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"Damit kann man jeden totschlagen"

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- Berlin - Richter Michael Mauck ließ keinen Zweifel daran, was er von Berichten über die angeblichen Eheprobleme von Bundeskanzler Gerhard Schröder hält: "Auch ein Politiker, der nicht gerade medienscheu ist, muss sich nicht alles gefallen lassen!", schrieb er der Hundertschaft von Journalisten ins Stammbuch, die sich am Dienstag im Saal 100 des Berliner Landgerichts zusammendrängte. "Das schlimmste ist, wenn Gerüchte weiterverbreitet werden. Damit kann man jeden totschlagen."

Mit der Berliner Entscheidung konnten Bundeskanzler Gerhard Schröder und sein Anwalt Michael Nesselhauf einen Teilerfolg verbuchen: Die 27. Zivilkammer des Landgerichts bestätigte die einstweilige Anordnung, die Schröder gegen den Verfasser eines entsprechenden Berichts in der "Märkischen Oderzeitung" erwirkt hatte, der Widerspruch des Journalisten wurde zurückgewiesen.

"Es muss endlich Schluss sein mit den Gerüchten!"
Michael Nesselhauf

Als strahlender Sieger ging Nesselhauf dennoch nicht vom Platz. Auf die einstweilige Verfügung gegen den Zeitungsverlag musste er nämlich verzichten: Der renommierte Hamburger Anwalt hatte der Gegenseite die Anordnung nicht richtig zustellen lassen - "ein kapitaler Formfehler", wie der Anwalt der Zeitung, Johannes Weberling, süffisant bemerkte.

So fuhr Nesselhauf kurzerhand schärfere Geschütze auf. Um die Gerüchte über Schröders Privatleben endgültig zu stoppen, sehe er sich nun gezwungen, die Zeitung im Hauptsacheverfahren auf Unterlassung zu verklagen: "Es muss endlich Schluss sein mit den Gerüchten! Sonst geht das immer so weiter!"

Was er von den Berichten hält, machte der Anwalt mit drastischen Worten deutlich: Mittlerweile seien ihm schon acht Namen von Frauen untergekommen, die angeblich Verhältnisse mit Schröder hätten. "Ich warte nur noch darauf, dass von Gruppensex die Rede ist!", empörte sich Nesselhauf.

Noch mehr Mitleid als mit dem Kanzler und dessen Frau habe er nur noch mit der Fernsehmoderatorin, der von dem britischen Massenblatt "Mail on Sunday" eine Affäre mit Schröder angedichtet wurde: "Will man der Frau die Karriere kaputtmachen?" Als Konsequenz will der Jurist nun also grundsätzlich klären lassen, wie weit eine Zeitung bei der Berichterstattung gehen darf. "Im Hauptsacheverfahren dreht sich die Beweislast um, und die Zeitung muss Fakten nennen: Wann soll der Kanzler wo in welcher Lautstärke mit seiner Frau gestritten haben? Und hat die Zeitung die Betroffenen dazu überhaupt befragt?"

Anwalt Weberling hält dagegen, die "Märkische Oderzeitung" habe nur Gerüchte wiedergegeben, die längst in Berlin kursiert seien. Außerdem habe Schröder sein Privatleben stets wie kein zweiter Politiker in die Öffentlichkeit getragen. "Jetzt passt ihm eine Kleinigkeit nicht, und er klagt, wie letztes Jahr beim Rechtsstreit um seine Haarfarbe." Dass Schröder mit dieser Strategie gut beraten ist, daran zweifeln auch viele Journalisten. Denn klar ist: Wird der Rechtsstreit fortgesetzt, rauscht nicht nur eine neue Welle von Berichten durch den Blätterwald, sondern es gibt auch eine richtige Beweisaufnahme.

Weberling hat bereits angekündigt, dass er in diesem Fall auch Doris Schröder-Köpf und die Leibwächter des Kanzlers in den Zeugenstand rufen will. So oder so: der Rechtsstreit geht weiter. Zwei weitere Einstweilige Verfügungen erwirkte Nesselhauf nach eigenen Angaben gegen deutsche Medien, und auch hier muss voraussichtlich über Widersprüche verhandelt werden.

Die britische "Mail on Sunday" dagegen macht es sich einfach: Sie ignoriert eine entsprechende Verfügung des Hamburger Landgerichts - und hat jetzt sogar eine Hotline eingerichtet, auf der jeder, der mag, seinen Frust über Schröder abladen soll.


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