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Ministerpräsidentin Mette Frederiksen präsentiert: Dänemarks Plan für eine grüne Zukunft

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Von: Foreign Policy

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Mette Frederiksen, Ministerpräsidentin von Dänemark, bei ihrer Ankunft zum zweiten Tag des EU-Gipfels 2019.
Mette Frederiksen, Ministerpräsidentin von Dänemark, bei ihrer Ankunft zum zweiten Tag des EU-Gipfels 2019. © Thierry Roge/dpa

Für eine Seefahrtnation ist die Reduzierung der Transportemissionen der erste Schritt, schreibt Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen.

Kopenhagen - Der Leaders Summit on Climate von US-Präsident Joe Biden am 22. und 23. April fand in einer kritischen Phase statt. Im Vorfeld der 26. Klimakonferenz der Vereinten Nationen, die im November dieses Jahres im schottischen Glasgow stattfindet, braucht es neuen Schwung im globalen Kampf gegen den Klimawandel. Wir können Biden versichern, dass Dänemark seinen Teil dazu beitragen wird, eine der größten Herausforderungen unserer Zeit zu bewältigen. Dänemark ist zwar ein kleines Land, aber wir sind dennoch bestrebt, in Sachen Umweltfreundlichkeit eine Vorreiterrolle zu übernehmen.

Heute werden mehr als 50 Prozent des dänischen Stromnetzes durch Wind- und Solarenergie gespeist. Wir gehen davon aus, dass bis 2027 erneuerbare Energien 100 Prozent unseres Strombedarfs decken. Auch für die Zukunft haben wir uns ehrgeizige Klimaziele gesetzt: Dänemark hofft, bis 2030 eine 70-prozentige Reduktion seiner Treibhausgasemissionen zu erreichen sowie bis 2050 klimaneutral zu werden, d. h. netto null Treibhausgasemissionen zu haben.

Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen: Historische Entwicklung einer hochmodernen Windindustrie

Wir sind zuversichtlich, dass wir das schaffen können. Und warum? Dänemarks grüne Entwicklung begann vor 50 Jahren. Seit der Ölkrise von 1973 spielen dänische Forschung und Innovation eine maßgebliche Rolle bei der globalen Umstellung auf saubere Energie – eine Tradition, die wir bis heute mit Stolz fortführen. Hier ein Beispiel: Stellen Sie sich eine Insel in der Nordsee vor. Doch statt von Urlaubern wimmelt es hier von Hunderten von Windrädern, Industriehallen und Treibstofftanks, die sauberen Strom, saubere Treibstoffe und grüne Innovationen für Millionen von europäischen Haushalten liefern. Diese Vision heißt Energieinsel. Und davon träumt man nicht nur: In Dänemark wird die erste Energieinsel der Welt bald Realität sein.

Im Laufe der letzten vierzig Jahre hat Dänemark eine hochmoderne Windindustrie entwickelt. Dank innovativer Technologien, intelligenter Vorschriften und finanzieller Unterstützung durch die Regierung ist die Windenergie in Dänemark nunmehr genauso wettbewerbsfähig wie Energie aus fossilen Brennstoffen. Heute ist Onshore-Windkraft die billigste Energiequelle, die in Dänemark und in weiten Teilen der Vereinigten Staaten verfügbar ist. Wir erwarten, dass in wenigen Jahren auch die Kosten von Offshore-Windenergie wettbewerbsfähig sein werden. Die Investition der dänischen Regierung in Energieinseln stellt eine Anerkennung dieser baldigen Realität dar.

Windenergie-Nation Dänemark: Künftige Versorgung von Haushalten durch Offshore-Windkraft mit günstigem Ökostrom

Diese zukünftigen Offshore-Energiedrehscheiben werden Haushalte in Dänemark und den Nachbarländern mit günstigem Ökostrom versorgen. Aber unser Ehrgeiz geht noch weiter. Mit der Zeit werden die Energieinseln es uns ermöglichen, grünen Strom in grünen Wasserstoff umzuwandeln, der als Treibstoff in Industrien verwendet werden kann, die für eine direkte Elektrifizierung nicht geeignet sind. Diese Errungenschaft wird bedeuten, dass das Potenzial von Offshore-Wind eine bahnbrechende Steigerung erlebt. Sie könnte gar eine der größten Herausforderungen im Kampf gegen den Klimawandel lösen: die Verminderung der Transportemissionen von Schiffen, LKW und Flugzeugen.

Dafür zu sorgen, dass diese Industriemotoren grün werden können, ist eine Schlüsselkomponente der dänischen Klimaagenda. Eine grüne Energiewende muss auch Arbeitsplätze und Wirtschaftswachstum schaffen. Heute gibt es in Dänemark mehr Arbeitsplätze im Bereich erneuerbare Energien als im Bereich fossile Brennstoffe. Unternehmen aus allen Branchen wandeln sich durch mutige Innovationen für eine grünere Zukunft.

So zum Beispiel der dänische Hafen Esbjerg: Esbjerg war einst ein wichtiger Knotenpunkt für Öl und Gas und gehört heute zu den führenden Knotenpunkt für Offshore-Wind in der Welt. Hier sind 250 Unternehmen, von denen einige zuvor in der Fossilbrennstoffindustrie agiert haben, nun in der Offshore-Wind-Industrie tätig. Sie konnten sich wandeln, weil sich der öffentliche und private Sektor gemeinsam darauf konzentriert haben, Kompetenzen, Ressourcen und Vermögenswerte aus dem Öl- und Gassektor in neue, grüne Industrien zu transferieren.

Neue Arbeitsplätze durch grüne Industriemotoren in Dänemark - Mette Frederiksens Klima-Agenda

Diese Firmen schaffen auch Arbeitsplätze. Die 1917 gegründete Werft Odense Staalskibsværft wurde nach ihrer Schließung im Jahr 2012 zu einem massiven Testzentrum für Windkraftanlagen umstrukturiert. In den vergangenen neun Jahren sind in den Anlagen der alten Werft 3000 neue Arbeitsplätze entstanden, die die Arbeitsplätze ersetzen, die durch die Schließung der Werft wegfielen.

Aber die Schaffung grüner Arbeitsplätze ist nicht nur eine innerstaatliche Angelegenheit. Sie steht auch im Mittelpunkt der Zusammenarbeit Dänemarks mit den Vereinigten Staaten, um für eine saubere Energiewende zu sorgen. Dänemarks Engagement für einen sozial gerechten Übergang spiegelt sich wider in unserer Führungsposition in der neuen globalen Kommission der Internationalen Energieagentur für einen auf den Menschen ausgerichteten Übergang zu sauberer Energie („Global Commission on People-Centred Clean Energy Transitions“), einem Gremium, in dem auch die Vereinigten Staaten vertreten sind.

Dänemark kooperiert im Bereich der grünen Energiewende bilateral mit 16 Ländern in Europa, Asien, Afrika und Lateinamerika, die zusammen mehr als 60 Prozent der globalen Kohlendioxidemissionen produzieren. Durch politischen Dialog, technische Unterstützung und Peer-to-Peer-Lernen über die gesamte Energie-Wertschöpfungskette hinweg wollen wir die Erfahrungen Dänemarks, das ein Vorreiter bei der grünen Energiewende ist, mit anderen teilen.

Tradition starker öffentlich-privater Zusammenarbeit - Dänemark ist fünftgrößte Seefahrtnation der Welt

Solche internationalen Partnerschaften bauen auf der dänischen Tradition von starker öffentlich-privater Zusammenarbeit auf. In Dänemark haben wir 13 öffentlich-private Klimapartnerschaften gegründet, die alle Branchen der dänischen Wirtschaft repräsentieren – von der Energie- und Schwerindustrie über den Finanzsektor bis hin zur Schifffahrt. Dänemark ist die fünftgrößte Seefahrtnation der Welt. Wir sind uns bewusst, dass der Schifffahrtssektor einen Beitrag zum Klimaschutz leisten muss, aber gleichzeitig auch den globalen Handel weiter ermöglichen muss. Die öffentlich-privaten Partnerschaften in der Schifffahrtsindustrie arbeiten zum Beispiel hart daran, den Weg für kohlenstoffneutrale Schiffe, grüne Hafeninfrastruktur und grüne Kraftstoffe zu ebnen.

In nur zwei Jahren, im Jahr 2023, wird Maersk, die größte Containerschiffsreederei der Welt, ihr erstes klimaneutrales Containerschiff zu Wasser lassen. Wir hoffen, dass ihm viele weitere folgen werden und freuen uns, dass die USA beschlossen haben, gemeinsam mit Dänemark die Mission zur Dekarbonisierung der internationalen Schifffahrt bei der Mission Innovation zu leiten, einer globalen Initiative von 24 Ländern und der Europäischen Kommission, die daran arbeitet, Innovation im Bereich saubere Energiewende zu erleichtern.

Dänemark begrüßt die starke Führungsrolle, die die neue Biden-Regierung bei der grünen Energiewende übernimmt. Wir freuen uns auch darauf, zu einem konstruktiven Dialog über Klimadiplomatie und Energie mit dem US-Klimabeauftragten John Kerry und der Europäischen Union beizutragen. Im Klimaschutz hat die Arbeit gerade erst begonnen. Dieses Jahrzehnt ist im Kampf um unseren Planeten von entscheidender Bedeutung, aber wenn wir zusammenarbeiten, kann das Neue noch besser werden als das Alte. Dänemark und die Vereinigten Staaten können eine grüne Zukunft erreichen.

von Mette Frederiksen, Jeppe Kofod, Dan Jorgensen

Mette Frederiksen ist die Premierministerin von Dänemark.

Jeppe Kofod ist der Außenminister von Dänemark. Twitter: @JeppeKofod

Dan Jorgensen ist der Minister für Klima, Energie und Versorgung von Dänemark. Twitter: @DanJoergensen

Dieser Artikel war zuerst am 22. April 2021 in englischer Sprache im Magazin „ForeignPolicy.com“ erschienen – im Zuge einer Kooperation steht er nun in Übersetzung auch den Lesern von Merkur.de zur Verfügung.

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