CSU-Wettlauf um die Senioren-Spitze

München - Die CSU-Senioren rüsten sich für den Wettlauf zweier Bekannter. Goppel, langjähriger Minister, und Heike, Ex-Staatssekretär, wollen sich um den Vorsitz bewerben. Weckerle gibt den Posten überraschend auf.

„Man soll immer dann aufhören, wenn es den anderen noch leid tut“, sagte Konrad Weckerle (71) unserer Zeitung. Er sei fit, aber acht Jahre im Amt seien genug. Nun solle ein Nachfolger „mit neuem Elan, neuen Ideen“ für die „Riesen-Themen Rente, Gesundheit und Pflege“ kämpfen. Mitte Oktober sind die Neuwahlen. Hinter den Kulissen läuft intensiv die Wahlwerbung an.

Die Senioren agierten in der CSU noch nicht geschlossen genug, mahnt Thomas Goppel. Er sieht mehr Potenzial. „Wir haben die Mehrheit. Wenn wir geschlossen sind, fällt keine Entscheidung an uns vorbei.“ Der 66-Jährige kennt die Parteistruktur gut, war fünf Jahre Generalsekretär, saß 17 Jahre im Kabinett. Heute leitet er den Kreis der Christsozialen Katholiken. Wenn Oberbayern sich klar hinter ihn stellt, will Goppel kandidieren. Der Ex-Minister, der sich scharfzüngige Kritik an Seehofer erlaubt, wieder in einem CSU-Spitzenamt – das wäre pikant.

Die fränkischen Verbände aber hat Jürgen Heike hinter sich, der mit Goppel fünf Jahre im Kabinett saß, ehe Seehofer beide abberief. „Ich bin bereit“, bekundet der 64-Jährige. Auch er will mehr Präsenz der Senioren. „Ich könnte mir vorstellen, dass man etwas lauter wird.“ Weckerle habe gute Vorarbeit geleistet. Heike wurde soeben mit 100 Prozent als oberfränkischer Bezirksvorsitzender bestätigt. Der Jurist stellt sich heute den Oberbayern vor.

Wer in welchem Bundesland regiert

Wer in welchem Bundesland regiert

Die Senioren-Union hat 11.000 Mitglieder über 60. Anfang September tagt der Landesvorstand, am 12. Oktober entscheidet eine Delegiertenversammlung in Ingolstadt. Ein schriller Kampf der zwei Ex-Regierenden aus der Stoiber-Ära droht aber nicht. Beide sprechen wohlwollend übereinander, Goppel hält eine Einigung für möglich. „Wir kennen uns so lange und schätzen uns so sehr, dass keiner den anderen madig machen muss“, sagt Heike. Weitere Kandidaturen, etwa des Münchners Reinhold Babor, gelten als möglich, aber nicht erfolgversprechend.

Wer Weckerles Favorit ist? Er schweigt höflich, sagt nur: „Mein großer Wunsch wäre, dass sich der Vorstand auf eine Empfehlung einigt.“

Christian Deutschländer

Rubriklistenbild: © dpa/Symbolbild

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