Parteivorsitzender der CSU Markus Söder und Innenminister Horst Seehofer während der Landtagswahlen in Bayern (2018)
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Sündenböcke? Horst Seehofer und Markus Söder (l.).

„Verjüngungsvisionen“

CSU-Kracher hinter verschlossenen Türen: Seehofer bot offenbar Rücktritt an - Söders Reaktion überrascht

  • vonSabine Schmidt
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CSU-Chef Markus Söder fordert eigentlich schon seit längerem neue Gesichter für das Kabinett in Berlin. Ausgerechnet den Abgang des alten Rivalen Horst Seehofer verhinderte er anscheinend aber.

München/Berlin - Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte schon Anfang 2020 eine „Verjüngung“ im Bundeskabinett gefordert. Wegen der Corona-Pandemie stellte der Parteivorsitzende der CSU seine Forderungen zurück - ohne aber so ganz von der Idee lassen zu wollen. Bei einem Parteifreund und Ex-Rivalen schreckte Söder dann aber offenbar doch vor einem harten Schritt zurück.

Verlockendes Rücktritts-Angebot während des Frühstücks von Horst Seehofer an Markus Söder

Denn offenbar hat Innenminister Horst Seehofer (CSU) im Herbst 2020 während eines Frühstücks in der bayrischen Landesvertretung in Berlin Söder seinen Rücktritt angeboten, wie die Welt am Sonntag berichtete. Seehofer hatte Söder dem Blatt zufolge um ein Gespräch unter vier Augen gebeten und dem CSU-Chef mit seinem Rücktritt die Möglichkeit für eine Kabinettsneubildung angeboten.

Der 71-jährige habe den „Verjüngungsvisionen“ seines Parteivorsitzenden nicht im Wege stehen und ihm ermöglichen wollen, einen neuen Minister für Berlin zu stellen, heißt es. Zu dieser Zeit stand bereits das Corona-Management der Regierung Merkel in der Kritik.

Nach Informationen der Welt am Sonntag lehnte Söder nicht nur Seehofers Vorschlag ab, sondern bat den CSU-Minister sogar darum, seine Legislaturperiode im Amt zu beenden. Den Rücktritt des Innenministers lehnte Söder angeblich ohne Rücksprache mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ab - und verhinderte somit ohne Merkels Wissen eine Kabinettsumbildung.

Bitte Söders um Beendigung von Seehofers Legislaturperiode lässt Merkel nicht gut aussehen

Das Rücktritts-Angebot Seehofers wäre für Angela Merkel eine Möglichkeit gewesen, den „Ressortzuschnitt“ des Innenministeriums von 2018 aus den Koalitionsverhandlungen mit CSU und SPD zu korrigieren - gerade das „Heimatministerium“, aber auch Seehofers Zuständigkeit für das Thema Bau sorgte immer wieder für Kritik der Opposition.

Angela Merkels Regierung stand zuletzt wegen ihres Corona-Managements in der Kritik. Auch häuften sich Korruptionsfälle in CSU und CDU, die Maskenaffären von Georg Nüßlein und Nikolas Löbel scheinen womöglich nur die Spitze des Eisbergs zu sein. (sas)

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