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Horst Seehofer.

Viel deutet auf eine Import-Lösung hin

Seehofer sucht zwei Nummer Einsen

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Berlin/München - Die SPD hat ihren vermeintlichen Heilsbringer in Martin Schulz bereits gefunden. Die CSU dagegen ist noch auf der Suche nach Heilsbringern.

Berlin/München – Der CSU-Vorsitzende lästerte heiter. „Wir sind keinen Menschen begegnet, die über Wasser laufen könnten“, spottete Horst Seehofer am Donnerstag vor Abgeordneten in Berlin über den Koalitionsausschuss. Gemeint war der Hype um SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz. Eigentlich trifft die Analyse aber auch auf die eigene Partei zu. Die CSU ist nämlich selbst noch auf der Suche nach Heilsbringern. Auch hier läuft keiner übers Wasser.

Zwei zentrale Personalien sind offen und sollen in den nächsten drei Wochen geklärt werden: Wer macht die Spitzenkandidatur im Bund 2017? Und bleibt Seehofer über 2018 hinaus in Bayern Ministerpräsident? Seit ein paar Tagen häufen sich Hinweise, wie es laufen könnte.

In Berlin deutet viel auf eine Import-Lösung hin. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann soll Platz 1 auf der CSU-Liste für September 2017 bekommen, nach der Wahl in die Bundespolitik wechseln und das Bundesinnenministerium beanspruchen. „Das läuft so“, heißt es in der Parteispitze. Herrmann wurde am Mittwochabend schon zum nächtlichen Koalitionsausschuss geholt. Seehofer betont, die Formulierungen der Gesetzesverschärfung zum Einbruch und die Expertise stammten direkt von Herrmann. „Das war Joachims Gesellenstück“, freuen sich Parteifreunde.

Streit ums Wahlrecht: Opposition ärgert CSU mit Seehofer-Zitaten

Noch hat Seehofer aber mit Herrmann nicht über den Wechsel geredet. Zudem versuchen einzelne Bundespolitiker, Seehofer selbst auf Platz 1 zu locken. „Ich würde mir wünschen, dass er der bayerische Spitzenkandidat für den Bundestag wird“, bekundete Entwicklungsminister Gerd Müller in der „Rheinischen Post“. Er gehöre ins Bundeskabinett. Ganz selbstlos ist der Ruf nicht. Müller dürfte hoffen, dass Seehofer zwar viele Stimmen ziehen, aber dann doch nicht wechseln würde – also (anders als Herrmann) keinem einen Ministerposten wegnehmen würde.

Seehofer deutete in mehreren internen Runden an, dass er seine Zukunft nicht in Berlin sieht. Er ahnt: Zu kandidieren und hinterher nicht zu wechseln, war zu Strauß’ Zeiten noch üblich, könnte aber heutzutage vom Wähler als vorsätzliche Täuschung übel genommen werden. Und ob er nun kandidiert oder nicht – für den Wahlausgang wird er eh verantwortlich gemacht.

Joachim Herrmann gilt als wahrscheinlichster CSU-Spitzenkandidat.

Seehofer steuert stattdessen auf eine dritte Amtszeit als Ministerpräsident zu. Diesen Eindruck haben praktisch alle Parteifreunde gewonnen, mit denen er in diesem Jahr nacheinander Einzelgespräche geführt hat. Nur so könnte Seehofer vorerst seinen Rivalen Markus Söder aus der Staatskanzlei fernhalten. Eine Ungewissheit bleibt: die Gesundheit. Seehofer hat zwar seit Wochen die landespolitischen Zügel ruckartig angezogen, tritt machtbewusst auf, wirkt aber äußerlich blass und dauererkältet. Er dürfte sich über Ostern nun von Ärzten gründlich durchchecken lassen.

Über seine Zukunft entscheiden will er in den Osterferien. Er wird am Montag, 24. April, seine Partei offiziell informieren. Am Morgen soll es eine Telefonschalte mit der engsten Parteispitze geben, dann ein Treffen mit den Bezirksvorsitzenden, später die Vorstandssitzung. Vermutlich kein Lauf übers Wasser, aber auch kein schwerer Gang.

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