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„Der ist kein Neuling“: Kantiger General für die CSU - Stephan Mayer (47) folgt auf Blume

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Von: Christian Deutschländer

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Stephan Mayer, Parliamentary State Secretary at the German Federal Ministry of the Interior, at the press briefing foll
Stephan Mayer neuer Generalsekretär im Söder-Kabinett. © Michael Bunel /imago

Stephan Mayer soll der neue CSU-Generalsekretär werden. Ein Rumpler, oder eher wieder der nachdenkliche Blume-Typ? Ein Porträt des neuen Parteimanagers.

München/Altötting - Wenn Stephan Mayer (47) am Mittwoch seinen ersten großen Auftritt hat, kann es ein Triumphmarsch werden, oder ein Flop. Er, der neue Generalsekretär, ist Organisator, Gastgeber und Einpeitscher des Politischen Aschermittwochs in Passau. Früher war das mal ein kritikloses Jubeldings vor 3.000 bierseligen CSU-Ultras. Heute, in Corona-Zeiten, dürfen nur ein paar Dutzend Geimpfte, frisch getestet, in die gähnend leere Dreiländerhalle, der Rest hockt am Bildschirm. Ob da Stimmung aufkommt oder nur Trübsal?

„Ich hab Respekt vor Passau“

CSU-Generalsekretär Stephan Mayer

Mayer, 47, wird dem recht machtlos gegenüberstehen. Denn vorbereitet ist alles seit Wochen, jede Entscheidung ist gefällt, jede Minute durchgeplant, nicht mal mehr die Farbe der Bierfuizl ist ungeklärt. Er muss die Veranstaltung plangemäß vollziehen, eine möglichst mitreißende Rede halten und hoffen, dass ansonsten nichts schiefgeht. „Ich hab Respekt vor Passau“, sagt Mayer und erzählt, wie er schon vor Jahrzehnten als Student ehrfurchtsvoll zum „Hochamt der CSU“ pilgerte.

Für ihn spricht: In der CSU ist er keiner der Schüchternen. Er stand nicht immer im Rampenlicht, aber weit vorne bei den politischen Entscheidungsträgern. Der 1,98-Meter-Mann aus Altötting war bis Ende 2021 Staatssekretär in Horst Seehofers Innenministerium. In diesem Fall mehr als ein Grüßgottonkel, denn der physisch oft abwesende Seehofer ließ seinen Staatssekretären viel Raum.

Stephan Mayer hat 20 Jahre Erfahrung im Bundestag

Mayer nutzte das für eine gute Medienpräsenz, oft konservativ kantig: starker Staat, gut ausgestattete Polizei, gegen den zu einfachen Zugang zur doppelten Staatsbürgerschaft. Parallel pflegte der Jurist, seit 2002 im Bundestag, sein Netzwerk bei den Sportverbänden und als Vizepräsident des Bundes der Vertriebenen. Hätte die Union die Bundestagswahl nicht so bitter vergeigt, wäre Mayer jetzt wohl selbst Minister, sagen hohe CSU-Leute; vermutlich sogar Innenminister, sein Herzensthema.

Nun also Generalsekretär, ein reines Parteiamt, Nachfolge von Markus Blume. Eingefädelt wurde das, so ist zu hören, schon vor zehn Tagen am Rande der Bundespräsidenten-Wahl. Es könnte ein Schritt zurück zu einem kantigeren Stil sein: harte Attacken auf die Ampel-Koalition in Berlin. Mayer sagt im Gespräch mit unserer Redaktion, er beherrsche „sowohl Florett als auch Säbel“. Als oberste Mission derzeit sieht er aber: „Viel unterwegs sein in der Partei, viel zuhören“. Er will die wegen Corona brachliegende Parteiarbeit in Präsenz wieder aufleben lassen.

Stephan Mayer
Söder holt Seehofer-Mann in die CSU-Schaltzentrale: Stephan Mayer (CSU) beherrscht nach eigenen Angaben  „sowohl Florett als auch Säbel“. © Marius Becker/dpa

Stephan Mayer: Vorschusslorbeeren von CSU-Chef Söder

Parteichef Markus Söder lobt, dass er Mayer bedenkenlos in jede Talkshow schicken könne, „der ist kein Neuling“. Ein CSU-Kollege sagt, „den Stephan können wir auch eine Stunde bei Lanz grillen lassen, ohne dass er uns blamiert“. Was der Neue in der Münchner CSU-Zentrale als Organisator taugt – Parteitage, aber auch den ganzen Landtagswahlkampf 2023 –, wird sich wohl bald erweisen. Vernetzt ist er in der Partei gut. JU-sozialisiert, und 2002 zählte er zum „Zugspitz-Kreis“, in dem sich junge, aufstrebende Christsoziale formierten. Unumstritten ist er allerdings nicht. Es gab auch Schlagzeilen, dass Mayer am Rande in die Maskenaffären verwickelt sei; er reichte ein Masken-Angebot weiter, seine Schwester soll erfolglos Provisionen verlangt haben, was ihr heute sehr peinlich ist.

Privat ist von Mayer wenig bekannt. Ledig, gesellig, heißt es. Und dass er Sport treibt, früher Tennis, dann Halbmarathon, einst in nur 1:40 gelaufen, heute zumindest zwei Stunden.

Ergänzend holt Söder eine Vize-Generalsekretärin an Mayers Seite, die Landtagsabgeordnete Tanja Schorer-Dremel (57) aus Eichstätt. Als „Mutter der Kompanie“ beschreibt Söder ihre Rolle, sie solle sich um die Befindlichkeiten und Sorgen in der CSU kümmern. Formal nominiert werden beide am Freitag in einer digitalen Sitzung des Parteivorstands.

Vor der „Schicksalswahl“ 2023 stellte Söder sein neues Kabinett vor. „Ich bin überzeugt, dass eineinhalb Jahre vor der Wahl der richtige Zeitpunkt ist.“ In Bayern steht die Landtagswahl 2023 an und die CSU kann mit den Umfragewerten kaum zufrieden sein. Im Vorfeld gab es einige Spekulationen zu den neuen Ministerinnen und Ministern. Der CSU-Chef setzte auf drei Joker.

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