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Zwischen Staatswappen und Starwars-Tasse: Markus Söder am Dienstag in seinem Büro im Finanzministerium.

Designierter Ministerpräsident

Markus Söder: „Meine Frau sagt, bleib am Boden“

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Tag eins nach seiner Nominierung: Markus Söder wirkt erleichtert, gelöst, aber nicht übermütig. Der CSU-Politiker, jetzt eine Art designierter Ministerpräsident, empfängt zum Interview im Finanzministerium.

München - Es sieht aus wie immer, und doch ist es ein Stück Zeitenwende: Söder (50) wählt seine Worte vorsichtig, verkneift sich die sonst üblichen Zwischentöne in Richtung Horst Seehofer.

Herr Minister, wie gut ist Ihr Gedächtnis?

Markus Söder: Eigentlich ganz gut. Wobei ich die Gabe habe, manch Belastendes zu vergessen.

Die werden Sie brauchen. Seehofer bat Sie, all das zu vergessen, was früher an heftigem Streit war. Verzeihen Sie echt, oder verdrängen Sie nur?

Uns verbindet eine lange Verantwortungsgemeinschaft. Horst Seehofer hat mich immer wieder in sein Kabinett berufen und wir haben für Bayern gut zusammengearbeitet.

„Ich bin kein nachtragender Mensch“

Das klang mitunter anders. 2012 schimpfte er über „Schmutzeleien“...

Danach haben wir uns ausgesprochen. Ich bin kein nachtragender Mensch und Horst Seehofer auch nicht. Außerdem gilt: Wer ewig einen Rucksack schlechter Erinnerungen mit sich herumträgt, läuft irgendwann gebeugt. Wir schultern jetzt gemeinsam die Herausforderung. Er als Parteivorsitzender für Berlin – mit meiner vollen Unterstützung – und ich dann in München. Das wird gut funktionieren.

Sie reden ja neuerdings miteinander...

Wir hatten mehrere lange, vertrauliche Gespräche. Wir stehen doch alle in der ganz besonderen Verantwortung, das Erbe von Strauß und Stoiber zu mehren und diesem großartigen Land zu dienen. Dank der souveränen Entscheidung von Horst Seehofer haben wir jetzt eine gemeinsam getragene Lösung und kein Kreuth 2007.

Viele Leute haben erhebliche Vorbehalte gegen Sie. Als „bullig und grundaggressiv“ beschreibt Sie der „Spiegel“. Finden Sie sich darin wieder?

Der „Spiegel“ hat selten einen CSU-Politiker gelobt. Wahrscheinlich müsste ich besorgt sein, wenn sie es täten. Unabhängig davon: Jeder darf seine Meinung haben. Ich will versuchen, die Bürger mit Leistung zu überzeugen. Am Ende zählen in der Politik Taten. Wir wollen uns für die Sorgen der Menschen einsetzen. Diesen Ehrgeiz haben wir. Im Übrigen glaube ich, dass ich in der bayerischen Bevölkerung eine Grundakzeptanz habe. Das spiegeln unzählige Begegnungen mit den Menschen im ganzen Land wider.

„Jeder hat seinen eigenen Stil“

Ministerpräsident bedeutet auch: Landesvater sein. Können Sie das? Trösten? Umarmen?

Natürlich. Aber ein Ministerpräsident ist nicht in erster Linie Seelentröster, sondern Problemlöser. Jeder hat seinen eigenen Stil. Horst Seehofer hat mir geraten: authentisch zu bleiben.

Ist das Ziel: Absolute Mehrheit 2018?

Es macht wenig Sinn, heute über Prozente zu reden. Das vermittelt den falschen Eindruck. Die Menschen werden sehr darauf achten, ob wir uns wieder stärker um sie kümmern. Wir reden nicht über Wahlergebnisse, sondern arbeiten dafür, dass die Bayern uns vertrauen. So hat es Horst Seehofer auch 2013 gemacht. Da kann man von ihm eine Menge lernen.

Sie sagten unlängst, auch bei Widerständen aufrecht stehen bleiben zu wollen. Konkret: Kommt mit Ministerpräsident Söder die dritte Startbahn?

Ich gebe heute keine Regierungserklärung ab, das wäre vermessen. Die Debatte um die dritte Startbahn werden wir gemeinsam führen. Generell gilt: Wir brauchen bei der Landesentwicklung in Bayern eine Balance der Geschwindigkeiten. Die Ballungsräume sehnen sich nach einem sensiblen Wachstum. Denn wenn es so weitergeht wie jetzt, haben wir bald einen Verkehrsinfarkt, und keine Familie kann sich mehr eine Wohnung leisten.

„Diesen Ehrgeiz haben wir“: Markus Söder im Interview mit den Politik-Redakteuren Christian Deutschländer (li.) und Sebastian Dorn.

Gelten Seehofers Millionen- und Milliarden-Zusagen für Konzertsaal und Stammstrecke noch?

Klar, das haben wir doch gemeinsam beschlossen.

Südbayern beobachten mit Argusaugen, was ein fränkischer Ministerpräsident für seine Heimat tut. Was garantieren Sie den Oberbayern?

Es gibt keinen fränkischen Ministerpräsidenten, es gibt keinen oberbayerischen. Es gibt nur einen bayerischen...

...der sich besonders liebevoll um Franken kümmert?

Zur Erinnerung: Die größten bayerischen Investitionen werden in München getätigt. Außerdem haben wir Behördenstandorte in das südliche und östliche Oberbayern verlagert. Wir wollen ein Wachstum auch in den ländlichen Regionen im Oberland. Dabei gilt es zum Beispiel, den Tourismus weiter zu stärken. Oberbayern wird der größte und schlagkräftigste Regierungsbezirk bleiben.

„Meine Hand ist für jeden ausgestreckt“

Sie werden Ihr erstes Kabinett bilden. Faustformel: Wer die vergangenen Wochen gegen Sie war, kann seine Karriere knicken? Pech für Ilse Aigner?

Unsinn. Wir alle halten zusammen. Wir sind eine CSU. Ilse Aigner ist eine starke Ministerin und Bezirksvorsitzende des größten Verbands. Sie wird sicher auch Listenführerin in Oberbayern sein. Wir kennen uns sehr lange. In der Jungen Union war sie meine Stellvertreterin und wir haben als jüngste Abgeordneten gemeinsam 1994 den Landtag eröffnet.

Konkret: Wie wollen ausgerechnet Sie nun zum Beispiel die beliebte Landtagspräsidentin Barbara Stamm überreden, 2018 weiterzumachen?

Wir kennen uns seit vielen Jahren und ich habe viel von ihr gelernt. Wir tauschen uns auch regelmäßig aus und ich hoffe sehr, dass sie weitermacht.

Sie wollten das Amt des Ministerpräsidenten immer. Haben Sie nun Bammel?

Nein. Ich gehe die Herausforderung mit Mut und Demut an. Ich weiß, dass die Erwartungen groß sind und bei dem einen oder anderen noch Skepsis besteht. Ich werde viel und hart arbeiten und bitte um eine faire Chance.

Ihre Frau rückt jetzt mit ins Rampenlicht.Was sagt sie dazu?

Meine Frau hat mich immer sehr unterstützt. Sie sagte: „Du weißt, was auf Dich zukommt. Bleib am Boden.“

Wenn Sie Ihr Büro hier im Finanzministerium räumen, die paar hundert Meter rüber in die Staatskanzlei ziehen – was nehmen Sie mit?

Vieles. Auch meine Bibel, die immer am Schreibtisch liegt. Ich bin gläubiger Christ, das hilft mir in vielen Situationen. Ob Sie das jetzt glauben wollen oder nicht: Mein Glaube gibt mir Kraft.

Lesen Sie auch: Das große Stühlerücken - wer wird was in Söders Kabinett?

Und: Experten-Interview: Kann das gutgehen mit Seehofer und Söder?

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