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Der CSU-Vorsitzende Markus Blume.

Partei diskutiert Wandel in Deutschland

CSU: "Paradies Bayern ist bedroht"

Kreuth - Experten erwarteten eine dramatische Beschleunigung des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandels in Bayern. Darauf will die CSU reagieren - nur wie?

Die CSU bereitet sich auf ein anderes Bayern vor. Bei einem zweitägigen Treffen in Wildbad Kreuth diskutiert die neue CSU-Grundsatzkommission unter Leitung ihres Vorsitzenden Markus Blume, wie die Partei auf die erwartete dramatische Beschleunigung des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandels antworten könnte. „Es geht uns in Bayern und Deutschland so gut wie nie zuvor“, sagte Blume am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. „Aber dieses Paradies ist bedroht. Wenn wir wollen, dass dies so bleibt, dann müssen wir uns bewegen und offen der Zukunft stellen.“

Die Unternehmensberatung McKinsey hat für die CSU-Grundsatzkommission die Daten zusammengefasst, wie stark Bayern sich bereits verändert hat und welche weiteren Veränderungen zu erwarten sind. Wie viele andere Fachleute rechnet McKinsey damit, dass in einer „entgrenzten Welt“ die seit über zwei Jahrzehnten sehr hohen Migrationsraten weiter anhalten. Damit wird sich auch die Zusammensetzung der bayerischen Bevölkerung weiter ändern. Und der digitale Wandel in der Wirtschaft könnte nach McKinsey-Einschätzung bedeuten, dass bis zum Jahr 2025 bis zu 40 Prozent der Arbeitsplätze in Bayern sich in einer „Gefährdungszone“ befinden könnten - sofern die bayerischen Firmen den technologischen Anschluss verlieren.

„Unsere Gesellschaft hat sich bereits radikal verändert“, sagte Blume. „Wir haben bereits eine offene Gesellschaft und müssen vielleicht sogar noch ein Stück weltoffener werden.“ Blume und seine Kommissionskollegen machen sich vor allem Gedanken, wie angesichts des rapiden Wandels der Zusammenhalt der bayerischen Gesellschaft erhalten werden könnte. „Wir dürfen es uns in Deutschland deshalb nicht gemütlich machen und hoffen, dass diese Entwicklungen an uns vorbeiziehen“, sagte Blume.

Die Konfliktlinien in der Wirtschaftswelt von morgen würden eher nicht mehr zwischen Kapital und Arbeit verlaufen, sondern durch neue ersetzt, glaubt Blume - zum Beispiel durch das Verhältnis von Mensch und Maschine. „Gerade die künftige Arbeitswelt wird sich durch die Bedeutung von Big Data, die Macht der Algorithmen und die mögliche Allmacht der großen Internetkonzerne drastisch von der heutigen unterscheiden.“

Die Idee: die traditionelle bayerische Identität so zu erneuern, dass sie nicht mehr allein auf Tradition beruht. „Da wird es vor allem darum gehen, wie wir Identität stiften können durch Teilhabe“, sagte Blume. „Wir wollen eintreten für eine Gesellschaft, die Teilhabe am bayerischen Erfolgsmodell ermöglicht“ - durch Bildung, Aufstiegschancen und politische Partizipation.

Nach Einschätzung des Münchner Landtagsabgeordneten sollte die CSU der weit verbreiteten Fortschrittsskepsis ein positives Bild entgegen stellen - „nicht nur ein neues Grundsatzprogramm zu formulieren, sondern mehr noch der weit verbreiteten Ablehnungshaltung gegenüber allem, wo Fortschritt darauf steht, einen verantwortbaren Gesellschaftsentwurf für die Zukunft entgegen zu stellen“, sagte Blume. „Wir wollen einen dritten Wachstumsweg zwischen radikalem Fortschrittsdenken und Kachelofenromantik.“

dpa

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