FDP-Politiker Sebastian Körber
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FDP-Landtagsabgeordneter Sebastian Körber.

Interview mit dem queerpolitischen Sprecher der FDP

Hoffnung nach Aussage des Papstes: „Viele Homosexuelle haben nicht mehr daran geglaubt“

  • Stefan Sessler
    vonStefan Sessler
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Papst Franziskus hat sich für die Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften ausgesprochen. Wir haben darüber mit Sebastian Körber (FDP) gesprochen. Er hat die erste schwule Parlamentariergruppe gegründet.

Sebastian Körber, 40, ist Gründungsmitglieder der ersten schwulen Parlamentariergruppe im Landtag. Außerdem ist er queerpolitischer Sprecher der FDP.

Herr Körber, sind Sie Kirchgänger?

Ja, wenn es zeitlich möglich ist, gehe ich gelegentlich in die Kirche. Nicht nur bei Beerdigungen und Hochzeiten.

Wie bewerten Sie die Worte des Papstes?

Sie sind ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Viele Homosexuelle haben schon gar nicht mehr an so was geglaubt, dass sich der Papst jemals in diese Richtung äußern wird. Es ist auch ein wichtiges Signal für sehr katholische Länder. Ich denke da an Polen, wo Homosexuelle noch immer diskriminiert und auch verfolgt werden. Trotzdem ist die katholische Kirche leider nach wie vor gegen die Ehe von Homosexuellen.

Es ist ein Unterschied, ob man seine Homosexualität in einer Großstadt wie München oder auf dem Dorf auslebt. Was könnten die Worte des Papstes in der bayerischen Provinz bewirken?

Hier könnte einiges ins Wanken gebracht werden. Aber es ist auch klar, dass es Widerstand gegen die Linie des Papstes geben wird. Erzkonservative Katholiken werden sich fragen, ob Franziskus sie noch ausreichend repräsentiert. Das, was gerade passiert, ist mehr als ein Sturm im Wasserglas – es ist ein erster Schritt hin zu einer liberaleren Institution Kirche.

Kann Franziskus mit seinem Weg wieder mehr Homosexuelle für die Kirche begeistern?

Für mich selbst gesprochen: Ich bin mit meinem Mann verheiratet. Und ich sage: Gott sei Dank bewegt sich etwas. Dieser Weg könnte viele lesbische oder schwule Paare, die gläubig sind, wieder näher an die Institution Kirche rücken lassen.

Hätten Sie gerne kirchlich geheiratet?

Ich bin katholisch, mein Mann ist evangelisch. Ein Zeremoniell hätte mir schon gut gefallen, weil das irgendwie dazugehört. Aber das habe ich noch gar nicht mit meinem Mann besprochen. Der liest das heute in der Zeitung. (lacht).

Kirche ist das Eine. Welche Themen treiben Sie gerade noch um?

Noch immer werden Homosexuelle, die Blut spenden wollen, diskriminiert. Sie müssen auf einem Formular angeben, ob sie in den letzten zwölf Monaten Sex mit Männern hatten. Diese Praxis wollen wir abschaffen. Außerdem wäre es schön, wenn in bayerischen Schulbüchern auch mal zwei verliebte Männer nebeneinander auf der Parkbank sitzen. Denn es ist so: Die Bevölkerung im Freistaat ist deutlich weiter als die Staatsregierung.

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