Österreicher wollen Ausnahmeregelung

„Dann sollen die Deutschen auch überall Maut zahlen“

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München - Hohe Berge kesseln das Kleinwalsertal im österreichischen Bundesland Vorarlberg ein – raus oder rein kommt man nur über das Allgäu. Was bedeutet die geplante deutsche Pkw-Maut für die Talbewohner? Wir sprachen mit Andi Haid, Bürgermeister von Mittelberg.

Wie oft fährt ein Kleinwalsertaler über die Grenze nach Bayern?

Ständig! Uns bleibt gar nichts anderes übrig. Bei uns leben viele Pendler, wir fahren zum Einkaufen, für tägliche Besorgungen ins Allgäu, es gibt dort Fachwerkstätten und Fachärzte, die wir im Kleinwalsertal nicht haben. Und der Weg zu unseren Behörden in Bregenz führt auch ausschließlich über Deutschland.

Dann betrifft die Maut, die Minister Dobrindt plant, jeden im Tal?

Ja. Noch regt sich die Bevölkerung kaum auf, das ist noch zu frisch. Aber das kommt noch. Grob geschätzt haben wir hier 3000 Autos. Wenn jedes 120 Euro im Jahr bezahlen muss, sind das unverhältnismäßig hohe Kosten. Und wir bekommen keinen Nachlass auf die Kfz-Steuer.

Werden Sie sich wehren?

Auf jeden Fall. Wir brauchen eine Ausnahmeregelung. Ich habe mich bereits mit der Gemeinde Jungholz zusammengeschlossen – denen geht es wie uns. Und die sind dort wie wir ein Zollanschlussgebiet.

Was bedeutet das?

Andi Haid, Bürgermeister von Mittelberg.

Früher hieß das „deutsches Wirtschaftsgebiet“. Wir hatten bei uns im Kleinwalsertal nie den österreichischen Schilling, sondern die Deutsche Mark. Durch den Beitritt Österreichs zur EU hat sich einiges geändert. Trotzdem gelten bei uns immer noch Ausnahmeregelungen, zum Beispiel beim Veterinärrecht.

Aber deutsche Fahrer brauchen ja auch ein Pickerl, wenn sie nach Österreich fahren wollen.

Ich hätte ja Verständnis für eine Maut auf deutschen Autobahnen. Dann hätten wir auch weiterhin ins restliche Vorarlberg oder nach Tirol fahren können. Dass Dobrindt eine Maut auf allen Straßen will, kam für uns überraschend. Ich finde, dann sollen auch die Deutschen auf allen österreichischen Straßen zahlen.

Haben Sie sich bei den Deutschen beschwert?

Nein, noch nicht. Ich bezweifle die Rechtmäßigkeit – wie ja auch österreichische und niederländische Politiker.

Interview: Carina Lechner

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