Zukunftskongress

Die CSU und der weiß-blau-bunte Freistaat

München - Beim Zukunftskongress bastelt die Partei an einem Multikulti-Konzept – und holt sich Tipps bei Christian Stückl.

Die CSU will wissen, wie sie Weltoffenheit und Heimat künftig unter einen Hut, in ein Parteiprogramm bringen kann – und Christian Stückl, Chef der Passionsspiele in dem weltberühmten Dorf, gibt den heißen Tipp: Schaut’s halt einfach nach Oberammergau! Jahrhundertelang war das Spielrecht unantastbar und Muslime, obwohl einheimisch, hatten beim „Passio“ nichts verloren. Seit 2000 ist das anders, und Multikulti nach erbittertem Streit selbstverständlich. Heimat kann sich also verändern, ohne dass gleich die Welt untergeht. Und die CSU?

Stückl ist am Samstag Gastredner in der Hanns-Seidel-Stiftung, die CSU-Grundsatzkommission hat 200 Zuhörer zum Zukunftskongress eingeladen. Die Partei will bis zur Wahl 2017 einen Leitfaden erarbeiten, der zum rasanten Wandel der Gesellschaft passt: 2024 werden von 12,6 Millionen Einwohnern in Bayern etwa 3,2 Millionen einen Migrationshintergrund haben. Kommissionschef Blume beobachtet, dass „die Bindekraft des Christentums erodiert“. Familienformen wandeln sich, das ehrenamtliche Engagement ist noch stark, aber Vereine klagen über Nachwuchssorgen. Was bedeutet das für die CSU? Blume geht einen Schritt zurück und fragt: „Was macht Heimat aus, was stiftet Identität in einem Freistaat, der heute schon bunter ist als weiß-blau?“

Regisseur Stückl erzählt den Christsozialen die Geschichte von Abdullah Kenan Karaca, 1989 in Garmisch-Partenkirchen geboren, in Oberammergau aufgewachsen. Als Bub macht er heimlich bei der Probe mit, er fällt Stückl auf – in mehreren Gesprächen muss er Abdullahs Vater überzeugen, ihn mitspielen zu lassen. Inzwischen ist Karaca Regisseur, ein Shooting-Star – „und in Oberammergau voll integriert“. Was Blume daraus lernt: „Die bayerische Identität mit ihrer Wertebindung und der christlichen Prägung ist wichtig und auch mit Selbstbewusstsein zu vertreten – aber ohne auszugrenzen oder auf Privilegien zu pochen.“

Die CSU-Mitglieder, laut Blume sind am Samstag auch eine Handvoll Muslime da, hören auch, wie die konservative ÖVP im Nachbarland Österreich mit dem Thema Zuwanderung umgeht. Außenminister Sebastian Kurz empfiehlt eine „bürgerliche Lösung“, die Menschen nicht nach Herkunft beurteilt, „sondern nach dem, was sie für Österreich herbringen“. Das Land hat kürzlich ein Islamgesetz eingeführt, das etwa die Finanzierung von Moscheen regelt. Blume hält Teile des Gesetzes für beachtenswert: „Wenn man den Islam aus den Hinterhöfen rausbringen will, brauchen wir eine klare Grundlage mit Rechten und Pflichten.“

In der Islamdebatte vertritt Kurz aber auch eine Linie, mit der sich die CSU noch nicht recht anfreunden kann: „Ja, natürlich gehört er (der Islam) zu Österreich.“

C. Lechner und C. Hoefer

Rubriklistenbild: © dpa

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