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Markus Söder ist jetzt Ministerpräsident in Bayern. 

Weidenbusch ohne Ministeramt

Darum bekommt Söders Mann fürs Grobe keinen Platz im Kabinett

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Eigentlich war Ernst Weidenbusch ein Ministeramt zugetraut worden, doch er bekam keins. Auch im eigenen Interesse. Hat er doch interessante Nebenjobs. 

München – Markus Söders Mann fürs Grobe will sich gar nicht beruhigen. Ernst Weidenbusch rollt im Plenarsaal auf seinem Stuhl vor und zurück und ruft immer wieder dazwischen. Ein Schmarrn, was die SPD da erzählt, alles erfunden. Bis Natascha Kohnen irritiert vom Redepult aufblickt. „Ruhig Blut“, sagt sie, „sonst kriegen Sie noch einen Herzkasper!“ Söder, um den es eigentlich geht in der Debatte, sitzt unbeteiligt auf der Regierungsbank und schweigt, während Weidenbusch weiter tobt.

Wird im Landtag auch mal laut: Ernst Weidenbusch.

Es ist eine interessante Arbeitsteilung, die sich in den vergangenen Monaten immer stärker abzeichnete: Weidenbusch, 54, Münchner, räumt für den Neu-Ministerpräsidenten die unangenehmen Dinge ab. Einer der schillerndsten CSU-Abgeordneten, der als Anwalt einen Haufen Geld verdient und bei dem die Arbeit im Landtag manchmal wie ein Hobby wirkt, ist Söders enger Verbündeter. Nun, mit der Bildung des neuen Kabinetts, wird offensichtlich, wie groß sein Einfluss über die Jahre im Hintergrund geworden ist.

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Nein, aufs Kabinettsfoto hat es Weidenbusch nicht geschafft, obwohl ihm fachlich viele den Minister-Job zutrauen. Wahrscheinlich hätte er sogar abgelehnt, wäre er gefragt worden – eigentlich ein Wahnsinn. Als Minister hätte er aber viele seiner Nebenjobs abgeben müssen. Mit der Berufung zum Beauftragten für Beteiligungen, was erst mal wenig spannend klingt, aber ein extrem mächtiger Posten ist, darf er sie behalten.

„Finanziell wäre das kein Spaß gewesen“

„Finanziell wäre das kein Spaß gewesen“, sagt Weidenbusch übers Ministeramt. Vermutlich war es dem Risiko-Minimierer Söder auch zu heikel, jemanden zu berufen, der schon so viel Geld verdient hat. Laut der Offenlegung des Landtags verdiente Weidenbusch allein 2016 mit seiner Anwaltskanzlei über 250 000 Euro. Er sitzt im Aufsichtsrat einer Unternehmensberatung, im Verwaltungsrat der Kreissparkasse und ist Syndikus des Lotto-Toto-Fachverbands. 16 600 Euro Ministergehalt im Monat klingen da plötzlich gar nicht mehr nach viel, eher wie ein Rückschritt.

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Weidenbusch betreut nun einen Komplex, in dem er sich thematisch schon seit Jahren bewegt; seit 2013 etwa als Sonderbeauftragter der Staatsregierung zum Thema BayernLB. An deren Rettung soll er maßgeblich beteiligt gewesen sein. Nun ist er nicht nur für die Bank, sondern für die mehr als 80 Beteiligungen des Freistaats zuständig – vom Hauptmünzamt übers Hofbräuhaus bis zum Flughafen München. Die meisten von ihnen verwaltet das Finanzministerium (dort bekommt er auch ein Büro), die Kompetenzen reichen aber zum Beispiel mit den Staatsforsten bis ins Landwirtschaftsressort und mit der Stadibau ins Bauministerium von Ilse Aigner.

Bis zu 3000 Euro im Monat Entschädigung, Mitarbeiter, Fahrservice – das gibt’s zu so einem Beauftragtenjob dazu. Vor allem aber gewinnt Weidenbusch an Macht: Er sitzt künftig in den wichtigen Aufsichtsräten, zu denen zuletzt meist Finanzbeamte gingen. Nun stimmt wieder ein Politiker für die Interessen des Freistaats. Gestern traf er sich mit Finanzminister Albert Füracker zur ersten Besprechung.

Nebenher ist Weidenbusch noch Vize-Landrat im Kreis München und sitzt im Kreistag. Bekommt man das alles zeitlich hin? Nun ja, auf Facebook jedenfalls schreibt er seinen Freunden: „Es kommt nicht so schlimm, dass ich keine Zeit mehr für euch hätte und wir nicht weiterhin gemeinsam unseren Hobbys nachgehen könnten.“ Und wenn man ihn fragt, erzählt er Anekdoten von der Rastlosigkeit. Von seinem Rekord im Liegestuhl zum Beispiel, 1988 soll’s gewesen sein, fünf Minuten und zwölf Sekunden. „Dann hat mich meine Frau endlich gefragt, ob wir etwas unternehmen wollen.“ Der Liegestuhl muss auch jetzt, 30 Jahre später, ohne ihn auskommen.

Weitere Beauftragte:

Markus Söder hat weitere Beauftragte berufen: Mechthilde Wittmann (Integration), Hermann Imhof (Patienten und Pflege), Sylvia Stierstorfer (Aussiedler und Vertriebene), Gudrun Brendel-Fischer (Ehrenamt), Klaus Holetschek (Bürgeranliegen) sowie Walter Nussel (Bürokratieabbau).

Sebastian Dorn

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