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Optische Täuschung: Horst Seehofer versucht gerade, sich weiter auf Angela Merkel zuzubewegen. Am Wochenende soll es bei der Rente den nächsten Schritt geben. 

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Seehofer besänftigt die Fraktion

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Es sind rastlose Tage für Horst Seehofer: Heute Treffen der Ministerpräsidenten in Rostock, Freitag und Samstag neue Gespräche mit der CDU in Berlin. Aber vorher muss er noch die Fraktion im Landtag befrieden.

München– Nein, ein politisches Alphatier wie Horst Seehofer, einer der quasi täglich mit Angela Merkel streitet, Stammstrecken bauen lässt oder den Finanzausgleich für alle Bundesländer gleichzeitig aushandelt – so ein Alphatier also darf sich natürlich nicht ärgern, wenn ein paar Hinterbänkler in seiner Abwesenheit über ihn schimpfen. Horst Seehofer steht am Mittwochmorgen betont gelassen vor der Tür des Sitzungssaals der Landtagsfraktion und kokettiert mit seiner Lebenserfahrung. Das Leben sei doch viel zu schön, um sich über so etwas aufzuregen, sagt der 67-Jährige lächelnd. Dann geht er hinein zu den Parteifreunden, die ihm unlängst „öffentliche Selbstgespräche“ attestierten.

Drinnen, so berichten es später Teilnehmer, wird dann doch klar, wie sehr sich Seehofer geärgert hat. Die Stimmung ist ernst. Als „Unverschämtheit“ bezeichnet er die Äußerung. Es sei eine Frage von „Respekt und Anstand“, dass man den Ministerpräsidenten nicht in Abwesenheit angehe. Die Kritiker aus dem Fränkischen – Andreas Schalk, Steffen Vogel und Michael Hofmann – hätten sich zwar verteidigt, heißt es. Vom Aufstand der Vorwoche sei aber ziemlich wenig übrig geblieben. Die Betroffenen zeigen sich eher über die eigene Resonanz erschrocken. Immerhin: Alle sind sich einig, dass zu viel aus internen Sitzungen tags darauf in der Zeitung stehe.

Seehofer hält analytische Reden, keine programmatischen

Noch einmal legt der CSU-Vorsitzende seine strategischen Überlegungen dar – zum fünfen Mal in diesem Jahr, wie er zuvor bereits vor Journalisten etwas entnervt aufgezählt hat. Schon bei den Klausuren von Fraktion, Landesgruppe und Parteivorstand sowie in der Strategierunde und vor den Bezirksvorsitzenden habe er keine programmatischen Reden gehalten, sondern analytische. „Was ich ganz selten mache.“ Immer mit den gleichen Schlüsselbegriffen. Er habe die Notizen noch zuhause liegen. „Möglicherweise brauche ich das nächstes Jahr wieder“, sagt er vage.

Seit vergangenem Herbst habe sich die politische Lage grundlegend geändert – auch in Bayern. „Man muss davon ausgehen, dass die AfD und die FDP durch den Einzug in die Parlamente in unseren Überlegungen eine Rolle spielen müssen.“ Die AfD im Landtag? Für Seehofer eine realistische Option. In jüngsten Umfragen lag die Partei bei neun Prozent.

Seehofer erinnert an den „goldenen September“ 2013, als man erst in Bayern die absolute Mehrheit holte und sie kurz darauf im Bund nur knapp verfehlte. „Aber obwohl wir in Hochform waren, haben SPD, Grüne und Linke eine Mehrheit im Bundestag. Nur deren Uneinigkeit hat dazu geführt, dass wir heute die Kanzlerin stellen.“ Diesmal werde es ungleich schwieriger.

Union will die Kanzlerin auch 2017 stellen

Dennoch möchte die Union auch 2017 die Kanzlerin stellen. Richtig: Kanzlerin. Lange hatte es so ausgesehen, als sei das Band zu Merkel zerschnitten. Nun mehren sich die Friedenssignale. Am Dienstag bei den Münchner Medientagen hatte Seehofer mit Merkel gescherzt. „Ich war mehr als charmant“, witzelt er tags darauf. „Ich musste mich auch gar nicht überwinden.“ Und dann ernsthaft: „Das kam wirklich von Herzen.“ Nach dem heutigen Treffen der Ministerpräsidenten in Rostock reist Seehofer erneut nach Berlin. Diesmal wollen die Unionsspitzen eine gemeinsame Position zur Rentenversicherung finden. Sollte diese Einigung am Freitagabend ausgehandelt sein, bliebe noch der Samstagmorgen für weitere Vier-Augen-Gespräche mit Merkel. Er spreche mit ihr „so viel wie selten zuvor“.

Es bleibt viel Arbeit: Zunächst steht die Kandidatenkür für das Amt des Bundespräsidenten an. „Wir müssen die Präsidentenwahl gewinnen“, sagt Seehofer hinter verschlossenen Türen deutlich. Ein wichtiges Signal für die Bundestagswahl. Auch der Parteitag wird für den Parteichef schwieriger als frühere. Es grummelt in der Partei. Dass die Merkel-Freunde Gerda Hasselfeldt und Manfred Weber die Amtsinhaberin schon zur neuen Spitzenkandidatin ausriefen, geht vielen zu schnell. Seehofer wird in seiner Rede am nächsten Freitag beide Lager zusammenführen. Er muss die Strategie vorgeben, ohne zu viel zu verraten. Und ohne die Personalien geklärt zu haben.

Im Frühjahr folgt Empfehlung

„Sie werden weder in München noch in Berlin einen einzigen Menschen finden, mit dem ich über personelle Dinge gesprochen habe.“ Erst zu Jahresbeginn soll sich das ändern. Dann, im Frühjahr, soll eine Empfehlung folgen.

Irgendwann in der Sitzung meldet sich Markus Söder zu Wort. Der Parteichef habe um Geduld und Vertrauen gebeten. Man solle es ihm gewähren. Er selbst, sagt der Finanzminister, arbeite unentwegt daran, geduldiger zu werden. So ernst die Sitzung auch ist – da müssen dann doch ein paar lachen.

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