+
Ein Anhänger der AfD bei einer Kundgebung zum Abschluss des Wahlkampfs in Mecklenburg-Vorpommern. Foto: Jens Büttner

De Maizière: Merkel nicht verantwortlich für AfD-Aufstieg

Berlin (dpa) - Bundesinnenminister Thomas de Maizière hat einen Zusammenhang zwischen der Flüchtlingspolitik von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und dem Aufstieg der AfD zurückgewiesen. "Das halte ich für abwegig", sagte der CDU-Politiker der "Welt am Sonntag".

"Wir erleben in ganz Europa den Aufstieg rechtspopulistischer Parteien. Deutschland bildete lange die Ausnahme. Die Flüchtlingskrise war nicht die Ursache dafür, dass auch hier die Rechtspopulisten Aufwind bekommen haben."

De Maizière vertrat die Ansicht, hinter dieser Entwicklung steckten weniger einzelne politische Entscheidungen als das Unbehagen mancher mit der Globalisierung und Moderne insgesamt. "Bei einigen Kräften der AfD sehe ich eine Sehnsucht nach einer angeblich heilen Welt der westdeutschen Bundesrepublik, die es aber so nie gegeben hat", sagte er. "Und Skepsis gegenüber der Westbindung, gegenüber der EU und eine besondere Nähe zu Putin war nie Politik der CDU!"

Zur Frage, ob Merkel erneut als Kanzlerkandidatin antreten sollte, wollte sich de Maizière nicht äußern. "Ich arbeite mit der Kanzlerin sehr eng zusammen. Und ich weiß, dass sie in solchen Fragen Ratschläge von außen nicht gern hört", sagte er. "Meine Meinung können Sie sich vorstellen."

Derweil sieht eine weitere Umfrage die AfD als drittstärkste Kraft auf Bundesebene. Im für die "Bild am Sonntag" erhobenen Emnid-Sonntagstrend liegen CDU/CSU (unverändert 34 Prozent) und SPD (23 Prozent, plus 1 Punkt) zwar weiterhin mit großem Abstand vorne. Die Alternative für Deutschland gewinnt jedoch einen Zähler und liegt nun mit 12 Prozent einen Zähler vor den Grünen mit 11 Prozent (minus 1). Die Linke büßt einen Punkt ein und kommt nur noch auf 9 Prozent, die FDP verbessert sich um einen Zähler auf 6 Prozent.

Auch in den Umfragen anderer Institute hatte die AfD in der Vergangenheit schon mehrfach den dritten Rang belegt. Aktuell stufen etwa Infratest dimap und Insa/YouGov die Alternative für Deutschland ebenfalls als drittstärkste Kraft ein.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

EU verlängert Einsatz vor libyscher Küste
Kritiker werfen der EU vor, mit ihrem Marineeinsatz vor der libyschen Küste für einen weiteren Anstieg der illegalen Migration zu sorgen. Trotz vieler Bedenken wurde nun …
EU verlängert Einsatz vor libyscher Küste
Tempelberg-Krise: Erdogan soll sich um seine eigenen „Probleme und Schwierigkeiten“ kümmern
Trotz eines Kurswechsels der israelischen Regierung in der Tempelberg-Krise bleiben die Beziehungen zwischen Israel und den Palästinensern vorerst auf Eis. Gleichzeitig …
Tempelberg-Krise: Erdogan soll sich um seine eigenen „Probleme und Schwierigkeiten“ kümmern
Erdogans Spionagevorwürfe gegen Berlin
Die Bundesregierung hat mit einem verschärften Kurs gegen Ankara auf die Inhaftierung des Deutschen Peter Steudtner reagiert. Präsident Erdogan schlägt nun zurück. Auch …
Erdogans Spionagevorwürfe gegen Berlin
92 Prozent der Deutschen meiden Türkei als Urlaubsziel
Die Deutschen fürchten die Türkei: In der aktuellen SPON-Umfrage kam heraus, dass 92 Prozent der Deutschen ihren Urlaub nicht mehr in der Türkei verbringen wollen.
92 Prozent der Deutschen meiden Türkei als Urlaubsziel

Kommentare