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Die deutsche Kriegsfotografin Anja Niedringhaus ist nach Polizeiangaben vom Freitag in Ostafghanistan von einem Polizisten erschossen worden.

Racheakt in Afghanistan

Polizei erschießt deutsche Kriegsfotografin

Kabul - Die deutsche Kriegsfotografin Anja Niedringhaus ist in Ostafghanistan von einem Polizisten erschossen worden. Als Motiv gab der Mann Rache für Nato-Luftangriffe auf sein Dorf an.

Das sagte ein Sprecher der Polizei in der afghanischen Unruheprovinz Chost am Samstag. Niedringhaus sei zusammen mit der kanadische Journalistin Kathy Gannon mit einem Wahlkonvoi in die Provinzhauptstadt Chost-Stadt gefahren. Die beiden Frauen seien dann mit einem einheimischen Fahrer eigenständig weiter nach Tanai an der pakistanischen Grenze gefahren, um von dort über die Wahl zu berichten.

Die 48-jährige Niedringhaus war am Freitag von dem Kommandeur eines Polizei-Kontrollpunkts erschossen worden, ihre kanadische Kollegin der amerikanischen Nachrichtenagentur AP wurde schwer verletzt. Der Polizist hatte mit den Worten „Allahu Akbar“ (Gott ist Groß) das Feuer auf sie eröffnete.

Sie gewann 2005 den Pulitzer-Preis

Wie hna.de berichtet, kommt Niedringhaus aus Kaufungen im Kreis Kassel und arbeitete seit 2002 für die AP. 2005 gewann sie gemeinsam mit einem Team an AP-Fotografen den Pulitzer-Preis für ihre Berichterstattung im Irak. Der Leichnam von Niedringshaus wurde am Samstag nach Deutschland überführt.

Im vergangenen Monat war ein schwedischer Reporter in Kabul auf offener Straße erschossen worden. Kurz danach war unter den Opfern eines Taliban-Angriffs auf das Serena-Hotel in Kabul ein afghanischer Reporter der französischen Nachrichtenagentur AFP, auch ein Großteil seiner Familie wurde getötet. Die Sicherheitslage in Afghanistan vor der Wahl ist extrem angespannt.

Bestürzung bei Reporter ohne Grenzen

Die beiden Organisationen Reporter ohne Grenzen (ROG) und Journalisten helfen Journalisten äußerten sich bestürzt über den Tod der deutschen Kriegsfotografin. „Der Angriff zeigt, wie extrem gefährlich Afghanistan für Journalisten immer noch ist“, sagte ROG-Geschäftsführer Christian Mihr in Berlin. „Die Regierung muss dafür sorgen, dass Journalisten in den kommenden Tagen über die Präsidentschaftswahl berichten können, ohne um ihr Leben fürchten zu müssen.“

Fotografin Anja Niedringhaus - ihr Werk

Insgesamt kamen seit 2002 nach Angaben von ROG mindestens 19 Journalisten in Afghanistan im Zusammenhang mit ihrer Arbeit gewaltsam ums Leben. Darunter waren auch die deutschen Journalisten Karen Fischer und Christian Struwe, die 2006 erschossen wurden. Vor allem im Süden und Osten des Landes, den die Taliban de facto dominieren, würden Journalisten vermehrt bedroht und angegriffen. Laxe Strafverfolgung führten zu einem Klima der Straffreiheit.

dpa

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