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Markus Söder will den Unterricht in Bayerns Schulen für Migranten-Kinder neu ausrichten.

“Zueinander führen, nicht separieren“

Debatte um „Wertekunde“ für Migranten-Kinder: SPD-Vorsitzende attackiert Söder

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Der Schulunterricht von Flüchtlings- und Migrantenkindern soll in Bayern neu ausgerichtet werden. Ministerpräsident Markus Söder kündigt in einem Interview „Deutschklassen“ und „Wertekunde“ an.

München – Es sind nur einige Sätze in einem Interview, aber sie machen die Opposition in Bayern stutzig. Die FDP wähnt schon die „bildungspolitische Ghettoisierung“ am Horizont, die Freien Wähler warnen vor einer künftigen „Zwei-Klassen-Gesellschaft“ an den Schulbänken.

Die Warnungen gelten Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU), der die Schulpolitik als Aktionsfeld erkannt hat. Die Zuwanderung habe „große Sprachprobleme in die Schulen“ gebracht, darauf müsse Bayern eine Antwort finden. Seine hat er schon gefunden: „Wir führen sogenannte Deutschklassen ein“, kündigte er in der „Bild am Sonntag“ an. „Das sind Ganztagesklassen mit kleinerer Klassenstärke“. Dort werde ausländischen Kindern „intensiv Deutsch vermittelt, aber gleichzeitig auch Wertekunde“. Denn „das kann man nicht nur in vierwöchigen ,Crashkursen’ lernen“, sagte Söder. „Nur diejenigen Schüler kommen dann in den Regelunterricht, die unsere Sprache sprechen und unsere Werte verstehen.“

65.000 Schüler erhalten Extra-Kurse

Nun beginnt die Exegese der Söder-Sätze. Es ist ja nicht so, dass Flüchtlingskinder an den bayerischen Schulen bisher nicht speziell gefördert würden. Etwa 65.000 ausländische Schüler an Grund- und Mittelschulen erhalten in irgendeiner Form Deutsch-Extrakurse. Dazu gibt es ein ausgefeiltes Instrumentarium. „Die Fördermaßnahmen für Schüler mit Migrationshintergrund umfassen die Vorkurse Deutsch, die Deutschförderklassen, die Deutschförderkurse (und) die Übergangsklassen“, heißt es auf der Homepage des Kultusministeriums.

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Simone Fleischmann, Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV), versteht nicht, wo da nun nachjustiert werden müsse. Vor allem auf die Übergangsklassen – mehr als 700 mit gut 10.000 Schüler – war Bayern stolz, der frühere Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) wurde nicht müde, sie auch außerhalb Bayerns als sinnvolle Methode für das Deutsch-Lernen anzupreisen. Wer die ersten Bausteine Deutsch gelernt hat, der wechselt in Bayern – so die übliche Praxis – in die Regelklasse, lernt also dann mit einheimischen Schüler. Migrantenschüler tauchen somit in ein „Sprachbad“ ein und perfektionieren so nebenbei ihre Deutsch-Kenntnisse. Wer dabei Probleme hat, der wird stundenweise von Deutsch-Förderlehrern aus der normalen Klasse geholt und erhält Extra-Aufgaben.

Kritik an „kontraproduktivem“ Söder-Vorschlag

Sollen Übergangsklassen und Deutsch-Förderkurse nun durch Söders „Deutschklassen“ ersetzt werden? Soll nur das 100-prozentig deutsch sprechende Ausländerkind in eine Regelklasse dürfen? Das würde Integration behindern, entgegnet SPD-Spitzenkandidatin Natascha Kohnen. Nötig für Bayern seien „Integrationsklassen, die Kinder zueinander führen und nicht separieren“, twitterte sie. 

FDP-Spitzenkandidat Martin Hagen formulierte: „Separate Klassen, in denen ausschließlich Kinder von Zuwanderern unterrichtet werden, sind kontraproduktiv.“ Wenn Söder den Schulen etwas Gutes tun wolle, dann solle er mehr Lehrerstunden für den Deutsch-Förderunterricht genehmigen, ergänzte SPD-Bildungsexperte Martin Güll.

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Interpretationssache ist auch die „Wertekunde“. Als eigenes Schulfach gibt es das bisher nicht. Das sei auch nicht sinnvoll, sagt BLLV-Chefin Fleischmann, weil Erziehung zu Respekt und Toleranz eine Querschnittsaufgabe in allen Fächern sein müsse. Sie rät zum Abwarten: Vielleicht werde Söder in seiner Regierungserklärung am 18. April genauer erläutern, was er meint.

Kurse für Flüchtlinge:

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