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„Die Front - sie ist hier“: Alexander Dugin spricht auf Trauerfeier für Tochter Darja

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Von: Andreas Schmid

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Bei einem Autobombenanschlag kam Darja Dugina, Tochter des Putin-Einflüsterers Alexander Dugin, ums Leben. Russland macht die Ukraine für den Mord verantwortlich. Kiew dementiert.

Update vom 23. August, 11.37 Uhr: Hunderte Menschen haben in Moskau an einer Trauerfeier für Darja Dugina teilgenommen, auch ihr Vater Alexander Dugin und seine Frau. „Sie starb für das Volk, für Russland, an der Front. Die Front - sie ist hier“, sagte der ultranationalistische Intellektuelle Dugin zu Beginn der Zeremonie im Ostankino-Fernsehzentrum.

Dugin vertritt seit langem eine Ideologie, die die Vereinigung russischsprachiger Gebiete in einem neuen russischen Großreich vorsieht. Aus dieser Überzeugung heraus unterstützt er auch den russischen Militäreinsatz in der Ukraine. Seine Tochter teilte diese Überzeugung und trat als bekannte Medienpersönlichkeit in seine Fußstapfen. Die 29-Jährige arbeitete für kremlnahe Fernsehsender wie Russia Today.

Ukraine-Kriegsunterstützerin Dugina erhält von Putin posthum Orden

Update vom 23. August, 6.12 Uhr: Wladimir Putin zeichnet die getötete Kriegsunterstützerin Darja Dugina posthum mit dem Tapferkeitsorden aus. Gewürdigt wurde nach Kreml-Angaben ihre „Tapferkeit und Hingabe bei der Erfüllung ihrer professionellen Aufgabe“. Quellen im Sicherheitsapparat sagten der Agentur Tass, dass der Anschlag wirklich der 29-Jährigen gegolten habe, und nicht ihrem Vater Alexander Dugin.

Der russische Inlandsgeheimdienst FSB teilte am 22. August angebliche Ermittlungsergebnisse mit, wonach eine Ukrainerin im Auftrag Kiewer Geheimdienste Dugina ermordet haben soll. Die Ukraine bestreitet jede Verantwortung für den Anschlag. Experten verwiesen auf zahlreiche Ungereimtheiten in den angeblichen Beweisen, die der FSB vorlegt.

Attentat auf Darja Dugina: Putin-Freund Alexander Dugin meldet sich zu Wort

Update vom 22. August, 20 Uhr: Nach dem Mord an seiner Tochter Darja hat der bekannte Denker Alexander Dugin die Russen aufgerufen, im Sinne seiner rechtsnationalistischen und imperialistischen Ideologie zu kämpfen. „Unsere Herzen dürstet es nicht einfach nach Rache oder Vergeltung. Das wäre zu klein, nicht russisch“, ließ Dugin über seinen Vertrauten, den Oligarchen Konstantin Malofejew, auf Telegram ausrichten. „Wir brauchen nur unseren Sieg. Auf dessen Altar hat meine Tochter ihr mädchenhaftes Leben gelegt. Also siegt bitte!“

Der kremlnahe Dugin lobte seine Tochter nun als „wunderschönes orthodoxes Mädchen“ und als „Patriotin“, die von „den Feinden Russlands“ getötet worden sei. Der russische Präsident Wladimir Putin verlieh Dugina am Montag posthum den Tapferkeitsorden. Quellen im russischen Sicherheitsapparat sagten der Agentur Tass, der Anschlag habe eindeutig der Tochter gegolten, nicht dem Vater.

Update vom 22. August, 16.30 Uhr: Russlands Präsident Wladimir Putin hat nach dem Mord an der russischen Kriegsbefürworterin Darja Dugina der Familie der 29-Jährigen sein Beileid ausgesprochen. In einem Telegramm an den rechten Nationalisten Alexander Dugin schrieb Putin: „Ein hässliches, brutales Verbrechen hat das Leben von Darja Dugina zerstört, eines glänzenden, talentierten Menschen mit einem echten russischen Herz, gut, liebevoll, hilfsbereit und offen.“ Weiter hieß es vom russischen Machthaber: „Journalistin, Gelehrte, Philosophin, Kriegskorrespondentin, sie hat den Menschen, dem Vaterland ehrlich gedient und durch Taten gezeigt, was es bedeutet, eine Patriotin Russlands zu sein.“

Update vom 22. August, 13.30 Uhr: Russland macht die Ukraine für den Mord an der Kriegsunterstützerin Darja Dugina verantwortlich. „Das Verbrechen wurde von ukrainischen Geheimdiensten vorbereitet und begangen“, teilte Russlands Inlandsgeheimdienst FSB am Montag laut der Agentur Interfax mit. Die Ukraine dementiert, etwas mit Duginas Ermordung am Wochenende zu tun zu haben.

Laut russischem Geheimdienst ist eine 1979 geborene Ukrainerin für den Anschlag verantwortlich. Sie habe einen Sprengsatz im Auto Dugimas platziert und sei anschließend ins EU- und Nato-Land Estland geflohen.

Update vom 22. August, 8.30 Uhr: Es wird noch gerätselt, wer hinter dem Bombenanschlag steht, bei dem Darja Dugina, die Tochter des Putin-Ideologen Alexander Dugin, ums Leben kam. Nun bringt der ehemalige Duma-Abgeordneten Ilja Ponomarjow, der derzeit in Kiew wohnt, eine bisher unbekannte russische Untergrundorganisationen ins Spiel.

In einem Beitrag in einem vom ihm mitgegründeten oppositionellen TV-Sender sagte der Kritiker von Waldimir Putin, dass sich die „Nationale Republikanische Armee“ (NRA) zu dem Attentat bekennt. Das geht aus Berichten des ukrainischen Onlinemediums Kyiv Independent und des britischen The Guardian hervor. Demnach hätte die Organisation Ponomarjow gebeten, die Bekennung zu veröffentlichen.

Attentat auf Darja Dugina: Weitere Attacken auf kremlnahe Ziele sollen folgen

Demzufolge sagte Ponomarjow in dem am Sonntag (21. August) ausgestrahlten Beitrag: „Ein folgenreiches Ereignis fand letzte Nacht in der Nähe von Moskau statt. Dieser Angriff schlägt eine neue Seite im russischen Widerstand gegen den Putinismus auf. Neu – aber nicht die letzte.“

Er führte weiter aus, dass die Partisanen bereit wären, innerhalb Russlands ähnliche Attacken auf hochrangige, kremlnahe Ziele durchzuführen, seien es Beamte, Oligarchen oder Geheimdienstmitarbeiter.

 Der ehemalige Duma-Abgeordnete Ilja Ponomarjow
Laut dem ehemaligen Duma-Abgeordneten Ilja Ponomarjow hat sich eine russische Untergrundorganisation zu dem Anschlag auf Darja Dugina bekannt. (Archivfoto von 2013) © Yuri Kochetkov/dpa/picture alliance

Ponomarjow las auch aus einem angeblichen NRA-Manifest vor. „Wir erklären Präsident Putin zu einem Usurpatoren und Kriegsverbrecher, der die Verfassung geändert, einen Bruderkrieg zwischen slawischen Völkern entfesselt und russische Soldaten in einen sicheren und sinnlosen Tod geschickt hat.“

Die Echtheit des Manifests und der Aussagen von Ponomarjow konnte jedoch bislang nicht unabhängig verifiziert werden. Die Lage ist also weiterhin unübersichtlich.

Mordanschlag auf Darja Dugina: Russland-Propagandistin stirbt durch Autobombe

Erstmeldung vom 21. August: Moskau – Die Tochter von Putin-Fanatiker Alexander Dugin ist tot. Wie russische Behörden bekannt gaben, gab es einen Mordanschlag in der Nähe von Moskau. „Die Identität der Toten ist geklärt – es ist die Journalistin und Politologin Darja Dugina“, hieß es am Sonntag vom nationalen Ermittlungskomitee.

In diesem vom russischen Ermittlungskomitee veröffentlichten Foto arbeiten Ermittler am Ort der Autoexplosion, bei der Daria Dugina getötet wurde.
In diesem vom russischen Ermittlungskomitee veröffentlichten Foto arbeiten Ermittler am Ort der Autoexplosion, bei der Daria Dugina getötet wurde. Die Ermittlungsbehörden haben ein Strafverfahren wegen Mordes eingeleitet. © IMAGO / SNA

Die 29-Jährige galt als glühende Verfechterin des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine. Sie stand wegen der Verbreitung von Propaganda und Fake News auf der Sanktionsliste Großbritanniens. Ihr Vater ist ein rechtsnationalistischer Ideologe und gilt als „Putins Gehirn“.

Putin-Fanatiker Alexander Dugin: Sollte er getötet werden?

Duginas Auto explodierte laut Polizeiangaben am Samstagabend gegen 21 Uhr während der Fahrt in einer Moskauer Vorstadtsiedlung. Nach ersten Erkenntnissen war an dem Fahrzeug – ein Toyota Land Cruiser – ein Sprengsatz montiert, der detonierte. Dugina starb noch vor Ort. Es werde in verschiedene Richtungen ermittelt, hieß es von russischen Behörden. Damit bleibt offen, ob der Mordanschlag dem Vater Duginas gegolten haben könnte.

Laut der russischen Nachrichtenagentur Interfax hatten Vater und Tochter am Samstag gemeinsam das patriotische Festival „Tradition“ besucht, das von einer Stiftung Wladimir Putins unterstützt wird. „Es war geplant, dass Vater und Tochter das Festival gemeinsam verlassen, Darja fuhr aber allein in dem Fahrzeug“, hieß es bei Interfax. Die Nachrichtenagentur Tass berichtete, dass sie mit dem Auto ihres Vaters fuhr.

Putin-Fanatiker und Kriegstreiber: Wer ist Alexander Dugin?

Alexander Dugin wird von Medien und Autoren immer wieder als Einflüsterer oder als „Gehirn“ des russischen Präsidenten Wladimir Putin bezeichnet. Diese Bezeichnung ist umstritten. Er gilt aber als prominente Stimme der russischen Rechten, in Deutschland gibt es Verbindungen zur AfD. Manche Kritiker bezeichnen ihn gar als Ideengeber für den Angriff auf die Ukraine. Wie Putin fantasierte Dugin mehrmals von der Rückkehr der Sowjetunion. Nach der Krim-Annexion und dem Beginn des Ukraine-Konflikts forderte er die Russen dazu auf, „Ukrainer [zu] töten“.

„Putins Gehirn“ und ultrarechter Vordenker: Alexander Dugin
„Putins Gehirn“ und ultrarechter Vordenker: Alexander Dugin © IMAGO / Russian Look

Mordanschlag auf Darja Dugina: Russische Nationalisten attackieren Ukraine

Unter russischen Nationalisten und prorussischen Kräften in der Ukraine löste der Anschlag Entsetzen aus. „Die Terroristen des ukrainischen Regimes haben versucht, Alexander Dugin zu liquidieren und haben seine Tochter in die Luft gesprengt... im Auto“, schrieb der Anführer der Separatistenhochburg Donezk, Denis Puschilin, auf Telegram. Darja bleibe in Erinnerung - als „echtes russisches Mädchen“.

Wer hinter dem Anschlag steckt, ist unklar. Die Ukraine dementiert eine etwaige Beteiligung. „Die Ukraine hat natürlich mit der gestrigen Explosion nichts zu tun, weil wir kein krimineller Staat sind – wie die Russische Föderation – und schon gar kein Terrorstaat“, sagte der ukrainische Präsidentenberater Mychajlo Podoljak laut Ukrajinska Prawda. Womöglich könnten der oder die Täter auch aus einer russischen Widerstandsgruppe stammen. Dugina starb am zweiten Jahrestag des Giftanschlags auf Kremlkritiker Alexeij Nawalny. (as/dpa)

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