+
Ministerpräsident Horst Seehofer: Nur den Jungen gibt er eine Chance. Karl-Theodor zu Guttenberg (kleines Bild links), Georg Fahrenschon (kleines Bild Mitte), Markus Söder (kleines Bild rechts).

CSU

Seehofers neue Kronprinzen

München - In atemberaubendem Tempo hat Horst Seehofer die Spitze der CSU erneuert. Vor einem Jahr noch galt die Partei als hoffnungslos überaltert. Jetzt übernimmt eine Riege von Jungpolitikern das Regiment. Schon rangeln die Kronprinzen um Seehofers Erbe.

Vielleicht war es sein voller Ernst, vielleicht aber auch nur die typische Ironie, verstärkt durch ein starkes Grippe-Medikament. Horst Seehofers Parteifreunde jedenfalls rätseln noch heute, was es auf sich hat mit seiner Aschermittwochsrede. Vor bierseligem Publikum in Passau sprach Seehofer mehrfach über sein "Vermächtnis", über den Generationswechsel in der CSU und die Verjüngung der Parteispitze.

"Ich organisiere meine eigene Nachfolge", sagte Seehofer und fügte mit einem Augenzwinkern hinzu: "Das werde ich noch zu spüren bekommen."

Die Frischzellenkur der CSU ist wohl einmalig in der deutschen Parteiengeschichte. Binnen kürzester Zeit hat die Generation der 30- bis 40-Jährigen die Macht übernommen. Mit seinen fast 60 Jahren ist Seehofer der Älteste. In der jungen Garde rangeln nun drei Kronprinzen um sein Erbe: der neue Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (37), Bayerns Finanzminister Georg Fahrenschon (41) und Gesundheitsminister Markus Söder (42).

Der forsche Franke Söder, ein Ziehsohn von Günther Beckstein und Edmund Stoiber, galt lange als aussichtsreichste Nachwuchshoffnung der CSU. Nun muss er erleben, wie ihm Guttenberg den Rang abläuft. Seehofer feierte Guttenberg am Aschermittwoch als "Senkrechtstarter", der "in der größten Krise bereit war, das schwerste Amt zu übernehmen". Die Halle tobte - Söder bebte. Er ist Guttenberg in herzlicher Abneigung verbunden. Dem dritten Mann sind solche Animositäten wesensfremd: Der ausgeglichene Allrounder Fahrenschon gilt als kompetentester Finanzpolitiker der Union und war deshalb auch Wunschkandidat der Kanzlerin für das Bundeswirtschaftsministerium. Seehofer jedoch wollte wegen der Krise der Landesbank nicht auf seinen Finanzminister verzichten.

Die Wucht, mit der Seehofer die Runderneuerung der CSU vorantreibt, ist eine Lehre aus der Stoiber-Ära: Als der Regierungschef nach 14 Jahren abtrat, war zwar sein Haus geordnet, aber die Nachfolge offen. Junge Talente wurden kaum gefördert. "Horst Seehofer stellt die Partei jetzt neu auf. Er gibt jungen Leuten eine Perspektive und bereitet seine Nachfolge langfristig vor", lobt der Chef der Jungen Union, Stefan Müller.
Wenn Seehofer intern über die Erneuerung der CSU spricht, verweist er gerne auf "meine zwölf Apostel". Wer genau zu dem erlauchten Kreis zählt, lässt er offen. Hinter dem Kronprinzen-Trio Guttenberg-Fahrenschon-Söder steht jedenfalls eine breite Führungsreserve - mit Bundesagrarministerin Ilse Aigner (44), Generalsekretär Alexander Dobrindt (38), seiner Stellvertreterin Dorothee Bär (30), JU-Chef Stefan Müller (33) und dessen Vorgänger Manfred Weber (36). Auch CSU-Europa-Chef Markus Ferber (44) und Arbeitsministerin Christine Haderthauer (46) zählen sich zu den "zwölf Aposteln".

Für die Verlierer gibt es ebenfalls einen Namen: "Lost Generation" wird in der CSU der Kreis der 50- bis 60-Jährigen genannt, der so gut wie keine Aussicht mehr hat auf höchste Ämter. Seit Seehofer bei Beförderungen nur noch auf "Jungdynamiker" setzt, ist selbst die etablierte Parteiprominenz abgemeldet. Innenminister Joachim Herrmann (52) und Fraktionschef Georg Schmid (55), die sich im Krisenherbst 2008 erfolglos um das Ministerpräsidentenamt beworben hatten, werden praktisch keine Chancen mehr eingeräumt. Gegenwärtig haben beide genug damit zu tun, die ständigen Sticheleien Seehofers abzuwehren. Ein Schicksal, das sie mit dem Berliner Statthalter Peter Ramsauer (55) teilen.

Seehofer beobachtet die Reibereien nicht ohne Vergnügen - seiner Meinung nach erhöht wachsender Konkurrenzdruck die Leistung. Per SMS stachelt er CSU-Kollegen an, die zu wenig in Erscheinung treten: "Wo bleibt die Revolution?? Grüße HS". Andere werden eingebremst, wie jüngst der Umtriebige Söder, über den Seehofer sagt: "Besser einen Hund einzufangen als ihn zum Jagen tragen." Der Einzige, der vom Bayernkönig nicht angerempelt wurde, ist Karl-Theodor Freiherr von und zu Guttenberg. Mit dessen Beförderung habe er sich als Parteichef "das eigene Grab geschaufelt", scherzt Ministerpräsident Seehofer. Mit dieser Aussage ist die Erbfolge vorerst geklärt.

Holger Eichele

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Protest in Frankreich: Frau bringt im Zug mitten im Streikchaos Kind zur Welt
Die Wut in Frankreich über die Rentenpläne hält an: Doch kurzes Innehalten, als eine Frau in einem Vorortzug im Chaos des Streiks ein Kind zur Welt bringt. 
Protest in Frankreich: Frau bringt im Zug mitten im Streikchaos Kind zur Welt
Großbritannien-Wahl 2019: Bombenalarm bei Wahllokal - Mann festgenommen
Die Briten wählen am heutigen Donnerstag ein neues Parlament. Die Tories um Boris Johnson gehen als Favoriten ins Rennen. Doch der Sieg ist noch nicht sicher: Labour hat …
Großbritannien-Wahl 2019: Bombenalarm bei Wahllokal - Mann festgenommen
Jeremy Corbyn: Frau, Kinder und Karriere des Labour-Chefs
Bei den britischen Parlamentswahlen am 12. Dezember könnte er zum nächsten Premierminister werden. Wir stellen Labour-Chef Jeremy Corbyn vor.
Jeremy Corbyn: Frau, Kinder und Karriere des Labour-Chefs
Söder warnt SPD vor Linksruck: „Den Weg werden wir nicht mitgehen“
Nach dem SPD-Parteitag stellt sich die Frage was die neue Partei-Führung für die große Koalition bedeutet. Am Montag könnte es in einer Regierungserklärung von Angela …
Söder warnt SPD vor Linksruck: „Den Weg werden wir nicht mitgehen“

Kommentare