Sonnenuntergang auf der Aussenweser bei Wremertief
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Das Wremertief in der Nähe von Cuxhaven. An der Nordseeküste findet man viele Windkraftanlagen.

Bürger bei Kraftwerks-Plan umgangen

Im deutschen Windkraft-Mekka werden Windräder abgebaut - stattdessen wird bald Holz verfeuert

  • Andreas Schmid
    VonAndreas Schmid
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Windenergie spielt an der Nordseeküste eigentlich eine entscheidende Rolle. Nun wird jedoch auf ein anderes Projekt gesetzt.

Cuxhaven - Das Bundeskabinett hat Mitte Juli ein zusätzliches Acht-Milliarden-Euro-Programm für mehr Klimaschutz auf den Weg gebracht. Die Verschärfung der deutschen Emissionsziele auf minus 65 Prozent bis 2030 und minus 88 Prozent bis 2040 sowie Treibhausgasneutralität bis spätestens 2045 sei das oberste Ziel. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) forderte daraufhin weitergehende Schritte für mehr Ökostrom. Hier sei das Programm der Koalition nur „ein erster Schritt“. Es würden dringend mehr Flächen für Windkraft an Land sowie Photovoltaik benötigt.

Cuxhaven: „Leistungsstarker Hafenstandort“ als Windkraft-Pionier

Die niedersächsische Stadt Cuxhaven gilt eigentlich als Vorreiter in puncto Windkraft bezeichnet. Unter Beteiligung von Unternehmen wie Siemens Gamesa ist an der Nordseeküste die weltweit größte Produktionsstätte für Windturbinen entstanden. Die Stadt ist mit ihren knapp 50.000 Einwohnern ein Zentrum der Offshore-Industrie. Cuxhaven selbst preist seine Bemühunge - und seine Standortvorteile: „Die Windkraft ist unbegrenzt vorhanden, frei verfügbar und umweltschonend. Regenerative Energien gewinnen angesichts der gravierenden Folgen des Klimawandels zunehmend an Bedeutung.“

Cuxhaven: Kritik an umweltschädigendem Holzkraftwerk - Windräder werden abmontiert

Umso mehr irritiert ein aktuelles Millionenprojekt. Cuxhaven plant ein Holzkraftwerk, in dem Bäume zur Energiegewinnung verbrannt werden sollen. 80.000 bis 100.000 Tonnen Holz sollen schon bald jährlich verfeuert werden. Laut einem Bericht des Magazins Der Spiegel wird das Vorhaben vom Staat gefördert – ein falsches Signal, finden Umweltaktivisten.

Beim Verbrennen werde das im Holz gespeicherte CO2 freigesetzt und schade dem Klima. Neu gepflanzte Bäume bräuchten Jahrzehnte um diese Menge aufzunehmen, schilderte eine Fridays-For-Future-Aktivistin dem Spiegel. „Diese Zeit haben wir nicht mehr.“

Kritik gibt es auch, weil die Bäume nicht nur in deutschen Wäldern gerodet werden. Frachter würden die Energieware auch aus dem Baltikum sowie aus Skandinavien durch die Nordsee schippern. Erschwerend kommt hinzu, dass in Cuxhaven der Windkraft-Boom zuletzt stagnierte. Das liegt hauptsächlich daran, dass ältere Anlagen – auch aufgrund bürokratischer Behörden – immer seltener aufgefrischt und damit teils sogar abgebaut werden. Dieses Windkraft-Problem gibt es freilich auch anderenorts, etwa in Bayern*.

Cuxhaven: CDU-Politiker Frank Berghorn - der „grünste Schwarze“ plant das Projekt

Federführend für das Projekt verantwortlich ist der CDU-Politiker Frank Berghorn, Fraktionsvorsitzender im Kreistag Cuxhaven. Er sieht in dem Holzkraftwerk keinen Widerspruch zur Devise, sich klimaneutral aufzustellen. „Ich bin der grünste Schwarze im Landkreis Cuxhaven“, betont er. Die Wälder würden wieder aufgeforstet und ohnehin hauptsächlich Restholz verwendet werden.

Berghorn war bei den Planungen beteiligt und dürfte damit wohl auch beim Schritt, die Bevölkerung zu umgehen, involviert gewesen sein. Denn laut Bundesimmissionsschutzgesetz sind Einwände erst ab einer Leistung von mehr als 50 Megawatt zulässig. In Cuxhaven soll das neue Holzkraft auf 49,9 Megawatt begrenzt sein. (as) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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