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Vereidigung des bayerischen Kabinetts: Markus Söder.

Ludwig Spaenle verliert Ministerposten 

Darum opfert Söder seinen treuen Freund

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Mit Ludwig Spaenle wirft Markus Söder ausgerechnet einen guten Freund aus dem Kabinett. Spaenle eckte fachlich schon länger an. Seine Zukunft in München ist plötzlich ungewiss.

München – Es müssen demütigende Meter sein für Ludwig Spaenle. Im Hof des Landtags reiht sich ein Konvoi aus dutzenden Ministerlimousinen aneinander. Spaenle zieht seine Jacke fester um sich, geht an den Autos entlang, vom letzten bis zum ersten. Irgendeines hat ihn vorhin noch hierher gebracht. Aber nicht mehr zurück. Der Minister, seit fünf Minuten a. D., schreitet zum Drehkreuz am Ausgang. Zu Fuß. Allein. Wer kein Amt mehr hat, hat auch kein Auto mehr.

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Spaenle, 56, seit 24 Jahren im Landtag, ist der größte Verlierer der Kabinettsneubesetzung von Markus Söder. Vom Superminister für Kunst, Kultus und Wissenschaft zum einfachen Abgeordneten ohne Fahrer – der Absturz ist hart und kommt vor allem für ihn überraschend. Söder opfert einen guten Freund (und Taufpaten seines Sohnes). Einen Politiker, der als einer der ersten mit am Stuhl von Horst Seehofer sägte und trotzdem ausgerechnet von diesem eine Jobgarantie bekam.

Schwer enttäuscht: Ludwig Spaenle nach seiner Abberufung als Minister.

Vielleicht war es die eine innige Umarmung zu viel

Im Vorfeld der Kabinettsbildung war erwartet worden, dass sich Söder von mindestens einem Gefolgsmann trennt – allein schon, um den Verdacht aus der Welt zu schaffen, dass nach dem parteiinternen Machtkampf nur Günstlinge in Ämter kommen. Vielleicht war es die eine innige Umarmung zu viel nach der Wahl zum Ministerpräsidenten. Söder will mit der Abberufung, die in zwei höflichen, aber schwierigen Gesprächen besprochen worden sein soll, Signale senden: Er achtet nicht auf persönliche Befindlichkeiten. Und er setzt auf Neuanfang.

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Es gibt Andeutungen, wonach auch Spaenles durchwachsene Ministerbilanz eine Rolle gespielt haben könnte. Beim Schwenk vom G8 zurück zum G9 war er eher Ausführender als Antreiber, vor allem bei der Öffentlichkeitsarbeit aber fiel Spaenle immer wieder negativ auf – beim Fall Gurlitt etwa und der Sanierung des Hauses der Kunst. Auch der Bildungsbereich hatte trotz immer neuer Lehrerstellen einen gleichbleibend angekratzten Ruf. Ministernachfolger Bernd Sibler, bislang schon Staatssekretär, spricht die Kommunikation als einen Schwerpunkt an. Er verstehe das Kultusministerium als „Dienstleistungsbehörde“, sagt er. „Ich bin gelernter Lehrer und glaube, dass ich da sehr gut aufgehoben bin.“

„Ich wünsche ihm echte Freunde“

Spaenle wirkt mitgenommen. Er ist vor der Fraktionssitzung einer der ersten im Landtag, hat aber auffallend rote Augen und wirkt müde. Sonst äußert er sich gern wortreich, diesmal wiederholt er nur immer wieder einen Satz. „Ich wünsche dem Ministerpräsidenten alles Gute und gute Freunde. Ich wünsche ihm echte Freunde.“ Ob er sich noch dazu zählt? Keine Antwort. Und als die Kabinettsmitglieder aufgerufen werden, klatscht Spaenle zwar artig, blickt aber sonst grimmig nach vorn.

An der Münchner CSU-Basis stößt man auf Staunen, Schock und Entsetzen. „Ist ’ne harte Nummer“, sagt auch einer der Münchner Abgeordneten. Wobei Härte zum Umgangston in diesem Bezirksverband gehört. Eine der Folgefragen wird deshalb sein, ob Spaenle nun Bezirksvorsitzender der CSU München bleiben wird – und ob er es erneut in den Landtag schaffen wird. Beim Direktmandat wird es eng: Isabell Zacharias (SPD) und Wolfgang Heubisch (FDP) sind im Stimmkreis Schwabing prominente Konkurrenten.

Auch auf den vorderen CSU-Listenplätzen herrscht Gedränge: Mit Markus Blume ist ein Münchner Generalsekretär, mit Georg Eisenreich (Digitales) und Marion Kiechle (Wissenschaft) kommen zwei Minister dazu, und Bürgermeister Josef Schmid ist ein weiterer prominenter Bewerber. Ein Alternativweg wäre, möglicherweise 2020 bei der Oberbürgermeisterwahl gegen Dieter Reiter zu kandidieren, heißt es. Andere murmeln etwas von der Hanns-Seidel-Stiftung.

Spaenle selbst schweigt. „Ich bin jetzt ein freier Mann“, sagt er am Drehkreuz des Landtags. Und geht in Richtung U-Bahn.

Sebastian Dorn

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