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Bernd Fabritius wird neuer Präsident des Bundes der Vertriebenen.

Erstes großes Interview

Designierter BdV-Chef: "Ich bin unbelastet"

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München - Er ist der Nachfolger der streitbaren Erika Steinbach: der designierte BdV-Präsident Bernd Fabritius. Mit dem Merkur spricht er über die Aufgabe, die vor ihm liegt. Es ist das erste große Interview.

1984 kam der Siebenbürger Sachse Bernd Fabritius, damals gerade mal volljährig, aus Hermannstadt nach Bayern. Er fand seinen Weg in die Mitte der Gesellschaft schnell – mehrere Studienabschlüsse in Politik und Jura, unter anderem an der Münchner Hochschule für Politik, Staatsbeamter in Bayern, seit 2013 CSU-Bundestagsabgeordneter. Nun folgt ein Riesenschritt: Das Präsidium des Bundes der Vertriebenen (BdV) schlägt Fabritius als neuen Präsidenten vor. Er tritt die Nachfolge der streitbaren Erika Steinbach an.

Sie sind der erste designierte BdV-Chef, der nach Kriegsende geboren wurde. Ketzerische Frage: Braucht’s den Vertriebenenverband noch?

Ganz bestimmt! Er ist so wichtig wie nach dem Krieg, aber jetzt mit anderen Beweggründen. Der BdV muss sich von einem starken Erinnerungsfokus – der nach wie vor wichtig ist – weiterentwickeln zur Vertretung der Deutschen aus Ost-, Südost- und Mitteleuropa. Es geht etwa um Integration und Identitätsfestigung im Spätaussiedlerbereich bis hin zur Unterstützung der Anliegen unserer Landsleute, die heute noch in den Herkunftsgebieten leben.

Eine Art Scharnierfunktion? 

Ja. Die Vertriebenen können das, sollen das, wollen das.

Unter Erika Steinbach war das so nicht überall möglich. Sie ist gerade für viele Polen ein rotes Tuch. Gibt es einen Neuanfang? 

Ja, man kann davon reden. Ich habe kein Verständnis für die Häme, die in polnischen Medien nach der Rückzugsankündigung verbreitet wird. Aber ich werde unbelastet an die Aufgabe herangehen. Ich möchte die Vorgänge und Äußerungen, die man Frau Steinbach vorwirft und die vor meiner Zeit im Verband waren, nicht vom Hörensagen bewerten. Mein Ansatz ist: Den Weg der Annäherung, den ich mit Rumänien gegangen bin, auf den ganzen Verband zu übertragen. Beide Länder stehen zu ihrer ganzen Geschichte, Deutschland zu seinen schwärzesten Stunden und Rumänien zum Kommunismus.

Steinbach durfte nach polnischen Protesten nicht in den Aufsichtsrat des Zentrums gegen Vertreibungen. Bleiben Sie drin? 

Ich bin von Anfang an drin. Ich werde bleiben.

Weil Sie eh nicht so erz-konservativ werden wie Ihre Vorgängerin?

Ich bin ich. Was die Vertriebenen betrifft, würde ich den Kurs von Frau Steinbach gar nicht als so konservativ werten. Und ich gehöre mit Sicherheit zur Mitte in der Volkspartei CSU.

Ist die Aussöhnung Bayerns mit Tschechien ein Musterfall – oder haben Sie da Bauchschmerzen?  Keinerlei Bauchschmerzen, ich finde das sehr gut. Die enge Begleitung durch den Verband der aus dem Gebiet stammenden Deutschen hat sich bewährt. Eine klarere Distanzierung von den Benes-Dekreten ist trotzdem mit Sicherheit eine Aufgabe, die Prag noch zu erledigen hat. Es ist heilsam zu wissen, dass einem die alte Heimat nicht ablehnend gegenüber steht.

Gehören Besitzrückgaben heute noch zum Forderungskatalog des BdV?

In Tschechien und Polen werden solche Sorgen bisweilen genährt. Seit ich dabei bin, hat der Verband keine kollektiven Gebietsansprüche vertreten. Das wird auch künftig so sein. Eigentum ist ein Individualrecht. Jede Einzelperson, die enteignet worden ist, muss im Rahmen des nationalen Rechts die eigenen Ansprüche durchsetzen können. Das geht. Eigentum ist als europäisches Grundrecht geschützt. In Rumänien ist viel Unrecht rückabgewickelt worden – teilweise mustergültig. Aber nochmal: Das ist nicht Aufgabe des Verbandes, dieser fordert rechtskonforme Rahmenbedingungen. Und es geht nicht um Territorialansprüche.

Wenn sich der Fokus des Verbandes wandeln soll – denken Sie auch über einen neuen Namen nach?  Ganz intensiv. Aber das ist noch nicht spruchreif.

Christian Deutschländer

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