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«Das ist ein Genozid»: Vitali Klitschko über russischen Angriff

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Vitali Klitschko, Bürgermeister von Kiew
Vitali Klitschko nennt den Krieg einen Völkermord © IMAGO/Pavel Nemecek

Vitali Klitschko, Bürgermeister von Kiew, spricht von russischem Angriff als Genozid.

München - Der Bürgermeister der ukrainischen Hauptstadt Kiew, Vitali Klitschko, hat den russischen Angriff auf sein Land als Völkermord bezeichnet. «Das ist ein Genozid», sagte der 50 Jahre alte ehemalige Profiboxer am Mittwoch in einer Live-Schalte mit dem Stadtrat der Kiewer Partnerstadt München. «Die vernichten die Zivilbevölkerung, die vernichten unser Land.»

Seine Stadt werde mit Raketen beschossen, die «in einem Radius von 500 Metern jedes menschliche Leben» töteten, sagte Klitschko. Das sei kein Angriff auf das Militär, sondern auf die Bevölkerung. Wie viele Ukrainer bislang gestorben seien, könne er nicht sagen: «Wir können die Leichen nicht zählen.»

Jeden Morgen, bevor er die Augen öffne, glaube er kurz, «dass es ein schlechter Traum war». «Das ist alles ein Alptraum, was passiert.» Doch: «Ich mache meine Augen auf und sehe: Es ist eine harte Realität, sehr harte Realität.»

Er rief Deutschland auf, Wirtschaftsbeziehungen zu Russland einzustellen, auch wenn das schwierig sei. «Russland investiert jeden Euro, jeden Cent, in seine Armee.»

Für die Rettung der Zivilbevölkerung aus umkämpften Städten und Dörfern in der Ukraine sind am Mittwoch nach Angaben aus Kiew insgesamt neun Fluchtkorridore vorgesehen.

So soll die Evakuierung der belagerten Hafenstadt Mariupol fortgesetzt werden, wie Vizeregierungschefin Iryna Wereschtschuk in einer Videobotschaft sagte. Für die Fahrt in die südukrainische Großstadt Saporischschja stünden rund zwei Dutzend Busse bereit. Nach russischen Angaben halten sich in Mariupol am Asowschen Meer noch 100 000 bis 150 000 Menschen auf. Dort herrschen katastrophale Bedingungen, es gibt kaum Essen, Wasser und Strom.

Auch aus den Orten Polohy und Huljajpole sind Fluchtkorridore nach Saporischschja geplant. Nordöstlich der Hauptstadt Kiew sind drei Routen vorgesehen: Aus Welyka Dymerka, dem benachbarten Bohdaniwka und Switylnja sollen Menschen in die Kiewer Vorstadt Browary gebracht werden, aus Borodjanka nordwestlich der Hauptstadt ist eine Evakuierung ins südlich gelegene Bila Zerkwa geplant. Schließlich soll es zwei Fluchtkorridore im ostukrainischen Gebiet Luhansk geben, von Rubischne sowie Nyschnje jeweils nach Bachmut.

Die Evakuierungsrouten geben Beobachtern Hinweise auf den Frontverlauf sowie die Schwerpunkte der Kämpfe. Russland und die Ukraine werfen sich gegenseitig vor, diese Korridore zu beschießen und Zivilisten an der Flucht zu hindern.

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