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Noch wird Martin Schulz mit Plakaten und Lobeshymnen gefeiert

Schulz-Faktor

Union zweifelt am „Schulz-Rausch“ der SPD

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Berlin - Die Umfragewerte von Martin Schulz Kanzlerkandidat der SPD steigen konstant. Die Union macht sich dennoch keine Sorgen.

Die Union betrachtet die gestiegenen Umfragewerte von rund 28 Prozent für Sozialdemokraten Martin Schulz als SPD-Kanzlerkandidat bisher nur als Momentaufnahme. Der SPD-Vorstand hatte Schulz vergangenen Sonntag als Kanzlerkandidaten und künftigen Parteichef nominiert, seitdem waren die Werte der Partei um acht Prozent gestiegen. Zuvor hatte der bisherige SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel seinen Verzicht auf beide Aufgaben erklärt. CSU und CDU zweifeln stark an Martin „The Schulz“, wie er von Anhängern mittlerweile genannt wird. „Der Kandidat Schulz hat noch überhaupt nichts Konkretes gesagt", sagte CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer dem „Spiegel". „Wenn er konkret werden muss, wird auf den Rausch schnell ein ernüchternder Kater folgen." Schulz sei das „Gesicht einer rot-rot-grünen Linksfront".

Martin Schulz weckt Neugier, aber auch Spott

Und auch die stellvertretende CDU-Vorsitzende Julia Klöckner reagierte gelassen, obwohl sich die SPD damit den besten Wert in der laufenden Legislaturperiode sichert. „Nicht jeder, der als Messias gefeiert wird, ist dann auch einer. Ich bin sicher, dass Herr Schulz noch auf dem Boden der Tatsachen ankommen wird", sagte sie dem Radiosender SWR Info.

Klöckner warf dem früheren EU-Parlamentspräsidenten vor, in der Europapolitik für eine „Vergemeinschaftung der Schulden" einzutreten. CDU-Generalsekretär hat Peter Tauber bereits im Berliner "Tagesspiegel" erklärt, dass es nicht ungewöhnlich ist, dass Martin Schulz erst einmal die Neugier der Leute weckt: „Inhaltlich hat er sich bislang nicht festgelegt, zeigt also auch noch keine Angriffsfläche", sagte Tauber der Zeitung. „Das wird er bis zur Wahl aber nicht durchhalten können." Ein Sonderparteitag der Sozialdemokraten im März soll Schulz offiziell zum Merkel-Herausforderer ernennen.

CDU hat Erklärungsbedarf

Auch andere CDU-Mitglieder äußern sich. CDU-Präsidiumsmitglied Jens Spahn sagte dem „Spiegel", dass Schulz bisher „viel heiße Luft gereicht hat", um die bisherige Steigerung auf 28 Prozent zu erzielen. Der CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen forderte eine klare Position im Wahlkampf gegen den Konkurrenten von Kanzlerin Angela Merkel (CDU): „Man muss den Gegnern mit Wucht und Geschlossenheit entgegentreten."

Nordrhein-Westfalens CDU-Chef Armin Laschet zeigte sich überzeugt, dass die Union sich angesichts der jüngsten Umfragen verstärkt um die Beilegung ihrer internen Streitigkeiten im Vorfeld der Bundestagswahl bemühen wird. Er kann sich vorstellen, dass Bürger jetzt erkennen, um was es bei dieser Wahl geht. Mit Blick auf das bevorstehende Spitzentreffen der Unionsparteien in München äußerte Laschet die Einschätzung, „dass CDU und CSU das auch am Wochenende gemeinsam unterstreichen werden".

Angela Merkel würde im direkten Vergleich aktuell verlieren

Die Union büßt den Angaben zufolge im Vergleich zu den Zahlen vom Januar drei Prozentpunkte ein, bleibt mit 34 Prozent aber trotzdem die stärkste Kraft. Sollten Schulz‘ Ergebnisse weiterhin so hoch bleiben, ist das aber nicht nur für die Union ein Problem. Ein echtes Duell der Kanzlerkandidaten Merkel und Schulz würde die kleineren Parteien in den Hintergrund drängen. Schon jetzt nimmt Schulz ihnen Stimmen ab. Im Deutschlandtrend stehen Grüne und Linke nur noch bei acht Prozent, Insa hat für die "Bild"-Zeitung für beide Oppositionsparteien neun Prozent ermittelt. Im direkten Vergleich lässt Schulz die Kanzlerin hinter sich: Laut "Deutschlandtrend" würden sich 50 Prozent für den SPD-Kandidaten entscheiden, wenn der Bundeskanzler direkt gewählt würde. Dagegen würden nur 34 Prozent für Merkel stimmen.

jl/afp

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