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Die SPD debattiert über Peer Steinbrücks (links) Auswechslung als Kanzlerkandidat . CSU-Generaldirektor Alexander Dobrindt bittet die Genossen: "Weiter so!"

Debatte um Kanzlerkandidat

Steinbrück: "Weiter so!", rät Dobrindt der SPD

München - Pannen über Pannen! Die Debatte über Peer Steinbrücks Auswechslung als SPD-Kanzlerkandidat setzt ein. CSU-Generaldirektor Alexander Dobrindt bittet die Genossen: "Weiter so!"

Der gebeutelte Kandidat zeigt sich weder resigniert noch frustriert, eher trotzig. Im Umfragetief depressiv zu werden, so sagt Peer Steinbrück, „das wäre unprofessionell“. Nach den jüngsten Pannen in seinem Wahlkampf, er nennt sie „Turbulenzen“, überrasche ihn der Rückgang seiner Werte nicht. Er wolle jetzt politische Themen besetzen, um zu zeigen, wofür er stehe.

Bisher stehen die SPD und ihr Kanzlerkandidat für einen Absturz in den Umfragen. 23 Prozent sind es bei „Forsa“, der niedrigste Wert des Instituts seit Juli 2011 und exakt das traurige Ergebnis der letzten Wahl 2009. Glaubt man den Zahlen, dann rückt sogar eine absolute Mehrheit der Mandate für die Union (derzeit 43 Prozent) in die Nähe. Grüne (14), FDP (3), Linke (8) und Piraten (4) wären dann in- und außerhalb des Bundestags die Opposition.

Es sind nur Umfragen, und der Ruf von „Forsa“ hat bei den großen Parteien gelitten. Dennoch macht die Tendenz den Sozialdemokraten massive Sorgen. Steinbrück persönlich fällt sogar auf 18 Prozent Zustimmung, Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hingegen steigt auf 59.

Peer Steinbrück: Klare Kante und loses Mundwerk

Peer Steinbrück: Klare Kante und loses Mundwerk

Eine Debatte über Steinbrücks Auswechslung läuft. Parteichef Sigmar Gabriel könne nach der Niedersachsen- Wahl am Sonntag übernehmen, wird in Berlin spekuliert. Die mit Steinbrück verknüpfte Taktik, Wähler der Mitte anzusprechen, wäre dann gescheitert. Gabriel könne sich aber auf ein linkeres Spektrum konzentrieren und damit wenigstens solide Werte Richtung 27 oder 29 Prozent erreichen.

Alle Parteivorderen dementieren energisch. Steinbrück sei „Kanzlerkandidat vor und nach der Niedersachsen- Wahl“, sagt SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier („Spiegel Online“), der bei den Bürgern der beliebteste SPD-Bewerber wäre. Die SPD habe „einen guten Kanzlerkandidaten“ und noch acht Monate Zeit, um Merkel aus dem Amt zu heben. Fraktionsmanager Thomas Oppermann nennt Steinbrück sogar ein Zugpferd: „Der wird nicht versteckt, der wird vorgezeigt.“ Forsa arbeite eben gerade vor Wahlen „mit extremen Zahlen“, deutet er an.

Das Pech allerdings klebt derzeit an Steinbrück. Mit einer unbedachten InterviewÄußerung hatte der Ex-Finanzminister eine Debatte darüber losgetreten, ob Kanzler zu wenig verdienen. So etwas verschreckt das klassische SPD-Klientel, vor allem, weil Steinbrück wegen seiner Vortragshonorare dort eh skeptisch beäugt wird. Als sich der 66-Jährige diese Woche als Mann des einfachen Volkes präsentieren wollte, gab es wieder negative Schlagzeilen. Er will sich im Wahlkampf von normalen Bürgern zum Kaffeeklatsch einladen lassen, „Ochsentour“ nennen das Parteifreunde. Weil sein Auftaktbesuch in Braunschweig bei den Eltern einer Parteifreundin stattfand, wird ihm nun vorgeworfen, der Termin sei abgekartet gewesen – was die SPD bestreitet.

Die einzelnen „Turbulenzen“ dürften kaum der Grund sein, Steinbrück in die Wüste zu schicken. Sorge dürfte der SPD allerdings der Eindruck machen, mit dem Kandidaten klappe einfach gar nichts mehr. Die CSU beteiligt sich am Rande ihrer Kreuth-Klausur bereits freudig an der Debatte, ob Steinbrück noch zu halten sei. Parteichef Horst Seehofer stichelt, Gabriel würde „genau das erfüllen, was die Anhängerschaft der SPD mit Sehnsucht erwartet: die Rückgabe der Seele, die ja durch diese ganze Agenda 2010 erheblich zerfleddert wurde“. Den früheren Finanzminister Steinbrück skizziert er als durchsetzungsschwach und konfliktscheu. Generalsekretär Alexander Dobrindt spricht von einem „Kandidaten-Debakel“ und rät der SPD zynisch: „Weiter so.“

cd/dapd

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