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Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU) im Gespräch mit Ministerpräsident Horst Seehofer.

Landtagspräsidentin im Interview

CSU-Vize Barbara Stamm: „Die Debatte schadet der Partei“

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CSU-Vize Barbara Stamm beklagt die Disziplinlosigkeiten in der CSU und verweist auf die Verdienste des Parteichefs Horst Seehofer.

München – Erst waren es die Bezirksverbände in der Oberpfalz, Oberfranken und München, jetzt fordert auch die Junge Union einen Generationenwechsel in der CSU. Parteichef und Ministerpräsident Horst Seehofer spricht von „Kesseltreiben“ und einem „Trommelfeuer“. Er will nach den Jamaika-Sondierungen ein bis zwei Tage in sich gehen und dann Mitte November der Partei einen Vorschlag vorlegen, wie er sich die Zukunft in der CSU vorstellt. Bis dahin fordert er Ruhe ein – und erhält dafür prominente Unterstützung. Unter anderem von der Vize-Vorsitzenden Barbara Stamm.

-Frau Stamm, in der CSU war zuletzt viel von einem „geordneten Übergang“ die Rede. Nach dem Wochenende sieht es danach nicht mehr aus.

Barbara Stamm: (längere Pause) Markus Söder hat in seiner Rede bei der Jungen Union deutlich gemacht, dass auch er für eine gemeinsame Lösung ist. Das nehme ich ernst und gehe davon aus, dass er seinen Teil dazu beiträgt.

-Am Rande der Veranstaltung klang das komplett anders: Söder hat da die JU für ihr Rückgrat gelobt.

Stamm: Dazu will ich mich nicht äußern. Ich war nicht in Erlangen. Wir haben im Parteivorstand – einstimmig, bei praktisch vollzähliger Anwesenheit – beschlossen, dass wir während der Koalitionsverhandlungen keine Personaldebatten führen. Da waren sowohl der JU-Vorsitzende Hans Reichhart als auch Markus Söder mit dabei. Der Beschluss war richtig . . .

-. . . nur hält sich die Partei immer weniger daran. Die JU ist ja nicht die erste Stimme, die sich gegen Seehofer erhebt.

Stamm: Ich kann Ihrer Feststellung leider nicht widersprechen. Für mich ist unverständlich, dass namhafte Persönlichkeiten nicht dafür Sorge tragen können, dass die Vereinbarung eingehalten wird. Für die Partei steht derzeit einfach zu viel auf dem Spiel. Wer in Berlin mit dabei ist, weiß, wie schwierig die Gespräche sind.

-Die Verhandlungsposition des Parteivorsitzenden wird durch solche Zwischenrufe nicht gestärkt.

Stamm: Leider. Ich habe vor der Debatte schon gewarnt, bevor am Wahlabend alle Stimmzettel ausgezählt waren. Sie schadet der Partei. Aber auch der menschliche Aspekt wird vernachlässigt.

-Was meinen Sie?

Stamm: Jeder sollte sich fragen, wie er sich selbst in Horst Seehofers Position fühlen würde. Er hat große Verdienste um die CSU, das scheinen einige zu vergessen. Hinzu kommt, dass die Debatte auch der Außendarstellung der CSU nicht weiter hilft. Es steht einer Partei nicht gut an, so miteinander umzugehen.

-War es ein Fehler, dass Horst Seehofer nicht zur JU gefahren ist?

Stamm: Ich kann die Entscheidung aus seiner Sicht nachvollziehen, weil ich auch bis Freitagabend in Berlin war. Die Sitzung in großer Runde hat bis 16 Uhr gedauert, danach hat die CSU in kleiner Runde im Detail besprochen, wo die roten Linien liegen. Am Samstag haben die Parteivorsitzenden gesprochen. Da war Horst Seehofer unentbehrlich. Ich verstehe die Enttäuschung der Jungen Union – aber die Frage bleibt, wie man mit so einer Enttäuschung umgeht.

Interview: Mike Schier

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