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Derzeit herrscht Waffenstillstand: Manfred Weber und Markus Söder.

Europa-Politiker begründet Entscheidung

Freie Bahn für Söder: Warum sein ärgster Konkurrent für den CSU-Vorsitz absagte

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Der Weg zum CSU-Vorsitz ist frei für Markus Söder. Dabei hätten sich einige in der Partei die Kandidatur seines ärgsten Konkurrenten gewünscht. Der zog schließlich zurück.

München – Vor knapp zwei Wochen saß Manfred Weber in einer Messehalle in Helsinki und legte die Stirn in Falten. Es war der Tag vor seiner Nominierung zum EVP-Spitzenkandidaten für die Europawahl. Ein entscheidender Schritt auf dem Weg des Niederbayers, der Mitte 2019 auf dem Sessel des EU-Kommissionspräsidenten enden soll. Doch von den mitgereisten bayerischen Journalisten wurde der 46-Jährige mal wieder vor allem nach dem CSU-Vorsitz gefragt. Weber, ein höflicher Mann, blies kurz die Backen auf. Und dann merkte er freundlich an, dass der CSU-Vorsitz schon sehr, sehr wichtig sei, aber der Kommissionspräsident der Europäischen Union eben noch ein klein bisschen wichtiger. Vielleicht rede man besser darüber.

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Die Szene erklärt, warum Manfred Weber nach längerem Zögern am Samstag öffentlich verkündete, dass er im Januar nicht für den Parteivorsitz kandidieren will. Wenn man es genau nimmt, sagte er der „Bild am Sonntag“, dass er „im Moment“ für das Amt nicht zur Verfügung stünde. „Wenn ein CSU-Politiker die gesamte EVP in die Europawahlen führt und EU-Kommissionspräsident werden kann, ist das für meine Partei eine große Chance.“ Für die CSU eröffne das völlig neue Perspektiven.

CSU-Vorsitz: Manfred Weber wäre gern Chef der Christsozialen geworden

Tatsächlich wäre Weber sogar sehr gerne Chef der Christsozialen geworden. Vor allem im vergangenen Jahr hat er deshalb viel in der Partei herumtelefoniert. Nach der Bundestagswahl erklärte er in kleiner Runde offen, dass er bereit stünde, falls Horst Seehofer abtrete.

Manfred Weber hat lange mit Markus Söder gefremdelt

Weber gehört zu jenen in der CSU, die lange mit Markus Söder gefremdelt haben. Beide kennen sich seit Jahrzehnten. 2003 übernahm Weber von Söder den Vorsitz in der Jungen Union. Seitdem redeten die beiden nicht immer gut übereinander. Doch zuletzt folgte ein demonstrativer Schulterschluss. Man gab gemeinsame Interviews. Weber besuchte im Sommer das neue Söder-Kabinett. Keine neue Freundschaft, aber ein Waffenstillstand.

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Dennoch darf man davon ausgehen, dass Weber angetreten wäre, gäbe es nicht diese ungünstige terminliche Konstellation. Bis zum Parteitag heute in zwei Monaten hätte er parteiintern Wahlkampf machen müssen, bei Orts- und Kreisverbänden in Niederbayern, Schwaben oder der Oberpfalz. Gleichzeitig muss er als EVP-Spitzenkandidat alle EU-Länder abklappern. Beides ist parallel kaum zu schaffen.

Markus Söder wäre trotz Manfred Weber in der Favoritenrolle gewesen

Nun muss er jene enttäuschen, die auf ihn gesetzt hatten, darunter die ehemalige Landtagspräsidentin Barbara Stamm. Die Fürsprecher erhofften sich von Weber einen anderen Ton: Der Europapolitiker ist zwar durchaus konservativ, verfolgt seine Politik aber lieber ohne große Schlagzeilen und Drohgebärden. Jene Christsozialen, die vom Attackenstil der Seehofers, Dobrindts und Söders genervt sind, setzten deshalb auf Weber.

In der Partei gehen dennoch viele davon aus, dass sich Söder bei einer Kampfabstimmung durchgesetzt hätte – was für den EU-Wahlkampf höchst gefährlich gewesen wäre. Söder selbst aber scheint durchaus Respekt vor dem Gegenkandidaten gehabt zu haben. Der Ministerpräsident zögerte mit seiner Kandidatur, bis Weber zurückzog. Jetzt ist der Weg frei.

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