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Ungeliebte Nähe: Markus Söder und Horst Seehofer auf einem Parteitag.

CSU streitet zu viel

Söder vs. Seehofer: Hoffen auf den nächsten Burgfrieden

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München - In den vergangenen Monaten hat es immer öfter zwischen Markus Söder und Horst Seehofer in der CSU Zoff gegeben. Bei einem Treffen war mal wieder der Burgfrieden das Hauptthema.

Früchte des Zorns? Oder Futter für einen gesünderen Wettstreit? Auf dem Rollwägelchen werden vier Teller mit frischem Obst in die Parteizentrale gefahren. Äpfel, Trauben, Mandarinen bilden die kulinarische Umrahmung des Krisengesprächs zwischen CSU-Chef Horst Seehofer und seinem Rivalen Markus Söder. Ob das Treffen am Sonntagabend in der Parteizentrale inhaltlich fruchtvoll ist, dürften aber erst die nächsten Wochen zeigen.

Zumindest endet es nicht in einem offenen Eklat. Zwar reicht es nicht für eine gemeinsame Stellungnahme vor den Kameras. Aber in für ihn ungewohnter Kürze und klassischem Politiker-Sprech verkündet Söder anschließend, er habe mit Seehofer „ein sehr gutes, sehr vernünftiges, sehr konstruktives Gespräch“ geführt. Es gebe das gemeinsame Interesse, in ernsten Zeiten erfolgreich zusammenzuarbeiten. 18 Sekunden dauert Söders Erklärung, er entkommt den Nachfragen durch die Drehtür.

Ein bisschen Frieden

Das klingt nach ein bisschen Frieden, mehr aber nicht. Eine konkrete Einigung war ohnehin nicht erwartet worden. Worauf auch? Seehofer weigert sich weiter kategorisch, vor dem ersten Quartal 2017 offen über Namen für die künftigen Spitzenämter in Partei und Regierung zu reden oder klarzustellen, wo er selbst zu bleiben gedenkt. Söder ist also, klar gegen seinen Willen, weiter im Topf möglicher Bewerber für einen Wechsel nach Berlin.

Und ob sich der Finanzminister seinerseits darauf einlässt, seine öffentlichen Äußerungen strikter auf sein Fachgebiet einzuschränken, lässt sich zumindest statistisch nicht begründen. Die letzten zwei, drei Krisengespräche zwischen beiden hatten jeweils nur für ein paar Wochen beiderseits befriedende Wirkung. Dabei wurde die Aussprache Ende 2012 sogar als „intensives Gespräch“ bezeichnet.

Treffen in der neuen Parteizentrale

Anderthalb Stunden sitzt man also diesmal im vierten Stock der neuen Parteizentrale zusammen. Dass das Treffen überhaupt dort läuft, war einer eiligen Intervention Seehofers geschuldet. Geplant hatte die Aussprache ja Fraktionschef Thomas Kreuzer, alarmiert vom zunehmenden Gemurre unter seinen Landtagsabgeordneten. Seehofer wollte sich von Kreuzer aber nicht vorladen lassen und berief das Treffen in der Parteizentrale ein. Dieser Ort (statt Landtag oder Staatskanzlei) sollte den Eindruck verhindern, die Regierung habe ein Krisengespräch nötig. Seehofer holte auch noch die CSU-Politikerinnen Barbara Stamm und Gerda Hasselfeldt dazu.

Details von drinnen sind bisher kaum publik. Seehofer wollte eine Umfrage ansprechen, die er derzeit gern zitiert. Laut den Daten, die GMS für „Sat1 Bayern“ erhob, halten 51 Prozent der CSU-Wähler (und 42 Prozent aller Wähler) ihre Partei für uneinig. Subtext an Söder: Einreihen, leiser sein, geschlossen auftreten. Er verlangt von seinem Minister zudem, die Strategie-Frage einer möglichen Ämtertrennung (noch) nicht auf Personen zu beziehen.

Seehofer lässt sich nach dem Treffen nicht mehr zitieren. Angedeutet hat er zumindest, Söder recht deutlich gegenüberzutreten. Er wolle Eintracht, und „diese Eintracht wird hergestellt“. Es gehöre zum „intimsten Besteck“ eines Parteivorsitzenden, die Partei zusammenzuhalten.

cd

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