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Landärzte werden in Bayern dringend gesucht.

Neue Vorgabe bei der Vergabe von Medizin-Studienplätzen

CSU will eine Landarztquote

München - Er ist erste Anlaufstelle im Ort, unverzichtbarer Vertrauter: der Hausarzt. Doch es mangelt an Nachwuchs, die Versorgung ist in Gefahr. Die CSU will mit einer Landarztquote gegensteuern.

Auf dem Papier ist noch alles gut: Die hausärztliche Versorgung in Bayern ist gewährleistet. Doch das wird sich ändern. Mehr als ein Drittel der bayerischen Hausärzte geht in den nächsten acht Jahren in den Ruhestand. Nachwuchs gibt es kaum. Die meisten Medizinstudenten bevorzugen das Leben in der Stadt, die Chirurgie ist beliebt.

Der Freistaat soll nun eine Landarztquote bei der Zulassung zum Medizinstudium ein einführen, um die hausärztliche Versorgung in ländlichen Regionen für die Zukunft zu sichern. Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner und die Staatsminister Melanie Huml, Ludwig Spaenle und Wissenschaftspolitiker Oliver Jörg (alle CSU) haben diesen Plan eingefädelt.

„Hausärzte sind das Rückgrat unserer medizinischen Versorgung“, sagt Bernhard Seidenath, gesundheitspolitischer Sprecher der CSU-Landtagsfraktion. Das müsse wohnortnah und flächendeckend erhalten bleiben. Danach sieht es aktuell allerdings nicht aus: Laut Emmi Zeulner sind bundesweit 1000 bis 2600 Hausarztstellen unbesetzt. In einer Befragung gaben 58 Prozent der derzeit praktizierenden Hausärzte an, noch keinen Nachfolger gefunden zu haben. Daher sei eine Etablierung der Landarztquote, wie Bayern sie nun einführt, unerlässlich.

Konkret soll die Landarztquote dafür sorgen, dass Abiturienten, die als Facharzt für Allgemeinmedizin in einer unterversorgten Region arbeiten wollen, erleichterte Zugangsmöglichkeiten zum Medizinstudium bekommen. Sie verpflichten sich freiwillig, nach ihrem Abschluss für einige Jahre in dem Gebiet zu praktizieren. Sollten sie sich trotz des Vertrags anders entscheiden, sieht das bisher geplante Konzept eine Ausgleichszahlung im sechsstelligen Bereich vor.

Zu welchem Semesterbeginn die Landarztquote umgesetzt werden kann, ist noch offen. „Wenn es nach uns geht, so bald wie möglich“, sagt Seidenath. Es gilt aber noch einige Punkte vorzubereiten. Es sollen Prognosen über die voraussichtlich unterversorgten Gebiete erstellt werden. Anhand dieser werden bis zu fünf Prozent, also bis zu 100 Medizinstudienplätze in Bayern an angehende Landärzte vergeben. Das bestehende Vergabeverfahren, das sich an Abiturnoten und Medizinertest orientiert, bleibt für sie erhalten.

Es werden aber auch andere Kriterien berücksichtigt. Zum Beispiel Vorerfahrung durch eine medizinische Ausbildung oder ehrenamtliches Engagement, das zeigt, dass der Bewerber in seiner Heimat verwurzelt ist. „Diese Kriterien sind nicht ausschlaggebend, werden aber berücksichtigt“, sagt Seidenath. Zuvor wurde viel über die Verfassungsmäßigkeit einer Landarztquote diskutiert. Ein Gutachten des Bundesgesundheitsministeriums hat aber ergeben, dass sie mit dem Grundgesetz vereinbar ist.

Der Ärztetag hatte sich bereits im Mai gegen dieses Verfahren ausgesprochen. Seidenath sieht jedoch kein Problem darin, dass sich Männer und Frauen bereits vor dem Studium für diesen Weg entscheiden. „Es ist ja nur ein Angebot. Wer das nicht möchte, wartet auf den regulären Studienplatz.“

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