der Kanzlerkandidatur wird von den beiden Parteivorsitzenden und den Parteien in bewährter Weise gemeinschaftlich entschieden. 

Die Frage war: Hat es das Gespräch Söder-Laschet gegeben? 

Was sind denn das für Fragen? Fest steht, es wird nicht gelingen, mit solchen Fragen Zwist in die Union zu tragen. Wir haben – und das ist gut so – einen neuen Geist: Es gibt wieder eine vertrauensvolle Gesprächskultur zwischen CDU und CSU. Alle haben das Ziel, dass die Union zusammen wieder stark wird. 

Warum sträubt sich die CSU so gegen eine demokratische Urwahl des Kanzlerkandidaten? 

Weil die Frage der besten Wahlaussichten keine der Numerik ist. CDU und CSU brauchen Augenhöhe in dieser Entscheidung. Dazu ist eine Urwahl nicht geeignet. Das hat auch der CSU-Parteitag so beschlossen. 

Schwarz-Grün? Blume (CSU) nennt Grünen-Pläne „Gift für Deutschland“

Die GroKo erwägt, den Koalitionsvertrag zu überarbeiten. Die CDU sagt: Nö. Sie sagen für die CSU: Ja, vielleicht. Was gilt nun?

Was wir alle nicht wollen, sind Selbstbespiegelung und wochenlange Neuverhandlungen der Koalition. Das wird es nicht geben, der Koalitionsvertrag gilt. Aber natürlich müssen wir für uns nach einer erfolgreichen Halbzeitbilanz überlegen, welche neuen Projekte und Ideen wir haben. Es wäre naiv und gefährlich, auf die wirtschaftliche Lage nicht zu reagieren. Wir brauchen neue Wachstumsimpulse für das Land, eine Entlastung für Unternehmen und Selbstständige, wir brauchen eine Hightech-Agenda nach bayerischem Vorbild. 

Die Grünen rütteln an der Schwarzen Null. Wie lange dauert es, bis der Bund neue Schulden macht? 

Das Spannende ist ja, dass die Grünen alles verbieten wollen: neue Straßen, Diesel, Benziner, Autos in Städten, Öl- und Gasheizungen, schneller als 130 fahren. Das einzige Verbot, das sie aufheben wollen, ist das Verbot des Schuldenmachens. Das zeigt, dass die Grünen dabei sind, die neue Linkspartei des Westens zu werden. Sie bereiten ein Linksbündnis vor. Solche Rezepte sind Gift für den Standort Deutschland. 

CSU-General Blume warnt vor den Grünen - „Fantasialand und Umerziehungsorgien“

In der Berichterstattung der Öffentlich-Rechtlichen war große Euphorie über den Grünen-Parteitag zu spüren. Verstört Sie das?

Wirtschaftspolitisches Fantasialand und grüne Umerziehungsorgien gefallen vielleicht Teilen der veröffentlichten Meinung, aber nicht den Menschen im Land. Medien täten sich selbst und auch der Demokratie keinen Gefallen, wenn sie kritische Distanz vermissen ließen. 

Die Herren Weber und Strobl halten Schwarz-Grün für ein Zukunftsmodell. Ist das Unfug? 

Wer sieht, wie sich die Grünen programmatisch aufstellen, muss festhalten: Diese Partei ist für bürgerliche Überzeugungen nicht wählbar und deshalb auch nicht koalitionsfähig. Das ist ein Kontrastprogramm zu uns. Deswegen sollte man von Unionsseite den Grünen keine Avancen machen. Anbiedern wäre inhaltlich und strategisch der falsche Weg. 

Bei Sebastian Kurz in Wien klappt’s doch auch.

Er hat erst die Konservativen in Österreich zu neuer Kraft geführt und verhandelt jetzt aus einer Position der Stärke heraus. Das ist der entscheidende Unterschied.

cd

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