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Martin Schulz.

Politiker uneinig

Dauerhoch oder Strohfeuer: Was bringt Schulz der SPD?

Kiel/Berlin - Wohin führt Martin Schulz als Kanzlerkandidat die SPD? Politiker sind sich uneinig, wie lange das Stimmungshoch anhält - ihre Meinung ist natürlich von der Parteizugehörigkeit abhängig.

Die in die Höhe geschnellten Umfragewerte für den SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz werden sich nach Überzeugung von FDP-Vize Wolfgang Kubicki als Strohfeuer erweisen. „Das Beispiel Peer Steinbrück von vor vier Jahren zeigt sehr anschaulich, dass solche Hypes so schnell verfliegen können, wie sie gekommen sind“, sagte der Kieler Fraktionschef der Deutschen Presse-Agentur. Auch Steinbrück habe als frisch gekürter Kanzlerkandidat die Sozialdemokraten damals auf ein Sechs-Jahres-Hoch gehievt, kurz danach aber wieder massiv an Zustimmung verloren.

„Erst wenn sich Martin Schulz zu konkreten Sachthemen äußern muss, werden wir feststellen, wie viele in seiner eigenen Partei und dann in der deutschen Bevölkerung insgesamt ihm folgen wollen“, sagte Kubicki. Er gehe davon aus, dass sich der Hype um Schulz in relativ kurzer Zeit wieder legen wird. „Wenn sowohl der rechte Seeheimer Kreis in der SPD jubelt und sagt „Das ist einer von uns“, und die Jusos tun das auch, dann kann etwas nicht stimmen.“

Die FDP müsse aus der aktuellen Zustimmung für Schulz weder im Land noch im Bund Konsequenzen ziehen, meinte Kubicki. „Denn für uns geht es nicht um Angela Merkel oder Martin Schulz, sondern um eine vernünftige Politik.“

Dreyer: Schulz ist „auf Augenhöhe“ mit Merkel

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) sieht Kanzlerkandidat Martin Schulz „auf Augenhöhe“ mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU). „Ich glaube sowieso nicht, dass diese Euphorie ein Strohfeuer ist, denn Martin Schulz ist schon immer sehr, sehr beliebt in unserer Partei, aber auch bei den Bürgern“, sagte Dreyer der Deutschen Presse-Agentur. „Natürlich setzen wir als SPD darauf, dass wir am Ende auch die Gewinner bei der Wahl sind.“ Die SPD ist seit der Nominierung von Schulz zum Kanzlerkandidaten in Umfragen auf 29 bis 31 Prozent geklettert. Eine Koalitionsaussage hält Dreyer derzeit nicht für sinnvoll: „Wir sind ja fest entschlossen, die SPD so stark zu machen, wie es irgendwie geht.“

Experte: „Schulz-Hype“ macht Ausgang der Saar-Wahl offener

Das Rennen um den Ausgang der saarländischen Landtagswahl in sechs Wochen ist nach Ansicht des Parteienforschers Uwe Jun mit Martin Schulz als SPD-Kanzlerkandidaten wieder offener geworden. „Der Schulz-Hype gibt der SPD im Saarland Rückenwind“, sagte der Politikwissenschaftler an der Universität Trier der Deutschen Presse-Agentur. Damit werde neben einer Fortsetzung der großen Koalition ein rot-rot-grünes Regierungsbündnis zu „einer realistischeren Möglichkeit als noch vor einigen Wochen“. Die Saarländer wählen am 26. März einen neuen Landtag.

Der Schulz-Faktor sei „in dieser Form von niemanden so vorhersehbar“ gewesen, sagte Jun. Mit der Begeisterungswelle um Schulz werde die SPD im Saarland „ein paar Prozentpunkte“ zulegen - aber nicht so viele wie im Bund. „Der saarländische Wähler wird ja erkennen, dass Herr Schulz im Saarland nicht zur Wahl steht.“

Nach der jüngsten Umfrage von Infratest Dimap, die am 26. Januar vor der Nominierung von Schulz veröffentlicht wurde, liegt die CDU bei 38 Prozent, die SPD kommt auf 26 Prozent. Die Linke würde demnach 14 Prozent bekommen, die Grünen 5 Prozent. Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) hat sich für eine Fortsetzung der großen Koalition ausgesprochen, Vize-Regierungschefin Anke Rehlinger (SPD) hat sich bisher nicht festgelegt.

dpa

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