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Es gebe in Syrien keine Guten mehr, sagt die Schweizer Juristin Carla Del Ponte. Foto: Salvatore Di Nolfi/Archiv

Scharfe Kritik an UN

Del Ponte verlässt resigniert Syrien-Untersuchungskommission

Die UN-Untersuchungskommission zu Syrien muss einen herben Rückschlag einstecken: Chefanklägerin Carla Del Ponte wirft das Handtuch. Die internationale Gemeinschaft habe nicht aus den Gräueltaten in Ruanda gelernt. Sie wolle nicht weiter eine "Alibi-Ermittlerin" sein, so die Schweizerin.

Genf (dpa) - Die ehemalige UN-Chefanklägerin Carla Del Ponte (70) hat ihren baldigen Rückzug aus der Syrien-Untersuchungskommission der Vereinten Nationen mit scharfer Kritik verbunden.

"Wir haben überhaupt keinen Erfolg. Seit fünf Jahren rennen wir Mauern ein", sagte Del Ponte der Schweizer Boulevard-Zeitung "Blick" am Rande des Locarno Filmfestivals. Sie wolle nicht weiter eine "Alibi-Ermittlerin ohne politische Unterstützung" sein. Die UN bestätigten am späten Sonntagabend den für Herbst geplanten Rückzug der Schweizer Juristin.

Es gebe in Syrien keine Guten mehr, sagte Del Ponte. "Alle in Syrien sind böse. Die Regierung Assad, die schreckliche Verbrechen gegen die Menschlichkeit verübt und Chemiewaffen einsetzt. Und die Opposition, die nur noch aus Extremisten und Terroristen besteht."

Die internationale Gemeinschaft habe nicht aus den Gräueltaten in Ruanda gelernt, kritisierte Del Ponte. Russland unterstütze vielmehr den syrischen Machthaber Baschar al-Assad und liefere Waffen. Del Ponte trat der Syrien-Untersuchungskommission 2012 bei.

Die UN würdigten den Einsatz der 70-Jährigen, erklärten aber, dass die Ermittlungen unvermindert fortgesetzt werden müssten. "Diese Bemühungen werden aktuell mehr gebraucht denn je."

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