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Karl-Theodor zu Guttenberg wird mal wieder aus der CSU gerufen.

Möglicher Auftritt mit Seehofer

CSU-Vize: „Guttenberg soll sich mehr einbringen“

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München – Und jährlich grüßt das Murmeltier: In der CSU wird mal wieder über eine Einbindung des im US-Exil lebenden Karl-Theodor zu Guttenberg beraten. Parteichef Horst Seehofer erwägt am 10./11. März einen gemeinsamen Auftritt mit dem Ex-Minister.

Parteivize Manfred Weber bittet Guttenberg sogar öffentlich, sich in den Wahljahren ab 2017 stärker als Außenpolitiker für die CSU einzubringen. Die Rufe aus Bayern werden offenbar in New York erhört.

Hintergrund ist eine doppelte Not der CSU. Personell: Sie kann derzeit keinen Außenpolitiker von Rang aufbieten. Christian Schmidt, der ein in den USA sehr gut vernetzter Verteidigungspolitiker war, wurde nach der letzten Wahl zum Agrarminister umfunktioniert. Und politisch: Zur neuen Trump-Administration gibt es keinen offiziellen Kontakt. Über einen Mittelsmann, so deutete Seehofer mal in einer Rede an, könne er eine Verbindung herstellen; ob das trägt, ist unbewiesen. Auch ob eine US-Reise Seehofers heuer klappt, weiß man nicht. Dass Trump auch für Bayern direkte Bedeutung hat, zeigte seine Drohung, für BMW 35 Prozent Strafzölle einzuführen.

Guttenberg würde beide Nöte lindern. Sein Name hat trotz Plagiatsaffäre – er machte sie nie durch eine regelgerechte neue Promotion wett – noch Klang bei manchen in der CSU. Und Verbindungen zu einigen Republikanern hat er nach eigenen Angaben. Den designierten Außenminister Rex Tillerson kenne er aus der Washingtoner Denkfabrik CSIS, den Verteidigungsminister General James Mattis habe er mehrfach getroffen, sagte Guttenberg der „Welt am Sonntag“.

Die CSU hat deshalb Interesse, den 2011 gefallenen Minister wieder einzubinden. „Karl-Theodor zu Guttenberg könnte gerade jetzt für die CSU einen guten Beitrag leisten, wenn er sich wieder mehr einbringt“, wirbt Parteivize Weber, der seit Jahren den Kontakt zu „KT“ hält. „Eine weitere wahrnehmbare Stimme in der Außen- und Sicherheitspolitik wäre nicht von Nachteil für unsere Mannschaft in den anstehenden Wahljahren.“ Weber glaubt, dass „allein schon durch die unberechenbare Agenda des neuen US-Präsidenten“ die internationale Politik, Sicherheitspolitik und transatlantische Beziehungen wieder in den Fokus rücken werden.

Ob es diesmal klappt? Bisherige Versuche scheiterten. Mal drängelte Guttenberg viel zu früh, als noch kein Gras über seine Affäre gewachsen war. Vor einem Jahr ließ er Seehofer abblitzen und schlug eine neue Führungsrolle in der CSU aus. Sein „lausiger Umgang“ mit der Affäre lasse eine Rückkehr nicht rechtfertigen, teilte er mit. Das klingt alles nicht sonderlich schlüssig; trotzdem ist die Hoffnung in der CSU diesmal hoch. „Wenn nicht jetzt, wann dann?“, fragen Seehofers Leute. Für die CSU gehe es 2017 und 2018 um existenzielle Wahlen. Eine genaue Rolle für ihn ist aber noch nicht gefunden.

Auf jeden Fall hat Guttenberg wieder hohes Interesse an internationaler Politik. Mit Gastbeiträgen und Interviews meldete er sich im Januar zu Wort. Er versucht darin, Trump zu erklären, auch kritisch zu hinterfragen, ohne ihn zu beschimpfen. „Ob einem dieser Präsident nun passt oder nicht, und ich gehöre sicher nicht zu seinen Fans, bleibt das Verhältnis zu Washington für uns von fundamentaler Wichtigkeit. Das müssen wir vital halten.“

In der „FAZ“ schrieb Guttenberg zudem einen interessanten Satz über Trump: „Der Charme des Unkonventionellen kann nur erblühen, wenn er sich auf dem Verständnis großer Zusammenhänge begründet.“ Irgendwie könnte das auch für ihn selbst gelten.

Christian Deutschländer

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