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Vorwurf Brandstiftung: Beate Zschäpe vor Gericht.

NSU-Prozess

Zeuge: "Dann hat es einen Knall getan"

München - Ein Zwickauer Handwerker überlebte die Explosion des Wohnhauses der NSU-Terroristen offenbar nur durch einen glücklichen Zufall.

Sie beauftragten Handwerker, trafen sich mit dem Hausverwalter und zahlten pünktlich ihre Miete: Bis zum 4. November 2011 gaben sich die mutmaßlichen NSU-Terroristen Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt als ganz normale Bewohner des Hauses an der Zwickauer Frühlingsstraße 26. Bis an diesem Tag ihre Wohnung in die Luft flog. Laut Anklage setzte Zschäpe sämtliche Räume in Brand, um Spuren zu verwischen. Ein Handwerker, der im Haus eine Wohnung renovierte, überlebte die Explosion nur mit Glück. Vor Gericht schilderte er, wie er Monate zuvor Beate Zschäpe begegnet sei.

„Hundertprozentig“ sei sie bei einem Treffen in der Wohnung eines Mieters namens „Matthias Dienelt“ dabei gewesen, sagte der 50-jährige Handwerker. Es ging um einen Riss in den Küchenfliesen. Heute wissen die Ermittler, dass Dienelt einer der Aliasnamen von Uwe Böhnhardt war. Zschäpe soll sich unter anderem „Lisa Dienelt“ genannt haben, unter diesem Namen wurde auch ein Mal die Miete von 740 Euro für die Wohnung überwiesen. „Eine hübsche Frau“ nennt der Maurer Zschäpe, sie habe die Tür geöffnet, er sei ihr auch mal im Treppenhaus begegnet. Viele Worte habe man nie gewechselt: „Sie war für mich halt Kundschaft.“ Der Maurer erledigte für den Hausverwalter häufig Arbeiten an der Frühlingsstraße, renovierte über Monate hinweg das Dachgeschoss. Er will sich erinnern, dass bei dem Treffen im September auch noch ein „junger Mann“ dabei war.

Ob es Mundlos oder Böhnhardt gewesen sein könnten, weiß er nicht. Der Hausverwalter ist sich hingegen nicht mal mehr sicher, ob Zschäpe dabei war. Und ein Gehilfe des Bauarbeiters wiederum erklärte, er habe einen größeren Mann mit Segelohren häufig in Begleitung von „Frau Zschäpe“ gesehen und sei davon ausgegangen, dass sie ein Paar waren. Heute glaubt er, dass es Uwe Böhnhardt war.

Die Episode zeigt: Dem Trio gelang es bestens, den Eindruck von Normalität zu erwecken. Bis zum 4. November 2011. An diesem Tag war der 50-jährige Handwerker gemeinsam mit dem Gehilfen im Dachgeschoss bei der Arbeit. Gegen 14.30 Uhr sei er mit seinem Kollegen zum etwa 200 Meter entfernten Bäcker gegangen: „Ich hatte Kaffee vorbestellt, habe draußen gewartet und stand mit dem Rücken zum Haus.“ Es waren die Minuten, in denen Zschäpe zehn Liter Benzin in der Wohnung verteilt und angezündet haben soll. „Plötzlich hat es einen Knall getan“, erinnert sich der Arbeiter. „Ich bin die Straße runter gerannt, und mein erster Gedanke war: Hoffentlich nicht meine Baustelle. Dann habe ich die Flammen gesehen.“

Laut Anklage konnte Beate Zschäpe bei der Brandlegung nicht wissen, dass die Handwerker gerade Pause machten, auch eine 89-jährige Nachbarin war in ihrer Wohnung und konnte gerade noch gerettet werden. Zschäpe wird deshalb versuchter Mord und besonders schwere Brandstiftung vorgeworfen – zu den zehn Morden des NSU, die sie unterstützt haben soll. Für den Handwerker hatte die Explosion schwerwiegende persönliche Folgen: Das Ereignis, so schilderte er, habe ihn nach 13 Jahren Abstinenz zurück in die Alkoholsucht getrieben.

Ann-Kathrin Gerke

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