+
Nach seinem Besuch bei Nordkoreas Diktator Kim Jong Un berichtet Basketball-Legende Dennis Rodman (rechts) mit ABC-Moderator George Stephanopoulos.

Nach Besuch bei Nordkoreas Diktator

Ex-NBA-Star Rodman: "Kim Jong Un ist mein Freund"

  • schließen

Washington - Sind Nordkoreas Diktator Kim Jong Un (29) und Basketball-Legende Dennis Rodman (51) Freunde fürs Leben? "Ich liebe ihn", sagt Rodman nach einem Besuch bei Kim - und plaudert in einem bizarren TV-Auftritt über die Reise.

"Der Kerl ist hammermäßig", lobte Rodman nach seiner Rückkehr in die USA den nordkoreanischen Machthaber, der laut internationalen Medienberichten Flüchtlinge an der Grenze erschießen sowie Menschen öffentlich hinrichten oder in Internierungslager für politische Gefangene verschleppen lässt. Aber wenn man von solchen Nebensächlichkeiten absieht, dann könnte Kim Jong Un vielleicht doch ein ganz netter Kerl sein. Immerhin hat er den früheren Basketball-Superstar (er hatte seine besten Zeiten bei den Chicago Bulls und den Los Angeles Lakers) mit einigen Mitgliedern der Showmannschaft Harlem Globetrotters in das weitgehend isolierte Nordkorea eingeladen.

Dort verfolgten Kim und Rodman zusammen ein Basketball-Spiel, gingen in eine Eislauf-Halle sowie ins Delfinarium und genehmigten sich nach einem opulenten Essen noch ein paar Drinks. Solche geselligen Aktivitäten legen nicht selten den Grundstein für eine echte Männerfreundschaft. So wohl auch in diesem Fall. Immerhin lobt Rodman den Machthaber: "Er ist so ehrlich."

Kim Jong Un: Wer ist diese mysteriöse Frau?

Kim Jong Un: Wer ist diese mysteriöse Frau?

Was man auch immer von Rodmans politischem Weitblick halten mag. Eines kann er sich nun wirklich zugute halten: Er hat bei seinem Besuch wohl mehr über den mysteriösen Diktator erfahren, als jeder hochrangige, helle Kopf in der US-Regierung. "Es gibt keinen bei der CIA, der Ihnen mehr über die Person Kim Jong Un erzählen könnte, als Dennis Rodman", mutmaßt Militär-Experte Steve Ganyard gegenüber dem Sender ABC. "Und das ist sehr beängstigend."

Im Interview mit ABC-Moderator George Stephanopoulos (hier geht's zum Video) plauderte der Ex-Sportstar nun über seinen Besuch in der kommunistischen Diktatur. Allerdings wolllte der bekannte Polit-Journalist nicht als Stichwortgeber für einen Erlebnisbericht über die Propaganda-Reise fungieren. Ob Rodman eigentlich wisse, dass Kim Jong Un schon mehrfach gedroht habe, die USA zu zerstören und die Menschenrechte mit Füßen trete, wollte Stephanopoulos wissen. "Ich hasse es, dass er so etwas tut", erklärte Rodman. Trotzdem sei Kim Jong Un ja auch ein menschliches Wesen. Zudem habe er sich dem US-Star gegenüber wie ein echter Freund benommen. Was Rodman ebenfalls am 29-Jährigen imponiert: "Ich habe gesehen, wie die Menschen im Land ihn und seine Familie respektieren." Was angesichts eines staatlich verordneten Führerkultes auch nicht so ungewöhnlich sei, konterte Stephanopoulos.

Nordkorea zündet unterirdische Atombombe

Nordkorea zündet unterirdische Atombombe

Damit aber nicht genug: Rodman hat nach eigenem Bekunden von Kim Jong Un auch eine politische Botschaft für Präsident Barack Obama mitgebracht."Kim Jong-Un möchte, dass ihn Obama anruft. Noch diese Woche." Immerhin gebe es eine Gemeinsamkeit zwischen den beiden Politikern: " Kim Jong Un liebt Basketball, Obama liebt Basketball. Das ist doch ein Anfang. " Mit Sicherheit wolle Kim auch keinen Krieg mit den USA, versichert der Ex-NBA-Star.

Rodmans Fazit über Jung-Diktator Kim: "Das Kind ist ein großartiger Typ." Stephanopoulos hakt abermals nach: "Ein großartiger Typ, der 200.000 Menschen in Gefangenenlager steckt?"  Rodmans lapidare Antwort: "So was machen wir doch auch." Der Moderator zeigt sich verwundert: "Wir haben Gefangenenlager?" Rodman veteidigt Kim: "Ach, das ist doch alles Politik. Er will das eigentlich auch gar nicht tun. Und ich bin ja kein Diplomat." Außerdem: "Zu mir war er ein ganz guter Typ. Er ist mein Freund. Ich befürworte das ja gar nicht, was er sonst alles macht." Und überhaupt: "Wir haben ja auch Präsidenten, die üble Dinge machen. Bill Clinton konnte auch Sex mit seiner Sekretärin haben [Monica Lewinsky war seine Praktikantin; Anm. d. Red.] und davonkommen und mächtig bleiben."

Krise in Korea: Hier schlagen die Granaten ein

Krise in Korea: Hier schlagen die Granaten ein

Für die Basketball-Legende steht nach seinem Nordkorea-Trip definitiv fest: "Eines Tages werde ich zurückkehren und noch mehr darüber herausfinden, was da vor sich geht."

Zu Zeiten des Kalten Krieges nannte man westliche Intellektuelle, die sich von der kommunistischen Propaganda vereinnahmen ließen, oftmals "nützliche Idioten". Dennis Rodman kann man das vermutlich nicht vorwerfen. Denn als Intellektueller betrachtet sich der Ex-Sportstar bestimmt nicht.

fro

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Slowakischer Ex-Minister soll Mord bestellt haben
Die slowakische Polizei hat am Montag den ehemaligen Wirtschaftsminister Pavol Rusko verhaftet. Ihm wird vorgeworfen einen Mord bestellt zu haben.
Slowakischer Ex-Minister soll Mord bestellt haben
SPD und Grüne in Niedersachsen treffen sich zu Sondierungsgesprächen
Nach der Wahl in Niedersachsen vor gut einer Woche, beginnen nun die ersten Gespräche zwischen den Parteien. Ministerpräsident Stephan Weil trifft sich zunächst mit den …
SPD und Grüne in Niedersachsen treffen sich zu Sondierungsgesprächen
Orban erklärt Ost-Mitteleuropa zur „migrantenfreien Zone“
In einer Rede hat der ungarische Präsident Viktor Orban Ost-und Mitteleuropa zur „migrantenfreien Zone erklärt“. Diese Ländern seien die einzigen die Widerstand leisten …
Orban erklärt Ost-Mitteleuropa zur „migrantenfreien Zone“
Fall Bergdahl: Militärgericht beschäftigt sich mit Trump-Kommentaren
Im Verfahren gegen den US-Soldaten Bowe Bergdahl, der 2014 in einem umstrittenen Gefangenenaustausch freigekommen war, hat sich das Militärgericht mit Äußerungen von …
Fall Bergdahl: Militärgericht beschäftigt sich mit Trump-Kommentaren

Kommentare